Schlagwort-Archive: shitty first draft

NaNoWriMo… still going on

img_1344

NaNoWriMo Tag 26. Der schreibintensive Monat geht in die Zielgerade. Bei mir hat sich ab 19.November die weitere Rohtextproduktion ausschließlich ins Notizbuch verlagert. Ich habe nur Auszüge abgetippt und somit keinen aktuellen Word count. Den brauche ich aber gar nicht mehr, weil ich schon gewonnen habe:

1) Ich habe mein Ziel von 30.000 Wörtern schon am 18.November erreicht

2) Ich bin überglücklich, einfach händisch vor mich hin zu kritzeln, ganz im privaten Raum meines Notizbuches, roheste Rohtexte und shitty first drafts und krude Gedanken.

Erst Anfang Dezember möchte ich diesen Schreibmarathon quantifizieren, evaluieren und reflektieren. Bis dahin sind noch einige Seminare zu halten, Reviews, Textfeedbacks und andere Schreibaufgaben dran…
Keep on writing!

Autorin: Johanna Vedral
Bild: by Katja Palaszewski

My personal NaNoWriMo

20160930_134742

November, der NaNoWriMo – Monat ,in dem weltweit geschrieben wird, was das Zeug hält,steht vor der Tür! Last Minute habe ich heute meine Gliederungs-Ideen fürs neue Buch in vorläufige Kapitel-Überschriften verwandelt… und somit kann mein Schreibmarathon  morgen beginnen! Juhu!

Was heißt NaNoWriMo für mich? Was ist mein ganz persönlicher NaNoWriMo?

Ich nehme mir vor, im November täglich mindestens 1000 Wörter lange shitty first drafts für mein neues Buch zu schreiben. Das sind etwa 2 Seiten Text (1 1/2 zeilig).Das Ziel: 30.000 Wörter unzensiertes Material, ein Rohtext, ganz im wildmind-set verfasst, mit dem ich weiter arbeiten kann. Überarbeiten kommt später.

Und du?

P.S.: Community deepens the experience.  Im writers`studio z.B. begleitet Michaela Muschitz eine Gruppe schreibfreudiger NaNos durch den November! 2 Plätze gibts noch! Los gehts!

Die Kunst, den inneren Imperfektionisten zu umarmen

Perfektionismus ist der Feind des Schreibens, da sind sich SchreiblehrerInnen und SchreibtrainerInnen einig. Perfektionismus und Prokrastination, die berüchtigte Aufschieberitis, gehen meist Hand in Hand.

In meinen Schreibseminaren sind die innere Kritiker, die personifizierten Perfektionisten der Schreibenden stets auch im Raum. Mit Freewriting und anderen Methoden des Creative Writing erlauben wir uns, dem allgegenwärtigen Genörgel unseres Perfektionismus durch schnelles Schreiben zu entkommen. Freewriting taugt auch dazu, die Argumente des inneren Kritikers, warum unsere Texte so schlecht sind, aufs Papier zu bringen und sie so zu erforschen. Es gibt Übungen, um den inneren Kritiker in die Wüste zu schicken, zumindest so lange, bis wir einen Rohtext, einen mehr oder weniger shitty first draft geschrieben haben. Denn fürs Überarbeiten ist der Perfektionist ja dann ganz brauchbar.

Anne Lamott schreibt „Perfectionism will ruin your writing“ und ermutigt dazu, shitty first drafts zu schreiben: „Go ahead and make big mistakes. Use up lots of paper. Messes are the artists`s true friend.“ Eine der schönsten Creative Writing-Übungen, um den inneren Imperfektionisten zu umarmen, möchte ich dir hier vorschlagen, bevor ich mich an mein Manuskript mache:

Stell den Wecker auf 10 oder 15 Minuten und erlaube dir, den schlechtesten Text aller Zeiten zu schreiben. Schwelge in Füllwörtern und allen „Don`ts“ des guten Schreibens – und hab Spaß dabei!

Wenn du dann noch weiter prokrastinieren möchtest und „The Art of Procrastination“ von John Perry schon gelesen hast, lies folgende Anleitungen zum Imperfektionismus:

Stephen Guise „How to be an imperfectionist“

Blake Powell „How to Embrace Imperfection as a Writer“

Ich wünsche dir viel Spaß für deinen nicht-perfekten Schreibtag!

Schluss mit dem Rohtext-Stau!

Jede/r Schreibende hat bevorzugte Phasen im Schreibprozess. Der eine schreibt gerne Ideenlisten und clustert begeistert geniale Textstrukturen, die andere hingegen kritzelt leidenschaftlich gerne Rohtexte. Wieder andere feilen gerne an ihren Texten, bis sie druckreif sind. Für sie ist Überarbeiten keine Arbeit, sondern ein Vergnügen. Ich bin so eine Ideensprudlerin und Viele-Rohtexte-Schreiberin. Das Abtippen dieser shitty first drafts gefällt mir hingegen weniger gut. Das Abtippen ist für mich Arbeit, da hört es auf mit dem Schreibvergnügen. Ist der Text getippt, mache ich mich dann schon gerne ans Überarbeiten, wenn der Text schon gut abhängen durfte. Aber wenn das Tippen nur nicht so fad wäre. Viel lieber schreibe ich einen neuen Text…

Ach, das wäre doch schön, eine Sekretärin zu haben, die meine Rohtexte abtippt, seufzte ich schon länger. Seit gestern habe ich sie – und zwar in Form einer Spracherkennungssoftware. Hurra! Das Programm macht weniger Fehler als ich beim Abtippen meiner Rohtexte! Nun können endlich die unzähligen Texte aus meinen Notizbüchern in Word-Dateien landen. Texte diktieren ist nun eine meiner neuen Lieblingsbeschäftigungen! Endlich kann ich der Unlust, Rohtexte abzutippen, ein Schnippchen schlagen. Meine Notizen zu diktieren macht wirklich Spaß. Denn neben der Schonung meiner Tippfinger habe ich gleich den Sound meiner Texte im Ohr, was für das Überarbeiten sehr wichtig ist, höre ich doch sofort, wenn ein Satz holprig oder sperrig klingt. Ein Universum an neuen Möglichkeiten eröffnet sich, mein Schreiben erreicht jetzt eine neue Dimension. Denn: endlich ist Schluss mit dem Rohtextstau im Notizbuch!

Memoir schreiben: Kann das nicht einfach so stehen bleiben, wie es ist?

Collage Johanna Vedral

Ein wichtiger Lernprozess beim Memoir-Schreiben ist, nicht beim ersten Aufschreiben von Erlebtem stehen zu bleiben. Nicht nur die Erinnerungen niederzuschreiben und sie dann so stehen zu lassen. Nicht nur Licht in bislang dunkle Räume in unserer Psyche zu werfen, sondern mit diesen Räumen vertraut zu werden, um schließlich weiter zu gehen, weiter zu forschen. Das braucht Geduld.

In den USA, wo gerade die „misery memoirs“ am populärsten sind, wird mittlerweile auch kritisch reflektiert, dass viele Schreiber/innen dieser Memoirs ihre schrecklichen Erlebnisse noch nicht genug durchgearbeitet haben: „Memoir writing is not the trauma-olympics“, bringt Brooke Warner es auf den Punkt.

Wie kann das aussehen, dieses Durcharbeiten von Erinnerungen? Indem ich mich daran mache, den first draft, den Rohtext hinzuschreiben. Mich traue, in Erinnerungen einzutauchen und sie so schreibend wieder zu erleben, in einem Tempo, das mir guttut. Und mit einer wohlwollenden, versöhnlichen Haltung meinem jüngeren Ich gegenüber. Hier ist intensive Selbst-Heilungs-Arbeit möglich.

Große Fragen an mein Leben brauchen Zeit und einen liebevollen, vielleicht auch erbarmungsvollen Blick zurück, im Tagebuch oder in Memoir-Freewritings im geschützten Rahmen einer Gruppe:

  • Wie viel Verborgenes, Verstummtes, Unsichtbares mache ich auf Papier sichtbar?
  • Wie viel von der rohen, der oft schmerzhaften Wahrheit erlaube ich mir, aufzuschreiben?
  • Was ist meine ureigene Wahrheit, meine Erinnerung, mein Geheimnis?
  • Erlaube ich mir, mein Memoir nur für mich zu schreiben, nur für meine Heilung? Erlaube ich mir, mich ganz auf diesen Schreibprozess einzulassen?

Vieles darf einfach so stehenbleiben, in unseren ganz privaten Notizbüchern. Das erste Aufschreiben ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Heilung, um die innere Stille, das Schweigen zu brechen.

Dann kommt eine neue Schwelle: das Überarbeiten. Neue Fragen tauchen auf:

  • Reicht es mir, dass ich diesen schrecklichen Tiefseefisch ans Tageslicht gebracht habe? Mich mit diesem Schmerz konfrontiert habe? War es genug für mich, all das Entsetzliche noch einmal durchlebt zu haben, indem ich es aufgeschrieben habe? Kann das nicht einfach so stehen bleiben, wie es ist?
  • Möchte ich mein Memoir jetzt wirklich noch einmal in die Hand nehmen und überarbeiten? Etwas daraus machen? Es verwandeln?
  • Mit wem möchte ich mein Memoir teilen?
  • Ist es nur für mich? Lese ich  es in der Schreibgruppe vor? Oder veranstalte ich eine Lesung? Im intimen Kreis? Dürfen Freund/innen mein Memoir lesen? Oder möchte ich es veröffentlichen, dass es jede/r lesen kann?

Du bist noch mittendrin im Schreiben? Bleib dran! Forsche mutig weiter, z.B. mit Natalie Goldbergs Anregung: Ich erinnere mich…

Wann ist ein Text gut genug, um ihn jemandem zu zeigen?

Wann ist ein Text fertig? Wann ist ein Text gut genug, um ihn jemandem zu zeigen? Wann ist es Zeit, unseren Text aus dem warmen Nest zu stoßen, damit er fliegen lernt?

JETZT oder NIE! Egal wie un-fertig deine Texte sind. Komm in die Schreibfabrik mit friendly feedback! In der Schreibfabrik schreiben wir, nebeneinander, jede/r für sich – Short Stories, Fach-Artikel, Teile von Masterthesen, Berichte, Gedichte… In diesem inspirierenden Rahmen geht das leichter – denn: Schreiben muss keine einsame Sache sein! Dann lesen wir einander vor und bekommen Feedback auf unsere Textentwürfe. Wir erfahren, welche Passagen unsere Leser/innen bewegen, aber auch, was sie noch brauchen, um sich ganz in den Text fallen lassen zu können.

Bei diesem konstruktiven Text-Feedback geht es nicht darum, Texte zu bewerten oder zu beurteilen. Vielmehr sollen Rohtexte gestärkt werden, damit durch gezielte Überarbeitung daraus wirklich gute Texte werden können. Denn: Jeder gute Text beginnt mit einem shitty first draft 🙂  Solche stärkenden & achtsamen Rückmeldungen motivieren das Weiterschreiben enorm!

Morgen ist es wieder soweit: Starte gemeinsam mit anderen Schreibenden ins lange Schreib-Wochenende! Nutze die Möglichkeit, das Schreiben in der Gruppe auszuprobieren (oder es dir wieder einmal zu gönnen) und dir konstruktives Textfeedback zu holen:

Ort:writers`studio, Pramergasse 21, 1090 Wien
Zeit: Do.19.Juni 2014, 18 -21 Uhr
Kosten: 25.-

Einfach kommen & mit-schreiben, keine Anmeldung notwendig http://writersstudio.at/schreibfabrik.php
Ich freu mich aufs Schreiben & eure vielfältigen Texte.
Johanna

Text: Judith Wolfsberger & Johanna Vedral

Jeder gute Text beginnt mit einem „shitty first draft“

Jeder gute Text beginnt mit einem „shitty first draft“, sagt Anne Lamott in „Bird by Bird“. Du musst irgendwo anfangen, die ersten Worte aufs Papier bringen. Dabei hilft die von Natalie Goldberg ausgerufene Schreibanleitung: „You are free to write the worst junk in the world!“

Der Erstentwurf erlaubt dir, dich deiner eigenen Verwirrung zu deinem Thema zu stellen. Die erste Überarbeitung hilft dir dann, dich von deiner Verwirrung zu erholen und dein Thema klarer zu sehen, sagt Keith Hjortshoj in „Understanding Writing Blocks“. Anne Lamott weiß: alle AutorInnen schreiben shitty first drafts, schlechte Erstentwürfe, ganz rohe Rohtexte. Aber nur so kommen sie zu guten zweiten Entwürfen – und zu fantastischen dritten Fassungen ihrer Texte.

Go! Ten minutes! Setz dich hin und nimm dir zehn Minuten Zeit für Freewriting, um den schlechtesten Text aller Zeiten zu schreiben. 🙂

Autorin: Johanna Vedral