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Raum zum Schreiben

Johanna Vedral Tagebuch schreiben
The first room of my own was a few lines each day in a diary„, schreibt Pat Schneider.
Eine schönere Liebeserklärung ans Tagebuch habe ich noch nicht gefunden! :-)Nach 36 Jahren intensiver Tagebuchpraxis kann ich sagen: Ja, Tagebuchschreiben eröffnet Räume, Landschaften, ja Universen.
Ein Raum zum Schreiben. ein Raum für meine Kreativität, ein Möglichkeitsraum, ein place of all possibilities, das und viel mehr ist mein Tagebuch für mich.
Ich trage immer ein A5-Notizbuch mit mir, in dem landen alle Texte, die unvermittelt handschriftlich rausmüssen: klassische Tagebuchtexte, in denen ich beschreibe, wie mein Tag war, Morgenseiten, in denen ich mein Gehirn entleere, Listen, Anfänge von Short Stories, Freewritings, Gedanken zu meinem laufenden Buchprojekt, Zitate aus Büchern, die ich gerade lese, Briefanfänge, Schreibdenktexte, Cluster, frische Beobachtungen usw.usf. In diesem Raum zum Schreiben ist alles möglich, muss nichts sein, schon gar nicht muss ein Text hier drinnen perfekt oder fertig sein… Ich habe schon versucht, mit mehreren Notizbüchern zu arbeiten, um meine Schreibprojekte auch physisch & sichtbar zu trennen und mir so vor Augen zu führen, dass ich immer wieder mal zu viele Texte parallel in Arbeit habe, zu viele, um für jedes Projekt ein Notizbuch mitzutragen… Doch es fühlt sich für mich nur stimmig an, ein Ur-Buch zu haben, in dem alle meine Notizen landen.
Ausgewertet, geordnet und eingelesen oder abgetippt werden diese Rohtexte, wenn ein Notizbuch voll ist (oder schon mehrere, wenn ich eine sehr produktive Phase habe).
Wie sieht dein Ur-Buch aus?

Wie entstehen deine Texte?

Wie entstehen eigentlich eure Texte? fragt Eva Karel in ihrem Blog und zeigt, wie sie dem Chaos „eine Form abluchst“ 🙂

Bei mir beginnt ein Text meist im Notizbuch, wo ich frei und unzensiert und in einem geschützten Raum drauflosschreiben kann. Ich habe nur ein Notizbuch, in dem alles landet: persönliche freewritings, Seminarideen, Cluster, Exzerpte aus Büchern, U-Bahn-Notizen, Ideen für Geschichten, vereinzelte Szenen, Ideen und Rohtexte für den Blog, aber auch Traumerinnerungen und andere Tagebucheintragungen. Das ist mein Chaos zwischen zwei A5-Buchdeckeln, meine Textwühlkiste, aus der ich Material raushole, das dann in Textdokumente am Laptop einfließt.

Auch am Laptop gibt`s für einzelne Textsorten digitale Wühlkisten am Desktop, das sind Word-Dokumente, in denen das Material schon mit Überschriften kategorisiert wird, Hier entstehen  Rohtexte, die ins finale Textdokument kommen und anschließend in den richtigen Ordner eingeordnet werden. Natürlich gibt`s auch Zettelwirtschaft am Schreibtisch, links vom Laptop fallen meist noch Schmierzettel mit nicht zum Text gehörenden Notizen oder Jammerzettel an.

Diese Ordnung brauche ich als Vielschreiberin, die am liebsten zwei oder drei Textprojekte parallel jongliert, um von der Menge an Material nicht überwältigt zu werden, den Überblick zu bewahren und immer wieder die Metaperspektive zu meinen Texten einnehmen zu können.

Wie entstehen deine Texte?

Autorin: Johanna Vedral

Schreibblockade? Was tust du, um NICHT zu schreiben?

Kennst du das? Du setzt dich an deinen Schreibtisch, um zu schreiben… Zuerst mal poppt die facebook-Startseite auf, wenn du den Laptop aufklappst, also stalkst du erst mal ein wenig deine Freunde auf facebook und suchst dir parallel dazu auf youtube einen Song, der dich in Schreiblaune bringen könnte. Dann machst du deine Word-Datei auf, aber nach dem dritten Satz musst du nur noch mal schnell ein fact recherchieren, und schon klickst du dich von Seite zu Seite, es ist alles so schön bunt hier im WWW. Dann kommen dringende Mails rein, die natürlich umgehend beantwortet werden müssen, ein Skype-Chat, eigentlich solltest du deinen Schreibtisch mal wieder aufräumen, interessant, was da alles unter den Papierbergen zutage kommt. Die Waschmaschine piept, beim Wäscheaufhängen fällt dir auf, dass die Blumen dringend gegossen werden müssen, und jetzt ruft auch noch eine Freundin an, die mit dir eine Party planen will… Jetzt wird es Zeit für ein 10minütiges Freewriting zum Thema: Was tust du, um NICHT zu schreiben? Ich verlasse den Computer, nehme mein Notizbuch zur Hand und schreibe drauf los. Eine Stunde später stelle ich entzückt fest, dass ich Kapitel 3 meines aktuellen Buchprojektes fertig strukturiert und drei Seiten Rohtext verfasst habe! 🙂

Autorin: Johanna Vedral