Schlagwort-Archive: Morgenseiten

Es ist nie zu spät

Collage Writing

Wie sieht es aus mit deiner Liebes-Beziehung zum Schreiben? Habt ihr euch wieder aus den Augen verloren? Hast du vielleicht vor einigen Jahren Morgenseiten geschrieben, dann aber wieder damit aufgehört?

Julia Camerons neues Buch „It`s never too late to begin again“ ermutigt, den Faden wieder aufzugreifen. Die mittlerweile fast 70jährige Autorin von über 30 Büchern , u.a. des Weltbestsellers „Der Weg des Künstlers“, spricht dabei besonders Schreibende an, die frisch pensioniert sind und wieder an ihre Kreativität anknüpfen wollen, „students who are embarking on their “second act.”

Was bedeutet es, sich in das Abenteuer zu stürzen, im Alter ganz neu in die Kreativität einzutauchen?
Davon erzählt Molly Peacock in ihrer Biographie „The Paper Garden. An Artist begins her life`s work at the age of 72 von der Erfinderin der Collage, Mary Delany. Die vielseitige Künstlerin (1700 – 1788) mit repräsentativen Pflichten am englischen Königshof war berühmt für ihre Gartengestaltung, Kleiderdesigns, Papiersilhouetten und Muschelinstallationen und sie schrieb ein Memoir und mindestens 4000 (!) Seiten Briefe. Ihr Lebenswerk, die Erfindung der Collage, begann sie erst im Alter von 72 Jahren.Mary Delany hatte keine Illustriertenphotos zum Zerschnipseln, die Photographie war ja noch nicht erfunden. Daher bemalte sie Papier mit Wasserfarben, ließ es trocknen und schnitt anschließend daraus hunderte kleiner Papierschnipsel aus, die sie dann zu ihren unglaublich realistischen Blumenportraits zusammensetzte. Zwischen 1772 und ihrem Tod 1788 fertigte sie eine umfangreiche Serie von 985 (!) Blumen-Collagen, die heute im British Museum zu sehen ist.

„It’s never too late“, sagt auch Frieda Lefeber, die ihre Liebe zur Malerei erst spät im Leben zu pflegen begann:  “I had no idea I could paint,” sagt eine, mit 76 Jahren begann, Kunst zu studieren, mit 83 ihren Abschluss an der Pennsylvania Academy of the Fine Arts machte und nun mit 101 Jahren präsentiert sie ihre erste Solo-Ausstellung.

Frieda malt aber nicht nur, sie schreibt auch. Mit 88 publizierte die Holocaust-Überlebende ihre Autobiographie „Frieda`s journey“ (2003), in der sie von Kindheit und Jugend im Deutschland der 1920er und 30er, von den Weltkriegen, der Auswanderung in die USA und was es bedeutete, hier als Immigrantin zu leben, erzählt – aber sie thematisiert auch die “ joys and talents that can be found unexpectedly even late in life“.

Hast du Lust bekommen, wieder oder erstmals in deine Leidenschaft fürs Schreiben oder für Collage und Schreiben einzutauchen? Ein Schreib-Workshop oder ein Collage Dream Writing Workshop in Wien bringt dich mit einer einzigartig belebenden Community of Writers jeden Alters zusammen und facht deine Kreativität an mit Freewriting, Morgenseiten, dem Wechselspiel von Collage und Schreiben und Friendly Feedback. Schreiben in Cafes oder in Museen ist in Wien ganz besonders inspirierend!

Autorin: Johanna Vedral
Advertisements

Die Magie der Morgenseiten

Wenn du dein Schreiben verbessern oder dich auf ein Leben als Schreibende einlassen möchtest: Schreibe täglich! Am besten beginnst du diese Gewohnheit mit den Morgenseiten. Die Autorin Julia Cameron („The Artist’s Way“ , auf Deutsch „Der Weg des Künstlers“) nennt diese drei Seiten am Morgen, bei denen es um nichts anderes geht, als sich frei zu schreiben von dem Geplapper und Gezeter im Kopf, auch „unrühmliche Gehirnentleerung“. Sie sagt, erst durch die Morgenseiten werde es möglich, den ganzen Müll wegzuschreiben, der einen am Kreativsein hindere. Und das funktioniere am besten in der Früh, noch vor allen anderen Tätigkeiten.

In meinen Seminaren höre ich oft, dass diese Morgenseiten wegen der Kinder oder anderer Umstände nicht so leicht umgesetzt werden könnten. Es ist auch nicht jedermanns Sache, 20 oder 30 Minuten früher aufzustehen, um Morgenseiten zu schreiben.

Da es für die Schreibpraxis aber wichtig ist, regelmäßige Schreibzeiten im Alltag zu etablieren, und seien es am Anfang auch nur 10 Minuten, müssen diese Schreibminuten nicht in der Früh stattfinden, es darf auch später sein. Schreibdenken kann jederzeit im Tagesablauf stattfinden und kann auch helfen, von Gedankenballast zu befreien. Gerade in der Früh ist das Freewriting aber ganz besonders wirksam:

Morgenseiten entfalten eine ganz eigene Wirkung, so wie es z.B. die leidenschaftliche Schreiberin & Psychologin Daniela Reiter beschreibt:

„Auch an meinen Bürotagen beginne ich nach Möglichkeit gewissermaßen mit Pause: Ich schreibe meine Morgenseiten. Üblicherweise drei Seiten (…), für die ich rund 40 Minuten brauche. Das ist also ziemlich viel Zeit(…). Aber eine Zeit, die sich lohnt. Ich komme zur Ruhe, statt dass ich mich kopf- und planlos in die Arbeit stürze. Spare mir damit Umwege, Fehler, Nerven und eben auch Zeit.“ (Weiterlesen in Danielas Blog: http://diereiter.blogspot.co.at/2015/01/auf-gehts-los-gehts.html)

Alles, was wir schreiben wollen, ist schon in uns

„Alles, was wir schreiben wollen, ist schon in uns“, sagt Gundi Haigner, wenn sie in ihren Schreibworkshops für Jugendliche die Methode des Freewriting vorstellt und die Jugendlichen animiert, dem Schreibprozess zu vertrauen.

Als Schreibende brauchst du nur dein Tagebuch und einen Stift, um das Tor zum inneren Raum zu öffnen. Beim täglichen Schreiben entdeckst du deinen inneren Raum, baust ihn täglich weiter aus, erfüllst deinen potencial space mit Bildern, Inhalten, Bedeutung und Sinn.

Es ist ein Raum, der nur dir gehört, ein sicherer Raum, in dem du wachsen und dich entfalten, Altes ordnen und Neues ausprobieren kannst… dein Raum, in dem deine ganz persönliche Stimme, deine voice sich entfalten darf…

Finde täglich zehn Minuten Zeit für dein Schreiben – in der Früh Morgenseiten, in der U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit, in der Mittagspause, zehn Minuten, bevor du deine to do-Listen angehst, beim Warten auf den Bus… schreibe zehn Minuten Freewriting, wild, unzensuriert, frei und nur für dich – und freu dich aufs nächste Mal!

Schreibmontag: Keine Ablenkungen, nur Schreiben. Endlich.

die-schreibende

9.00 Auf die urbane Schreibinsel flüchten

Beim Frühstücks-Buffet im writers`studio (Wien) treffe ich meine MitschreiberInnen. Wir schreiben uns warm mit Morgenseiten, besprechen mit der heutigen Schreib-Partnerin die Tagesziele und los geht´s. Keine Ablenkungen, nur Schreiben. Endlich. Auf einmal ist es Mittag! Wir gönnen uns nach einem kurzen Check in ein gemeinsames Mittagessen in einem Lokal im kulinarisch interessanten Servitenviertel, und nach ein paar Tai Chi-Übungen geht`s weiter mit Kaffee und Keksen, ich tauche mühelos in den Flow vom Vormittag ein…

16.30 Wenn ich nur aufhören könnte…

Nach einem intensiven Schreib-Tag muss ich die fünf Schreibenden sanft aber bestimmt vom Schreiben losreißen. Es scheint, als könnten die Schreibenden gar nicht mehr aufhören, an ihren Romanen, Masterthesen, Artikeln, Short Stories u.v.m. weiter zu arbeiten. Bis zur letzten Minute dieses One-Day Writers Retreats auf der urbanen Insel wird hier geschrieben, was das Zeug hält.

Ich habe mein Tagesvorhaben, die handschriftlichen Überarbeitungsnotizen in mein Manuskript bis Seite 156 einzuarbeiten, umgesetzt und beim Page Count zum Schluss festgestellt, dass auch 6 neue Seiten Text hinzugekommen sind. Ich bin sehr zufrieden mit mir. 🙂 🙂 🙂

Nach einem schriftlichen Check in & Page Count gibt es in der Schlussrunde nur stolze strahlende Gesichter und zufriedene Berichte, was heute geschrieben, überarbeitet und neu entwickelt wurde. Die gemeinsame Seiten-Zählung & tosender Applaus für jede geschriebene Seite versöhnen damit, dass der Schreibmontag im writers`studio für heute zu Ende geht.
Und es war ja nicht das letzte Mal –

die nächsten Schreibmontage sind 10. Nov. & 1. Dez. 2014, 12. Jan., 2. Feb., 2. März 2015, jeweils 9 bis 17 Uhr

Ich freue mich schon auf viele MitschreiberInnen, die beim nächsten Schreibmontag mit Judith Wolfsberger & mir die Magie des Nebeneinander-Schreibens genießen wollen!

Johanna Vedral

Bild: „Die Schreibende“, geklebte Papier-Collage von Johanna Vedral

Muss ich die Morgenseiten wirklich in der Früh schreiben?

Ohne Morgenseiten außer Haus zu gehen, das fühlt sich ungepflegt an. Wie unfrisiert oder gar ohne Zähneputzen das Haus zu verlassen. Die Gedanken springen wild durcheinander in meinem Kopf herum, wenn sie nicht auf den Morgenseiten landen konnten (gut, dass ich sie spätestens in der U-Bahn nachholen kann).

Warum die Morgenseiten am besten in der Früh geschrieben werden, erzählt Julia Cameron in ihrem Blog: Morgenseiten fordern uns Ehrlichkeit gegenüber uns selbst ab, jeden Morgen von Neuem, bevor wir uns in den Trubel des Tages begeben. Diese Ehrlichkeit belohnt uns mit frischem Schwung. “It is nearly impossible to write Morning Pages and remain stuck.”

Julia ist die Erfinderin der Morgenseiten und hat dieses geniale Schreibwerkzeug mit ihren Klassikern “Der Weg des Künstlers” und “Von der Kunst des Schreibens…“ (im Original: The Right to Write) an Millionen LeserInnen weitergegeben.

Pia Helfferich schreibt seit zehn Jahren Morgenseiten und berichtet darüber in „Morgenseiten schreiben oder warum der frühe Vogel ausnahmsweise Recht hat“

Wann schreibst du deine Morgenseiten? Gleich nach dem Aufwachen, beim Kaffee, in der U-Bahn?

Autorin: Johanna Vedral