Schlagwort-Archive: Birgit Schreiber

Sexual Memoir: über die eigene Sexualität schreiben

collage-process-dec-2014_0013

Memoir ist die Kunst, gut lesbar und inspirierend über das eigene Leben zu schreiben.Ein Memoir ist aber keine Autobiographie. Im Memoir werden ausgewählte Erfahrungen und Erkenntnisse  literarisch spannend aufbereitet.
So vielfältig wie das Leben selbst sind auch die Memoir-Subgenres: Reise, Trauerbewältigung, Coming of age/ Growing up dysfunctional, die Geschichte der eigenen Eltern/ Großeltern, Sucht & recovery, survival und auch sexual/erotic u.v.m…Mehr über das Genre Memoir findest du auch in Birgit Schreibers im März 2017 erscheinenden Buch „Schreiben zur Selbsthilfe„.

Sexual Memoir oder Porno?

In letzter Zeit habe ich mich mit Vergnügen in das Subgenre „Sexual Memoir“ eingelesen, das vor allem von Frauen bespielt wird. In Sexual Memoirs werden sexuelle Erfahrungen beschrieben, da geht es um um Körperlichkeit, Beziehungen, Scham, Sprachlosigkeit und Grenzüberschreitungen.Sexual Memoirs sind keine pornographischen Schriften und auch keine Aneinanderreihung sexueller Handlungen. Die Szenen können natürlich oft sehr explizit („graphic“) werden, es geht aber nicht darum, die LeserInnen zu erregen. In Sexual Memoirs wird immer auch die sexuelle Entwicklung Thema und die AutorInnen reflektieren so über ihre Sexualität, dass die LeserInnen inspiriert werden, über sich selbst nachzudenken. Warum mehr Frauen als Männer Sexual Memoirs verfassen, darüber spekuliert die Memoir-Autorin Monique Roffey.

Best Sexual Memoirs: eine Liste

Falls du vorhast, Sexual Memoirs zu lesen oder selbst eines zu schreiben, hier eine kleine (natürlich nicht vollständige) Liste mit Büchern zum Einlesen in das Genre, die dir sicher Lust machen, hier auf weitere Entdeckungsreisen zu gehen 🙂 Ich freue mich auch über Empfehlungen!

1) Daniell, Rosemary: Sleeping with soldiers. In search of the macho man. 1984

Die heute ca. 80jährige Feministin, Poetin, Schreibtrainerin und Memoir-Autorin Rosemary Daniell schreibt über ihre sexuell höchst abenteuerliche Phase, „a memoir of her exploration of the wildness within herself“ im teilweise sehr bizarr anmutenden wilden Süden Anfang der 80er über ihre „adventorous, promiscous, wild years in search of the macho man“ in ihren Vierzigern. Sie hat die Scham hinter sich gelassen und steht selbstbewusst dazu, eine Abenteurerin zu sein. Ihre Kinder sind schon erwachsen, und nach Jahren in monogamen Ehen will sie es wissen. Sie geht in Bars, um Männer aufzugabeln. Sie erlebt eine „delayed adolescence“ mit vielen jüngeren Männern. „The word promiscuity didn`t adequately cover what, for me, had been an incredible learning experience“, schreibt Rosemary Daniell.

2) Juska, Jane: A Round-Heeled Woman: My Late-Life Adventures in Sex and Romance. 2004/ auf Deutsch: Bevor ich 67 werde.

Das beeindruckende und literarisch gekonnt gestaltete Memoir einer jetzt 80jährigen Englischprofessorin, die Mitte 60 auf den Putz haut und eine Kontakt-Anzeige aufgibt, um endlich sexuelle Erfahrungen zu sammeln. „I am an easy lay“, schreibt sie stolz. Ihr Memoir hat mir sehr gut gefallen. Es hat Tiefe, Humor, zeugt von Erfahrung und sie kann fesselnd schreiben. Interessant aufgebaut – immer ein Kapitel über ein Date mit teilweise seltsamen älteren Männern und ein Kapitel, in dem sie chronologisch aus ihrem früheren Leben erzählt…

3) Handler, Chelsea: Mein Leben im Liegen. 2006

Eine Comedian mit jüdisch-mormonischem Hintergrund, die ziemlich bissig und teilweise böse-verächtlich über absurde oder peinliche sexuelle Begegnungen schreibt. Interssant: jedes Kapitel für einen Mann. Was mir nicht so gefallen hat: ich finde wenig roten Faden in diesem Aufmarsch an Männern, es liest sich wie ein Bestiarium. Kurzweilig.

4) Millet, Catherine: La vie sexuelle de Catherine M./ The Sexual Life of Catherine M. 2001/ auf Deutsch: Das sexuelle Leben der Catherine M.

Die Chefredakteurin der artpress beschreibt ihr promiskuitives sexuelles Leben mit hunderten Partnern, insbesondere ihr Verhältnis zu Gruppensex.  Ein Einblick in die französische Swingerszene, über deren „klinisch-distanzierten“ Stil sich die KritikerInnen ereiferten.

5) Lee, Abby: Girl with a one-track mind. Confessions of the seductress next door. 2006

6) Lee, Abby: Girl with a one-track mind. Exposed. 2010

Verfasst von der von Millionen gelesenen Sexbloggerin Zoe Margolies geben die Bücher intime und keine Frage offen lassende Einblicke in das Sexualleben einer Frau Anfang 30, die über einen starken Trieb verfügt. Sie hat just for fun Sex mit vielen Männern und beschreibt das teilweise ermüdend detailgetreu. Sie trennt klar Lust am Sex und Suche nach einer Beziehung und gibt auch Tipps und beschreibt do`s and don`ts für Sex ohne emotionales attachment. Erfrischend: wie sie ihr Masturbationsverhalten beschreibt. Spannend: Band 2, in dem sie beschreibt, was in ihrem Leben und in ihrem Sexleben passiert, als nach Erscheinen des ersten Buches ihr Pseudonym gelüftet wird… und nun jeder, auch ihre Eltern, alle intimen Details ihres Sexuallebens kennt.

7) Moran, Caitlin: How to be a woman. 2012/ Auch auf Deutsch (selber Titel).

Das Buch der Comedian wird als feministisches Manifest gepriesen, ihre Story Question ist: Wie werde ich eine richtige Frau? und sie handelt es zum Brüllen komisch an Körperlichkeiten und ihrer persönlichen körperlichen Geschichte ab. Themen wie Porno, Behaarung, Abtreibung, Kinderkriegen, Brüste…

8) Moran, Rachel. Paid for. 2015 Auf Deutsch: Was vom Menschen übrig bleibt: Die Wahrheit über Prostitution

Geschichten von Frauen, die sich prostituieren, sind vielgelesen. Oft sind es eher pornographische Geschichten, die als Lebensbericht verkauft werden. Dieses Memoir ist anders: es erzählt von Morans Kindheit und Jugend in einer dysfunktionalen Familie, von Obdachlosigkeit und dem vermeintlichen rettenden Strohhalm, den die Prostitution für sie als 15jährige darstellte. Die LeserInnen finden hier keine pornographischen Schilderungen von Sexszenen wie in manch anderem Erotic Memoir, sondern schonungslos ehrliche Reflexionen über eine Zeit, die für die Autorin nur schwer auszuhalten war.

Viel Spaß beim Lesen!

Autorin: Johanna Vedral
Collage: by Johanna Vedral

Mit Schreiben Geld verdienen: der Lohn einer Bloggerin

Mit Schreiben Geld verdienen, vom Bloggen leben können… das interessiert viele, die in die Welt des Bloggens eintauchen. Dass Bloggen Geld bringen kann aber auch ganz andere non-pekuniäre Belohnungen, beschreibt Brigit Schreiber, eine leidenschaftliche Bloggerin hier…

bremerschreibstudio

Gestern las ich in der Süddeutschen Zeitung über Blogger wie mich. Man hatte sie gefragt, ob sie von ihrem Blog leben könnten.

Alexander Olma kann: Er verdient mit dem Bloggen übers iphone 3.000 Euro im Monat. Nina Massek mit ihrem Blog Frau-mutter.de immerhin bis zu 10.500 Euro im Jahr!

Vielleicht sind diese Blogger doch nicht wie ich.

Natürlich könnte ich mit 3.000 Euro im Monat etwas anfangen. Sicher bin ich dafür, dass gute publizistische Arbeit honoriert werden muss. Und wenn ich für meinen Lebensunterhalt bloggen dürfte, wäre ich wahrscheinlich nicht gerade unglücklich.

Sponsored Posts – Beiträge im Blog, für die Kunden bezahlen – sind eine Möglichkeit, mit Bloggen Geld zu verdienen. Affiliated Links – eine Provision für verlinkte Produkte eine andere. Bannerwerbung eine dritte.

Oder man lässt sich werbewirksam von Tiffany’s vermarkten – wie Ari Seth Cohen mit „Advanced style„, ein Blog in dem Ari seine Fotos von…

Ursprünglichen Post anzeigen 220 weitere Wörter

Menschen mit Visionen & Zielen leben länger

Collage Writing Johanna Vedral

Birgit Schreiber verrät: Menschen mit Visionen und Zielen leben nicht nur gesünder, sondern auch länger. Damit dieses lange Leben sich auch lohnt, empfiehlt die Bremer Schreibtrainerin & Autorin allen, die mögen, ihre Wünsche in Worte zu fassen:

„Versetzt Euch ans Ende des Jahres 2015. Ihr habt jetzt alle Eure Wünsche erfüllt. Spürt, wie sich das anfühlt, malt Euch aus, was ihr dann tut, wer dabei ist und wo ihr dann seid. Genießt eine Weile die guten Gefühle, die Kraft, die von der erfüllten Vision ausgeht.

Dann schreibt einen Brief aus der Zukunft und beschreibt, was ihr erlebt, während Eure Wünsche in Erfüllung gegangen sind. Schreibt auch, wie ihr Widrigkeiten getrotzt habt, wie toll es ist, angekommen zu sein.

So ein Brief bringt Klarheit über unsere  Ziele (warum sie sich lohnen) und gibt die Richtung vor, wenn wir auf dem Weg dorthin einmal abdriften.“ Lies den ganzen Neujahrsartikel von Birgit hier

Johanna Vedral
Bildquelle: Collage von Johanna Vedral

Achtsamkeit für Anfänger

Wie wohltuend, im Vorweihnachtstrubel Birgit Schreibers Artikel über das Wiederfinden der Achtsamkeit zu lesen. Da zur Zeit vor allem mein umtriebiges Pseudonym schreibt und ich zwischen Seminarvorbereitungen und Lektoraten die kleinen Schreibzeiten für mein Memoir nutze, reblogge ich diesen schönen Artikel, statt selbst einen zu schreiben 🙂 Taucht ein in Birgits Einladung zur Achtsamkeit!

bremerschreibstudio

ich oute mich heute. Ich bin ein Achtsamkeits-Fan. Es ist ein so einfaches, einleuchtendes und wirksames Konzept, dass man sich fragt, warum es erst heute entdeckt worden ist.

Ach, ja, ist es ja gar nicht. Achtsamkeit wird zwar werbewirksam missbraucht – damit wir mehr Bücher und Tee kaufen oder Seminare buchen. Aber: Achtsamkeit gibt es schon seit Jahrhunderten, Jahrtausenden wahrscheinlich, in allen Kulturen und Religionsrichtungen wird es auf die ein oder andere Weise umgesetzt.

Unsere Großeltern und Urgroßeltern praktizierten Achtsamkeit ganz ohne Achtsamkeits-Trainings. Sie waren ja nicht so abgelenkt durch digitale Medien, hatten von Globalisierung noch nichts gehört und mussten ja mittags was Ordentliches auf den Tisch kriegen. Sie waren achtsam, ohne es zu wissen.

Mir ging es ähnlich. In meiner Weiterbildung zur Poesie- und Bibliotherapeutin lernte ich  „reflexive Sinnlichkeit“. Damit ist gemeint, mit allen Sinnen zu spüren, was gerade in uns und um uns passiert. Zu sehen, zu hören, zu schmecken…

Ursprünglichen Post anzeigen 315 weitere Wörter

Tagebuch-Striptease Tagebuch-Slam

Schreiben hilftDie ORF-Sendung „Liebes Tagebuch“ mit dem Tagebuch-Slam löst in mir gemischte Gefühle aus. Für mich ist die Entblößung zur Belustigung des Publikums kein liebevoller Umgang mit dem jüngeren Ich. Die jugendliche Tagebuchschreiberin sehe ich als Erwachsene mehr als „old friend from far away“ (Natalie Goldberg) und nicht als lächerliche Figur, die unter Herzschmerz und anderen „Peinlichkeiten“ leidet und einen theatralischen Seelenstriptease vor einem Publikum hinlegt.

Mir fehlt im Gelächter des Tagebuch-Slams die für den Zuseher wichtige Zusatzinformation, dass beim Tagebuchschreiben nicht nur lachhafte Ergüsse produziert werden, sondern dass das Schreiben ein Mittel ist, das die Seele entlastet und Probleme lösen hilft. Siehe z.B. den differenzierten Artikel von Birgit Schreiber in der Psychologie Heute-Ausgabe vom Juni 2014 http://www.schreibercoaching.de/…/user_…/pdf/Schreiben_hilft

Johanna Vedral

 

Wie aus unglücklichen Kindern glückliche Erwachsene werden

Johanna Vedral: Wie aus unglücklichen Kindern glückliche Erwachsene werden

Under the surface

Ist eine schwere Kindheit unbedingt Voraussetzung für Probleme im Erwachsenenalter oder kann ein Mensch trotz allem sein Leben erfolgreich gestalten?

„Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben“, so der Titel des Buches des finnischen Psychiaters Ben Furmann, in dem Betroffene von ihrer schwierigen Kindheit erzählen und wie sie trotzdem oder gerade deshalb ein gelungenes Leben als Erwachsene führen konnten.

Das Kind – ein zerbrechliches Wesen?

Ben Furmann demontiert mit seinem Buch den in der westlichen Kultur vorherrschenden Glauben, dass traumatische Kindheitserlebnisse einen Menschen für immer schädigen. In der westlichen Psychologie werde das Kind als ein zerbrechliches Wesen beschrieben, das schon sehr früh irreparabel verletzt werden könne. Der Mensch sei aber vielmehr ein Wesen, das prinzipiell alles überstehen könne. „Beim Lesen entwicklungspsychologischer Literatur kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein Kind eine ideale Mutter, einen immer anwesenden Vater und mindestens eine Schwester oder einen Bruder haben muss, um sich geistig zu einem gesunden Individuum entwickeln zu können“, sagt Furmann.

Schützende Faktoren

Ben Furmann fasst eine Fülle sogenannter schützender Faktoren zusammen, die es Kindern ermöglichen, schwierige oder traumatische Kindheiten gut zu überleben und so später glückliche Erwachsene zu werden:

  • eine gute Beziehung zu einem wohlwollenden Menschen – es muss nicht die Mutter sein!
  • Haustiere
  • ein Versteck in der Natur
  • Fantasiewelten wie Schreiben und Lesen
  • Gute Leistungen in der Schule oder auf künstlerischem/ handwerklichem Gebiet
  • Humor
  • Stolz, klug in schwierigen Situationen gehandelt zu haben
  • Charaktereigenschaften wie Willensstärke, Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit

Die eigene Geschichte neu schreiben

„Unsere Vergangenheit ist eine Geschichte, die wir uns in vielen verschiedenen Weisen erzählen können. Wenn wir mehr Aufmerksamkeit auf die Mittel richten, durch die wir unsere schwierigen Erlebnisse bewältigt haben, können wir anfangen, uns selbst zu achten und an die schlimmen Ereignisse in der Kindheit eher mit Stolz als mit Bedauern zurückzudenken“, sagt Furmann.

Memoir schreiben ist eine Möglichkeit, unsere Vergangenheit neu zu schreiben, statt eines Blicks zurück in Zorn einen Blick zurück in Stolz zu wagen und mit anderen zu teilen, wie wir es geschafft haben, trotz einer schwierigen Kindheit glücklich zu werden.

Johanna Vedral

Zum Weiterlesen:

– Furmann, Ben: Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben. borgmann publishing, Dortmund, 2013
– Jule Specht schreibt im Psychologie Heute Blog: Über die Illusion, das Gute im Schlechten zu finden.
– Birgit Schreiber schreibt differenziert über Schreiben als lebensverbesserndes heilsames Mittel, das aber auch schaden kann: Schreiben entlastet die Seele. In Psychologie heute
– „Ein Stück vom Glück“, Blogbeitrag von Philipp über die Bedeutung von Resilienz im Alltag mit Kindern

Bildquelle: Under the surface, Aquarellzeichnung von Johanna Vedral

Glückauf aus dem Schreibtreff

Glückauf ist ein Bergmannsgruß und kommt von der Einkürzung der Grußformel „Ich wünsche Dir Glück, tu einen neuen Gang auf!“ Wie eine glückliche Goldgräberin winke ich euch aus der betriebsam tippenden Schreibgruppe, die mich wöchentlich im writers`studio mit geballter Schreibeuphorie direkt in den flow trägt 🙂 Gemeinsam schreiben inmitten neu entstehender Bücher, das tut so manchen neuen Gang auf 🙂

Birgit Schreiber wies mich vor kurzem auf den Begriff „Serendipity“ hin, als wir über Möglichkeitsräume des Schreibens sprachen. Serendipity kann in etwa mit „glücklicher Zufall, unerwartetes Neuland entdecken“ übersetzt werden. Das erinnert mich wiederum an Träume von Häusern, in denen ich mir bisher unbekannte Räume entdecke. Diese Träume sind immer von einem Gefühl freudigen Staunens über so viel neuen Raum und von unbändiger kindlicher Entdeckerlust geprägt.

Nach drei Stunden sind die Schreiberinnen kaum von ihren Laptops loszureißen, so konzentriert erforschen sie den neuen Schreibraum… Wann triffst du dich das nächste Mal mit deiner Schreibgruppe?