Archiv der Kategorie: über das Schreiben

Wer schreibt, bleibt jung

„Begeisterung, Neugier und Offenheit sind der Motor der Hirnentwicklung bis ins Alter“, schreibt Birgit Schreiber in ihrem neu erschienenen Buch „Schreiben zur Selbsthilfe“ und zitiert dazu Hirnforscher und Neurologen.

Beim Schreiben über Kindheitserlebnisse können wir wieder in diesen staunenden Modus eintreten, in dem wir als Kinder die Welt betrachteten. Aber anders als damals sind wir unseren Erlebnissen nicht hilflos ausgeliefert, sondern wir können mit unserem erwachsenen Ich dem Kind in uns hilfreich zur Seite stehen. So gelingt es, sich mit unseren damaligen Überlebensstrategien aussöhnen und neuen Sinn in unserem Leben zu finden. Dabei können wir Denkmuster verändern, mit sichtbaren Folgen im Gehirn. So kann das Schreiben von Geschichten als mentale Prophylaxe gegen das Altern dienen.

Die Runzeln können wir damit zwar nicht wegschreiben, aber wir können uns frei schreiben von diesem Gefühl des Ausgeliefertseins als KInd, unsere Wirkmacht zurückgewinnen, Kontrolle über unsere Gefühle bekommen und dabei unser Gehirn fit halten.

Autorin: Johanna Vedral

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Rendezvous mit meinem Buch

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Vorfreude macht sich breit, die Vorfreude auf zwei Schreibvormittage. Ich bereite die innere Bühne für den kreativen Prozess vor. Dazu hole ich mein aktuelles Schreibprojekt aus der Schublade und knüpfe an der Arbeit des letzten Schreibwochenendes an: Ich suche Materialien heraus, die ich zu den Schreibtreffs mitnehmen möchte, Notizbücher, ausgedruckte Rohtexte, den Mini-Laptop mit den Emailnotizen, die ich mir selbst geschrieben habe, Cluster, Fotos, Collagen… Beim Kramen und Sichten fließen ein paar Notizen dazu.

So findet wieder eine libidinöse Annäherung an das Buch statt. Es ist wie vor einem Rendezvous. Ich spüre ein freudiges Kribbeln im Bauch, ich höre Musik und tauche ein in die Faszination, die mich dazu bewogen hat, mit diesem Buch anzufangen. „Evoking the muse“ nennt Steven Pressfield das, d.h. die Muse anrufen und sie becircen, uns doch bitteschön Gesellschaft zu leisten.

Nach jahrelangem Experimentieren mit Schreibroutinen und vielen Gesprächen mit anderen Schreibenden habe ich herausgefunden, dass es für mich beim Schreiben eines Buches am besten passt, fixe Schreibzeiten  in Form von Schreibtreffs zu vereinbaren.

Natürlich sage ich nicht Nein, wenn die Muse mich überfallsartig küssen möchte, sei es zuhause, mit dem Zug unterwegs, auf meiner Lieblingsparkbank oder an einem interessanten neuen Ort. Aber es braucht regelmäßige verbindliche Dates mit meinem Buchprojekt, damit es blühen und gedeihen kann.

Seit Herbst 2015 habe ich zwei fixe Schreibtreffs pro Woche an inspirierenden Orten. Jeden Donnerstag und jeden Freitag sind die Vormittage fürs Schreiben mit SchreibfreundInnen reserviert. Der Rest meiner Zeitplanung verteilt sich harmonisch um diese fixen Termine herum. Zwei bis fünf Personen sind wir, oft zu zweit, manchmal auch allein. Zusätzlich treffen wir uns einmal monatlich für einen ganzen Schreibtag oder zu einem anderen Special Writing Date.

Durch die fixen Verabredungen mit SchreibfreundInnen machen wir es den inneren Schweinehunden schwerer, uns vom Schreiben wegzulocken. Wir haben uns verabredet! Das motiviert, dran zu bleiben. Denn wir haben uns dafür entschieden, vom Schreiben nicht nur zu reden oder zu träumen, sondern es auch zu tun. Das erfordert neben der Lust am Schreiben Commitment, Regelmäßigkeit und Disziplin:

We show up every day. When we sit down each day and do our work , power concentrates around us. The Muse takes note of our dedication. She approves.“ (Steven Pressfield)

Autorin: Johanna Vedral
Foto: by Johanna Vedral/ eine Brücke über die Seine

Warum ich schreibe…

https://schreibstudioblog.wordpress.com/beitrage/Ich schreibe um mein Leben, immer schon, seit ich schreiben kann. Ich schreibe, weil ich nicht anders kann. Ohne Schreiben würde ich verrückt werden. Länger als drei Tage habe ich noch nie mit dem Schreiben pausiert, das wäre mir zu gefährlich. Nicht vorzustellen, wenn all diese kruden Gedanken und Geschichten nicht auf Papier oder in Dateien landen würden, sondern weiter in meinem Kopf herumkreisen oder sich via Rededurchfall in meine Umgebung ergießen würden 🙂

Begonnen hat es mit Tagebüchern, die mittlerweile mehrere Bananenkisten füllen. Dann, in der Steinzeit der 80er und 90er Jahre, vor dem Internet, hab ich tonnenweise Briefe geschrieben. Sobald ich meine erste Schreibmaschine hatte, Geschichten und Gedichte… Und nach meiner Diplomarbeit, als das Computerzeitalter für mich begann, ging es los mit Sachbüchern, Fachartikeln, noch mehr Geschichten und meinem Blog…

Seit einigen Jahren lebe ich auch vom Schreiben und Schreiben unterrichten, weil ich so am besten meine größte Leidenschaft leben und andere in einer Community of Writers inspirieren kann.

Schreiben ist meine größte Leidenschaft

Schreiben und Lesen – darauf könnte ich in meinem Leben niemals verzichten. Alkohol und Zigaretten? Ich fühl mich pudelwohl und unbeschwert ohne. Zeiten ohne Sex hab ich auch schon überlebt (obwohl Zeiten mit Sex definitiv mehr Spaß machen!), aber mir das Schreiben abgewöhnen? Niemals! Auf Bücher verzichten? Unmöglich!

Als Flow-Schreiberin genieße ich es, mich in diesen potencial space hinein zu begeben, in dem es nichts gibt außer die reine Ekstase des ganz im Schreibens sein. Das funktioniert am besten mit Freewriting, einer Form von timed writing, meiner liebsten Art zu meditieren…

Freiräume zum Schreiben sind überall

Ich nutze die vielen kleinen Freiräume zum Schreiben, die es in meinem vielbeschäftigten Leben zwischen Kindern, Schreibseminaren und Coaching-Sessions gibt – sei es in der U-Bahn, im In-between-Wartebereich vor dem nächsten Termin, beim Kochen… Am Klo, wie Walter Epp empfiehlt, hab ich`s noch nicht ausprobiert, aber wer weiß 🙂

Schreiben ist der verlässlichste Begleiter in meinem Leben, verlässlicher als jede Ehe, jede Beziehung, jeder Job, jede andere Gewohnheit. Ich hab mit 17 Jahren geschrieben, mit 47 und werd` es hoffentlich auch noch mit 97 tun 🙂

Community of Writers: die Begeisterung teilen

Schreiben gibt mir die Möglichkeit, andere Menschen mit den gleichen Interessen, mit der gleichen Leidenschaft zu finden oder sie mit meiner Begeisterung fürs Schreiben anzustecken… Es macht mich glücklich, auf meinem Weg des Schreibens immer mehr und mehr interessante SchreiberInnen zu finden, sei es beim Bloggen, durch Feedback auf meine Bücher, bei Schreibseminaren, beim Korrektur- und Feedback-Lesen von Rohtexten…

Und warum schreibst du?

Johanna Vedral

P.S.: Danke für die Schreib-Challenge & die Inspiration für diesen Blogartikel, Walter Epp

Mindwriting – was ist das?

Gestern hat wieder einmal Judith Wolfsbergers geniales Seminar „Urban Magic Mindwriting: Ideen schreiben an inspirierenden Plätzen in Wien“ begonnen. Die Teilnehmerinnen freuten sich auf Zeit für sich und Inspirationen für ihr privates Schreiben.
Judith klärte zuallererst den Begriff „Mindwriting“, eine Wortschöpfung aus „freewriting“ und „mindmapping“: darunter verstehen wir im writers`studio privates Schreiben & Schreibdenken, das im Tagebuch oder Journal oder im Notizblock stattfinden kann, in der Früh als Morgenseiten, bei Schreibtreffs oder – wie in diesem Seminar – auch an inspirierenden Orten. In vier intensiven Schreibtagen lernen die schreibbegeisterten und meist auch schon schreiberfahrenen Teilnehmerinnen eine Fülle von neuen Schreibtechniken  kennen, die fürs private Schreiben aber auch für den Sprung in den Schreibfluss für berufliche oder wissenschaftliche Texte genutzt werden können.

Ich freu mich schon ganz besonders darauf, nach einem intensiven Monat mit Kindern & Enkelkindern & einem ganzen Schippel Verwandtschaft mit der Gruppe von Bildern und Träumen ausgehend ins Schreiben zu kommen und sie zu meinem Lieblingsschreibort in Wien zu entführen 🙂

Für alle, die an diesem Seminar diesmal nicht teilnehmen konnten – von 2. bis 4.Jänner 2015 gibts wieder „Mindwriting zum Jahreswechsel“ in Wien.

Autorin: Johanna Vedral

 

Worte sprudeln am Kaskadenbrunnen

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„Du hast schon länger keinen Blogbeitrag geschrieben“, erinnert mich eine Freundin. Bevor mein Blog jetzt eine vorwurfsvolle Stimme erhebt und mich triezt mit „Du solltest endlich mal wieder einen Blogartikel schreiben!“, schreibe ich lieber einen kurzen Lagebericht aus meiner Welt des Schreibens. Seit ich den Kaskadenbrunnen im Belvedere entdeckt habe, ist das einer meiner Lieblingsschreibplätze. Das beständige Strömen und Rauschen der Wasserspiele lässt auch mein Schreiben munter sprudeln.

Nach einer Phase mit v.a. privatem Schreiben und Schreibdenken in Tagebuch und Journal schreibe ich dzt. an einem Text, von dem ich noch nicht weiß, ob es ein längerer Essay über „Erinnern und Schreiben“ oder ein Kapitel meines zu ca. 80% fertigen Memoir-Projekts wird. Aus jedem kleinen Gedanken, zu dem ich schnell mal einen Blogartikel verfassen will, wird z.Z. eine längere Passage für das Memoir oder den ebenfalls zu ca. 80% fertigen Roman. Beim Hin- und Herjonglieren zwischen diesen zwei Schreibprojekten (zwischen einer Flut von zu lektorierenden Texten) geht es mehr darum, viele Fäden zusammenzuführen und ums Überarbeiten, weniger um das Experimentieren mit dem Modus, aus dem heraus bei mir schnelle Blogtexte fließen.

Dieser Blogtext ist nach zwei Stunden Exzerpieren, Clustern und freewritings rund um das Thema „Erinnern und Schreiben“ am rauschenden, strömenden, munter sprudelndem Wasser entstanden. Als der Wind mein Schreibbuch mit einem feinen Wassersprühregen befeuchtet, wechsle ich von der Füllfeder zum rosa Kugelschreiber. Meine Wasserflasche ist leer getrunken, also schwinge ich mich wieder aufs Fahrrad und fahre heim, um meine Rohtexte abzutippen. Den Schreibfluss vom Brunnen nehm ich mit!

Autorin: Johanna Vedral

Bildquelle: http://commons.wikimedia.org

Schreiben um des Schreibens willen?

Petra Cronenburg schreibt in Das Träumen von Büchern ein wunderschönes Plädoyer fürs Schreiben ohne Interesse an Bestsellerlisten, Genres, massenverkäuflichen Stoffen, Profit, Marketing, Bestsellerlisten, Ranking…

Sie beschreibt den Luxus, „sehenden Auges eine Geschichte zu schreiben, von der man keine Ahnung hat, ob sie sich je verkaufen wird. Noch schlimmer: Mit der man gar nicht erst darüber nachdenken möchte, was sie auf einem wie auch immer gearteten „Markt“ erreichen wird.“

Erfrischend auch ihr Bekenntnis, dass ihr „all dieses Marktgedöns und Geschwätz, was man muss und was man nicht darf“ herzlich egal ist. Danke, Petra Cronenberg,  für diese immer wieder notwendige Stimme für das Schreiben um des Schreibens willen, l`art pour l`art:

„Ich… lasse mich von meinen Figuren an der Hand führen, wie in einem Traum. Ich bin jeden Morgen beim Aufwachen aufs Neue überrascht, wohin sie mich bringen, und am Abend nach dem Schreiben auch.“

Writing Heroes: Cristian Mihai

“What is the issue that is eating you up? What is the personal fear that you can’t resolve and you can’t tolerate? (…) What could you never talk about in a million years? Then, write about that!” (Chuck Palahniuk)

Schreib, worüber du niemals sprechen könntest! Diese Aufforderung stellt der 23 Jahre junge rumänische Schriftsteller Cristian Mihai an den Anfang seines aktuellen Blogbeitrags “What we write about tells us who we are…” Er schreibt: “I’m shy, and that’s why I’m a writer in the first place”. Schreiben sei eine befreiende Erfahrung: “It’s like shouting in a crowded place. It’s a way of attracting attention.”

Das ist ihm gelungen. Sein Blog for Writers hat bereits mehr als 57.000 Follower, die von seinem interessanten und mitreißenden Schreibstil begeistert sind. Cristian schreibt auf Englisch und erreicht so viele LeserInnen – Short Stories, Essays, Romane und seinen Blog. Wer in seine Romane hineinschnuppern will, findet hier Exzerpte.

Schreiben ist immer auch schmerzhaft, betont der sympathische junge Autor. “Writing isn’t easy because you have to relive the most painful moments of your life, over and over again, and then you have to write them down, hoping that they’ll matter to someone else other than yourself.”

Ich schließe mit seiner wunderschönen Selbstdarstellung als Autor:

“Sometimes he writes. Sometimes he gets lucky and writes something good.”

Thank you, Cristian. All the best for your writing journey 🙂

Autorin: Johanna Vedral