Archiv der Kategorie: Self Publishing

Ein Schreibprojekt abschließen

20161016_105806

Release!

Endlich: Abschließen!

Schreiben ist ein mehrphasiger Prozess. Publikationsfertige Texte fließen meist nicht sofort fertig aufs Papier. Vielmehr entstehen zuerst aus ersten Ideen und Strukturierung Rohtexte, die mehrfach überarbeitet werden: inhaltlich, strukturell und zu guter letzt sprachlich. Und dann, nach dem Überarbeiten, das meist länger dauert als geplant, endlich: Phase 5: Abschließen! Dein Werk ist fertig!

In der letzten Phase des Schreibprozesses kümmerst du dich darum, den Text zur Publikation frei zu geben: Layout, Rechtschreibprüfung, Grafiken einfügen, Abbildungsverzeichnis erstellen, Bibliographie komplettieren… Dann gibst du deinen Text ab. Handelt es sich um eine wissenschaftliche Abschlussarbeit, wird sie nun beurteilt bzw. honoriert. Dann steht sie in der Öffentlichkeit, meist in einem Regal in der Universitätsbibliothek bzw. als pdf-Datei im Internet. Du feierst deinen Erfolg und machst dich ans nächste Projekt.

Warum auch die 5. Phase oft länger dauert als geplant

So weit so gut. Klingt einfach und logisch. Aus Coachinggesprächen wie auch aus eigener Erfahrung weiß ich, dass in Phase 5 geradezu absurd anmutende Blockaden entstehen können. Ungeahnte neue Hindernisse tauchen auf: Da crasht die Festplatte des Computers und die letzte Sicherheitskopie ist schon zwei Monate her. Genau an dem Tag, der für den letzten Schliff des Dokuments eingeplant war, musst du dich um einen Wasserrohrbruch in deiner Wohnung kümmern. Du zweifelst daran, ob du diese schwachsinnige Masterthese wirklich so abgeben kannst. Dein bisher einigermaßen im Schach gehaltener Perfektionismus hat dich fest im Würgegriff. Oder es ergreift dich einfach nur eine unerklärliche Unlust und Antriebslosigkeit und du hast keine Kraft, dich für ein paar Stunden ans Layoutieren zu machen…

Wie bei den meisten Schreibblockaden und Stockungen im Schreibprozess steckt hinter diesen Widerständen Angst. Eine ganze Heerschar von Ängsten vielmehr. Immerhin geht es hier nicht nur darum, dich der Kritik deines Betreuers auszusetzen, so furchteinflößend das auch sein mag. Es geht auch nicht nur darum, dass du nun von der Phase des Studierens Abschied nehmen und dich wieder einmal in neue unbekannte Gefilde wagen musst. Die Geburt deiner Abschlussarbeit hängt nämlich immer auch mit dem Tod deiner bisherigen Identität als StudentIn zusammen. Du musst dich daher wieder einmal mit deiner Art, Abschied zu nehmen, mit der Endlichkeit, dem Tod auseinandersetzen. Das kann ganz schön tief gehen und dementsprechend Zeit brauchen. Eine Coachingstunde kann hier hilfreich sein, dein Angstmanagement genauer anzuschauen, vielleicht neue Strategien auszuprobieren, um mit der unvermeidlichen Angst umzugehen und so scheinbar gordische Knoten aufzulösen.

Ist dein Buch jetzt fertig?

Ist dein Schreibprojekt kein Auftragswerk, sondern ein Buch, für das du nicht schon in der Anfangsphase des Schreibens einen Verlag gefunden hast, stehst du nun vor einer Fülle neuer Aufgaben: Du musst entscheiden, ob du dein fertiges Buch selbst verlegen oder es einem Verlag anbieten möchtest. Verlegst du es selbst, hast du die Qual der Wahl, die Self Publishing Plattform zu finden, die für dich passt, dein Buch in das passende Dateiformat zu bringen, dich um die Covergestaltung und das Marketing zu bemühen… Hier kann dir die Self Publisher Bibel von Matthias Matting weiterhelfen.

Wahrscheinlich hast du aber, wie die meisten Schreibenden den Traum, dein Buch bei einem Verlag unterzubringen. Du möchtest dein Buch im Buchhandel sehen und von vielen Menschen gelesen werden.Der Weg dorthin führt heute meist über eine Literaturagentur, weiß der Thrillerautor Marcus Johanus: „Verlage nehmen in der Regel keine unverlangten Manuskripte an – sie verlassen sich meistens auf jene, die ihnen Literaturagenturen vermitteln.“

Du bist also noch lange nicht fertig mit deinem Buch, wenn du es in Phase 5 fertig gestellt hast. Du brauchst einen wesentlich längeren Atem, als du dir vorgestellt hast. Und du brauchst weiterhin viel Mut, um am Prozess dran zu bleiben, damit dein Text veröffentlicht werden kann.

Dein Buch ist fertig. Gratuliere! Jetzt geht es darum, dein Buch-Baby auf den nächsten Schritten zum Erwachsenwerden zu begleiten. Du schickst es in die Welt hinaus! Ist dein Buch jetzt fertig?

Johanna Vedral

Advertisements

When you own your own rights…

…you can do anything you like, schreibt die erfolgreiche britische Self Publisherin Joanna Penn.

Sie muss es ja wissen: Die 39jährige Psychologin & Religionswissenschafterin ist seit 3 Jahren full-time-author-entrepreneur und mittlerweile New York Times und USA Today bestselling author (insgesamt 7 psychologische Thriller und 4 Sachbücher, alle als leistbare Ebooks erhältlich). Ihren ersten traditionellen Verlags-Deal hat sie übrigens seit 2014 in Deutschland bei Ullstein mit ihrem Psychothriller „Desecration„. Ihr Blog, seit 3 Jahren eine reiche Fundgrube für AutorInnen und Self Publisher, hat mich vor einem Jahr dazu inspiriert, diesen Blog zu beginnen. Joannas Website steht unter dem Motto „I share my own lessons from the writing journey“ und findet sich unter den Top 10 Blogs for Writers wie auch den Top 10 Blogs for Self-Publishers 2012.

Ihre Blog-Artikel, Audio Podcasts und Videos ergeben ein leidenschaftliches und überzeugendes Plädoyer für Self Publishing: In ihrem aktuellen Blogbeitrag „The Self Publishing Revolution Is Only Just Beginning“ ermutigt sie AutorInnen, den Freiraum als Self Publisher kreativ zu nützen und sich zu erlauben, neue Kooperationsformen auszuprobieren: „Writers are artists and creatives and entrepreneurs. (…) Entrepreneurs don’t wait for permission, they try new things, they fail, they pivot, they keep going in the face of criticism.“

Es tut gut, von einer derart vielseitigen und unglaublich produktiven Autorin-Entrepreneurin wie Joanna zu hören: „You don’t have to follow the rules anymore. In fact, there are no rules! (…) When you own your own rights, you can do anything you like.“

Es eröffnet viele kreative Möglichkeiten, die Rechte an einem Buch als Self Publisher zu behalten, sie also nicht einem traditionellen Verlag zu verkaufen. Einige davon probiert Joanna selbst aus und schreibt darüber in ihrem Blog. Sie geht z.B. Win-Win-Kooperationen mit ÜbersetzerInnen ein, um ihre Bücher auch außerhalb des englischen Sprachraumes zu verkaufen, versucht sich in Co-Writing-Projekten u.v.m.

Ihre Botschaft ist klar & lädt ein, als Self Publisher das Multiversum der freien Kreativität zu betreten:

„Stop waiting, stop asking, stop begging to be picked. Embrace the opportunities in front of you. Create!“

Johanna Vedral

Sind Indie-AutorInnen ohne Verlagsvertrag bemitleidenswerte Geschöpfe?

Das E-Book macht`s möglich: jede/r Schreibende kann auch ohne Verlag LeserInnen erreichen. Für die LeserInnen gibt es durch Self Publishing eine größere Auswahl an Lesestoff denn je, speziell dann, wenn sie Nischentexte bevorzugen.

Self Publisher haben allerdings oft einen schlechten Ruf. Dabei wird von Seiten der LeserInnen v.a. folgende Kritik geübt:

  • mangelndes Lektorat: Immer wieder sparen Self Publisher am Lektorat und veröffentlichen Bücher mit Rechtschreib- und Grammatikfehlern.
  • mangelnde Qualität: oft haben Self Publisher sich kein Textfeedback geholt, haben die Publikationsreife ihrer Texte nicht an BetaleserInnen getestet, sondern nur an wohlmeinenden FreundInnen und veröffentlichen so schwer lesbare Rohtexte.

Von Seiten der etablierten SchriftstellerInnen wird eine Indie-AutorIn ohne Verlagsvertrag gerne als „bemitleidenswertes Geschöpf, das mit dem Hobby Schreiben den Weg in die Öffentlichkeit sucht und meist kläglich scheitert“ gesehen, sagt Michael Modler.

Selbst publizierte Bücher können, müssen aber nicht zwangsläufig von schlechterer Qualität sein. Mittlerweile beobachten Verlage die Self Publishing-Szene genau und finden hier erfolgsversprechende AutorInnen. Liebesromane, gerne als Digital-Schmonzetten oder Groschenromane bezeichnet, auch unter dem Genre Romantasy und Paranormal zu finden, verkaufen sich auch ziemlich gut als ebooks.

In einem Interview mit Michael Modler erzählt die Liebesroman-Autorin Carina Bartsch, die den Sprung in die Verlagswelt geschafft hat, über ihren Weg: zuerst Ablehnungen von Verlagen, wie sie dann selbst veröffentlicht hat, an die Spitze der Amazon Charts gestürmt ist und nun Verlagsautorin mit einer Auflage von 30.000 Stück pro Buch ist:

„Ich wurde häufig mit der Haltung „Verzweiflungstat“ oder „Du bist kein richtiger Autor“ konfrontiert und habe mich gerade in Anfangszeiten davon einschüchtern lassen. Inzwischen kann ich über derartiges elitäres Denken nur noch schmunzeln. Wie kann man als Autor seine Liebe zum Schreiben mehr beweisen, als die Bereitschaft zu zeigen, alles selbst zu machen? Den Buchsatz, das Cover, die Druckdatenerstellung, Werbung, den Vertrieb & Versand der Bücher, den Kontakt mit den Lesern…“

„Die Grenzen zwischen traditioneller Verlagsveröffentlichung und Selfpublishing verschwimmen. Immer mehr Verlage bekennen freimütig, die Bestsellerränge nach erfolgreichen Selfpublishern zu durchforsten, die man dann für das eigene Programm anwerben will. Und immer mehr Verlage bauen eine eigene Selfpublishing-Plattform auf“, schreibt Kerstin Krömer in ihrem Blogartikel über neue Trends im Literaturbetrieb.

Wie siehst du Self Publishing? Welche Erfahrungen als Self Publisher hast du gemacht?

Autorin: Johanna Vedral