Archiv der Kategorie: Diplomarbeit schreiben

Ein Schreibprojekt abschließen

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Release!

Endlich: Abschließen!

Schreiben ist ein mehrphasiger Prozess. Publikationsfertige Texte fließen meist nicht sofort fertig aufs Papier. Vielmehr entstehen zuerst aus ersten Ideen und Strukturierung Rohtexte, die mehrfach überarbeitet werden: inhaltlich, strukturell und zu guter letzt sprachlich. Und dann, nach dem Überarbeiten, das meist länger dauert als geplant, endlich: Phase 5: Abschließen! Dein Werk ist fertig!

In der letzten Phase des Schreibprozesses kümmerst du dich darum, den Text zur Publikation frei zu geben: Layout, Rechtschreibprüfung, Grafiken einfügen, Abbildungsverzeichnis erstellen, Bibliographie komplettieren… Dann gibst du deinen Text ab. Handelt es sich um eine wissenschaftliche Abschlussarbeit, wird sie nun beurteilt bzw. honoriert. Dann steht sie in der Öffentlichkeit, meist in einem Regal in der Universitätsbibliothek bzw. als pdf-Datei im Internet. Du feierst deinen Erfolg und machst dich ans nächste Projekt.

Warum auch die 5. Phase oft länger dauert als geplant

So weit so gut. Klingt einfach und logisch. Aus Coachinggesprächen wie auch aus eigener Erfahrung weiß ich, dass in Phase 5 geradezu absurd anmutende Blockaden entstehen können. Ungeahnte neue Hindernisse tauchen auf: Da crasht die Festplatte des Computers und die letzte Sicherheitskopie ist schon zwei Monate her. Genau an dem Tag, der für den letzten Schliff des Dokuments eingeplant war, musst du dich um einen Wasserrohrbruch in deiner Wohnung kümmern. Du zweifelst daran, ob du diese schwachsinnige Masterthese wirklich so abgeben kannst. Dein bisher einigermaßen im Schach gehaltener Perfektionismus hat dich fest im Würgegriff. Oder es ergreift dich einfach nur eine unerklärliche Unlust und Antriebslosigkeit und du hast keine Kraft, dich für ein paar Stunden ans Layoutieren zu machen…

Wie bei den meisten Schreibblockaden und Stockungen im Schreibprozess steckt hinter diesen Widerständen Angst. Eine ganze Heerschar von Ängsten vielmehr. Immerhin geht es hier nicht nur darum, dich der Kritik deines Betreuers auszusetzen, so furchteinflößend das auch sein mag. Es geht auch nicht nur darum, dass du nun von der Phase des Studierens Abschied nehmen und dich wieder einmal in neue unbekannte Gefilde wagen musst. Die Geburt deiner Abschlussarbeit hängt nämlich immer auch mit dem Tod deiner bisherigen Identität als StudentIn zusammen. Du musst dich daher wieder einmal mit deiner Art, Abschied zu nehmen, mit der Endlichkeit, dem Tod auseinandersetzen. Das kann ganz schön tief gehen und dementsprechend Zeit brauchen. Eine Coachingstunde kann hier hilfreich sein, dein Angstmanagement genauer anzuschauen, vielleicht neue Strategien auszuprobieren, um mit der unvermeidlichen Angst umzugehen und so scheinbar gordische Knoten aufzulösen.

Ist dein Buch jetzt fertig?

Ist dein Schreibprojekt kein Auftragswerk, sondern ein Buch, für das du nicht schon in der Anfangsphase des Schreibens einen Verlag gefunden hast, stehst du nun vor einer Fülle neuer Aufgaben: Du musst entscheiden, ob du dein fertiges Buch selbst verlegen oder es einem Verlag anbieten möchtest. Verlegst du es selbst, hast du die Qual der Wahl, die Self Publishing Plattform zu finden, die für dich passt, dein Buch in das passende Dateiformat zu bringen, dich um die Covergestaltung und das Marketing zu bemühen… Hier kann dir die Self Publisher Bibel von Matthias Matting weiterhelfen.

Wahrscheinlich hast du aber, wie die meisten Schreibenden den Traum, dein Buch bei einem Verlag unterzubringen. Du möchtest dein Buch im Buchhandel sehen und von vielen Menschen gelesen werden.Der Weg dorthin führt heute meist über eine Literaturagentur, weiß der Thrillerautor Marcus Johanus: „Verlage nehmen in der Regel keine unverlangten Manuskripte an – sie verlassen sich meistens auf jene, die ihnen Literaturagenturen vermitteln.“

Du bist also noch lange nicht fertig mit deinem Buch, wenn du es in Phase 5 fertig gestellt hast. Du brauchst einen wesentlich längeren Atem, als du dir vorgestellt hast. Und du brauchst weiterhin viel Mut, um am Prozess dran zu bleiben, damit dein Text veröffentlicht werden kann.

Dein Buch ist fertig. Gratuliere! Jetzt geht es darum, dein Buch-Baby auf den nächsten Schritten zum Erwachsenwerden zu begleiten. Du schickst es in die Welt hinaus! Ist dein Buch jetzt fertig?

Johanna Vedral

Wie motiviere ich mich zum Schreiben im Studium?

„Motivation ist Lebensenergie (…) ist die Art und Weise, energetisch mit sich selbst umzugehen“, sagt die Lehr- und Lernforscherin Dr Michaela Brohm.  Die Autorin von „Motiviert studieren“ ermuntert zum Bewusstseinszustand der Neugier, zur open mindedness, und in dieser explorativen Grundhaltung auch zu lernen und zu schreiben:

  • Setz dir ein Ziel! (am besten mit einer konkreten Deadline)
  • Zerlege dein Ziel in Teilziele: einen Absatz, ein Unterkapitel deiner Masterthese…
  • Nutze die Kraft der Schreibgruppe: Triff dich regelmäßig mit anderen moitiviert schreibenden StudienkollegInnen. Die Peergruppenforschung zeigt, dass die Peergroup den größten Einfluss auf die Motivation hat!

Lies in Michaela Brohms Blog oder schau dir ihr hochenergetisches Video an:

Welche Funktionen hat ein Exposé/ Rohexposé?

Ein Exposé ist die kurze Darlegung deines noch zu bearbeitenden Forschungsvorhabens. Das Rohexposé (=themensuchendes Exposé) sollte als Prozess, ohne Anspruch auf Perfektion betrachtet werden!

Die grundlegende Funktion jedes Exposés ist die Entwicklung einer eigenen Fragestellung und der damit verbundenen methodischen und theoretischen Herangehensweise (Entwicklungsfunktion). Ein Exposé dient als Grundriss für das eigene Vorgehen.

Bei größeren Schreibprojekten tritt auch die Ergebnissicherung bzw. Selbstvergewisserung über die eigene Arbeit hinzu. Das Exposé dient dazu, dass die AutorIn zu Beginn des Projekts ihr eigenes Vorgehen reflektieren, gegebenenfalls verändern und so einen konstruktiven Lernprozess in Gang setzen kann, der Fehlinvestitionen von Ressourcen vermeiden soll (Reflexionsfunktion).

Neben diesen nach innen gerichteten Funktionen soll ein Exposé BetreuerInnen von Abschlussarbeiten sowie auch deine Peers über dein geplantes Vorhaben informieren und sie von deinem Vorhaben überzeugen.  Das Exposé gibt eine Vorstellung von deinen Überlegungen und hilft, mögliche Lücken oder Problemstellen in der Konzeption zu erkennen und zu Änderungen anzuregen (Korrektivfunktion).

Die vorläufige (!) Gliederung ist auch in einem so frühen Stadium wie dem themensuchenden Exposé sinnvoll. Dabei ist es selbstverständlich, dass die Literaturliste ebenfalls noch vorläufig ist bzw. die Literatur noch nicht ausreichend bearbeitet worden ist. Der Versuch, eine vorläufige Gliederung zu erstellen, kann bei der Selbstvergewisserung hilfreich sein und zeigt u.U. Schwierigkeiten bei der gedanklichen Strukturierung auf, die mit der BetreuerIn geklärt werden können. Die Gliederung wird sich vom Rohexposé über das  Exposé bis hin zur fertigen Arbeit weiterentwickeln.

Wie ist ein Exposé aufgebaut?

Cluster-Gehirne und Dodos

Cluster Johanna Vedral

Im Intensivkurs „Frei geschrieben“ rauchen diese Woche die Köpfe der Studierenden. In einer motivierten Gruppe starten sie das neue Semester mit frischem Schwung und packen im writers`studio beherzt ihre Masterthesen, Diplomarbeiten und Bachelorarbeiten an. Bei der Metaphernsuche für die leidigen Abschlussarbeiten tauchen Tiere wie Elefanten, Vielfraße, Schildkröten, Drachen und sogar Dodos auf (die ja noch nie jemand gesehen hat). In der Auseinandersetzung mit diesem munteren Zoo entstehen täglich neue Freewritings und so viele Cluster, dass es nach dem Workshop schon mal vorkommen kann, dass eine Teilnehmerin mit einem „Cluster-Gehirn“ nach Hause geht (um dort munter weiter zu clustern, weil die Ideen nur so sprudeln).

Das Cluster ist ein besonders reizvolles Tool aus der Creative Writing Praxis. Mit Clustern kann ich am Papier spielerisch nachdenken, mich beim Denken überraschen lassen und einen Punkt finden, an dem ich zu schreiben beginnen mag,

So ein Cluster-Gehirn erlaubt neue Assoziationen, Gedankenverbindungen und Ideen. Text-Strukturen und Gliederungen entwickeln sich wie durch Zauberhand – am besten mit buntem Filzstift auf A3-Papier – oder noch größer. Gabriele Rico, die Erfinderin des Clusterns, sprach davon, dass größeres Papier auch „bigger ideas“ ermögliche… Probiere es aus und clustere auf A5, A4, A3 und größer…

  1. Schreibe in die Mitte eines Papiers im Querformat einen Begriff.
  2. Zeichne einen Kreis darum. Das ist der Kern des Clusters.
  3. Von der Mitte ausgehend werden Ketten von Einfällen gebildet. Sobald dir nichts mehr einfällt, geh zurück zur Mitte und beginne mit einer neuen Assoziationskette. Du kannst aber auch ganz wild dahinclustern, alles ist erlaubt.
  4. Wichtig ist: jeder neue Begriff wird mit einem Kreis umgeben und durch einen Strich mit dem Kern oder einem anderen Gedanken verbunden.
  5. Wenn dir nichts mehr einfällt, zeichne ein paar leere Kreise, damit dein Cluster-Gehirn noch Raum für neue Ideen findet.
  6. Widerstehe dem Ordnen deiner Gedanken, bis das Blatt voll ist. Jetzt kannst du mit Farben oder Nummerierungen Ordnung in deine Ideen bringen.
  7. Beginne an der spannendsten Stelle oder an der, die du als Anfang festgelegt hast, vom Cluster ausgehend ein Freewriting zu schreiben.

Viel Spaß!

Johanna Vedral

Vom Schreiben langer Texte

Zum Nachhören: „Der große Wurf. Vom Schreiben langer Texte“ http://oe1.orf.at/programm/403975

(bis 16.Mai online)

Natürlich hab ich zu dem Thema auch meinen Senf dazugegeben… in illustrer Gesellschaft 🙂 u.a. Judith Wolfsberger, Miki Martinek, Ernst Jandl, Franz Schuh, Maria Nicolini u.a.m.

Ich kann mich aber noch immer nicht so recht an meine Stimme im Radio gewöhnen und wie einzelne „Sager“ aus dem Zusammenhang geholt und neu zusammengeschnitten werden…

Wie finde ich Zeit fürs Schreiben meiner Masterthese?

http://writersstudio.at/collagewriting.php

Wie schaffe ich es, neben Fulltimejob, Kindern und Fortbildungen meine Abschlussarbeit/ mein Buch zu schreiben? Eine Frage, mit der viele Studierende ins Coaching kommen. Eine Frage, die auch für erfahrene Autor/innen immer wieder herausfordernd ist.

Ein größeres Textprojekt wie eine Masterthese, ein Sachbuch oder ein Roman wird dich voraussichtlich 6 bis 12 Monate oder länger beschäftigen. Wie soll sich das nur ausgehen? Der Tag hat nun mal nur eine begrenzte Anzahl an Stunden… Und du hast ja auch noch ein Leben neben dem Schreiben… Stopp! Bevor du jetzt weitergrübelst, einfach drauflosschreibst oder dir Stress erzeugende unrealistische Deadlines setzt, nimm dir eine Stunde Zeit.

Du hast keine ganze Stunde Zeit? Dann fang mal mit einer halben Stunde an. Dafür hast du auch keine Zeit? Dann probier es mal mit 15 Minuten. Du kannst die folgenden Schreibübungen auch in 15-Minuten-Sessions angehen. Oder hast du dafür auch keine Zeit?

Wenn du nicht wenigstens 15 Minuten täglich Zeit findest, dich mit deiner Masterthese zu befassen, wird es noch lange dauern, bis du dieses Projekt abhaken kannst.

Also, starte mit 15 Minuten:

Zeit fürs Schreiben finden/ Übungen für 4 x 15 Minuten

  1. Cluster: Du brauchst deinen Kalender und ein paar Bögen Papier, am besten A3. Beginne mit einem Cluster, welche Projekte du in den nächsten 12 Monaten verwirklichen möchtest. Markiere farbig, wo die größte Freude und Dringlichkeit ist. Welche Projekte sind vorrangig?
  2. Freewriting: Wenn du von all den Projekten nur drei verwirklichen könntest, welche sind das? Und warum?
  3. Freewriting: Wenn du von all den Projekten nur eines verwirklichen könntest, welches ist das? Deine Masterthese? Oder etwas anderes? Warum?
  4. Nimm deinen Kalender zur Hand. Was steht schon in deinem Kalender? Welche anderen Projekte hast du am Laufen? Wie sieht es mit deinen Kapazitäten aus? Wie viele Stunden pro Woche, wie viele Schreibeinheiten kannst du in deinem Leben fürs Schreiben freischaufeln? Was kannst du umschlichten, verschieben oder weglassen, damit ein weiteres Projekt in dein Leben hineinpasst?

Markiere einen nächsten Termin für deine Masterthese/ dein Schreibprojekt in deinem Kalender. Am besten auch gut eine Stunde, um dir Überblick über Milestones, Zwischen-Deadlines etc. zu verschaffen.

Hilfreiche Begleiter: Schreiben muss keine einsame Angelegenheit sein! Gemeinsam in einer motivierenden Gruppe funktioniert Zeitmanagement, Durchhalten und Dranbleiben besser als allein. Die nächste Gruppe für Studierende, die ihre Abschlussarbeit mit Schwung und Strategie angehen wollen, startet am Di. 21. April, 16:00 in Wien. Bis 7.April gibt’s den Frühbucherpreis!

Johanna Vedral

Wissenschaft in Worte fassen – ein Radiobericht

Heut hab ich mehr Lampenfieber als vor dem Vortrag im WU-Hörsaal. Denn von 14:40 – 14:55 wird auf Ö1 in „Moment Leben heute“ Andrea Hauers Bericht von der Schreibnacht in der WU (4.2.15) ausgestrahlt. Im Rahmen dieser Schreibnacht habe ich gemeinsam mit Michaela Muschitz die Studierenden mit Vortrag & Coaching unterstützt…

Ich freu mich über Feedback…
Wer heute keine Zeit hat, Radio zu hören: Bis 15.2. kann die Sendung auf der Ö1-Seite nach-gehört werden.
http://oe1.orf.at/programm/396599

Johanna Vedral