Erotic Memoir: weit mehr als eine bloße Aneinanderreihung sexueller Erfahrungen

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Ich habe wieder ein lesenswertes Memoir entdeckt, „With the kisses of his mouth“ von der 1965  in Trinidad geborenen britischen Roman-Autorin Monique Roffey. In ihrem Erotic Memoir nimmt sie ihre LeserInnen mit auf ihre sexuelle Odyssee nach dem Scheitern ihrer großen Liebe mit Mitte 40.

Ihr Memoir beginnt mit einem Brief, einer „letter bomb“, der Entdeckung, dass ihr Autorenkollege und Seelenpartner sie mit einer anderen Frau betrogen hat. Es folgt eine Rückblende in diese romantische Liebe, in der die Sexualität sich aber nie richtig entfalten konnte. Nach dem Bruch mit diesem Mann liest Roffey „Girl with a one-track mind“ von Abby Lee, eines der meistverkauften Sexual Memoirs der letzten 10 Jahre, in dem die Autorin ihre rein sexuellen Begegnungen beschreibt, mit allen Details, und das verändert Roffeys Leben. Sie hat fürs erste Mal genug von der Liebe, sie möchte ihre im Laufe der langjährigen romantischen Liebe verloren gegangene Sexualität (neu) entdecken. Sie stürzt sich ins Online-Dating, gleich auf einer Plattform, in der es um reine Sextreffen geht und nicht um romantische Partnersuche, und stellt fest, dass frau auch mit 40 plus und selbst wenn sie nicht mehr die perfekte Figur hat, sexuell nicht darben muss. Sie unternimmt in ihrem Buch eine „candid exploration of the vulnerability of middle-age“

Roffeys Buch ist aber, anders als „Girl with a one-track mind“, weit mehr als eine bloße Aneinanderreihung sexueller Erfahrungen einer reifen Frau, sondern kunstvoll aufgebaut und die Fantasien der LeserInnen anregend, ohne dabei derb, vulgär oder pornographisch zu werden. Sie führt die neugierige Leserin durch den Dschungel von Online-Dating und Swingerclubs, eine gut 18 Monate dauernde Phase sexuellen Experimentierens, bis „Girl Butterfly“ ein weiteres Buch entdeckt, das ihr hilft, ihre Erfahrungen neu zu benennen und sich mit ihrem neuen Lebensstil zu verorten: „The Ethical Slut“ von Dossie Easton und Janet Hardy.

Doch Roffeys sexual journey geht weiter, sie findet ihre neue Heimat im Tantra und beschreibt, wie sie mehr und mehr zu ihrer Sexualität in Verbindung mit Spiritualität findet, sich in Richtung sexual enlightenment entfaltet und in Tantra-Seminaren so manche interessante Erfahrung macht. „I am an ethical slut, a tantrika, mildly bi-sexual“, weiß sie nach ihren Forschungsreisen durch ihre Sexualität.

Wie ein roter Faden zieht sich parallel zu ihren neuen Erfahrungen der jahrelange Ablösungs- und Trauerprozess von ihrer großen Liebe. Sehr elegant, wie sie den Bogen spannt, den Faden spinnt und mich als Leserin die ganze Zeit am Haken hat. Kein Wunder: Roffey beherrscht das Schreibhandwerk. Sie kann einen PhD in Creative Writing vorweisen, hat mehrere Romane publiziert, u.a. „Sun Dog“, „The White Woman on the Green Bicycle“, „Archipelago“, „House of Ashes“ usw. und leitet Creative Writing Kurse und Retreats für AutorInnen in Großbritannien, Port of Spain und Griechenland.

Monique Roffey: With the kisses of his mouth. A memoir. London: Simon & Schuster, 2011

Autorin: Johanna Vedral

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