Archiv für den Monat Februar 2017

Die Muse mit Yoga einladen

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Yoga verändert das Bewusstsein von Schreibenden. Schreib aus deiner Mitte heraus! „Write what your spirit, body, and language demand you write“, fordert der amerikanische Autor und Schreibtrainer Jeff Davies auf. Denn mit regelmäßiger Yogapraxis kannst du Einfluss nehmen auf deine Konzentrationsfähigkeit, deine Vorstellungskraft, dein Energielevel und die Achtsamkeit gegenüber deinen Emotionen, alles wichtig für deinen Weg als Schreibende/r.

Jeff Davies zeigt in seinen „Yoga as Muse“-Workshops wie auch in seinem Buch „The Journey from the center to the page. Yoga philosophies and practices as muse for authentic writing“ (2008), wie der Körper als „limitless muse for writing“ dienen kann.

Aber wie beginnen? Wie kommt die Muse zum Schreibtisch? Mach es ihr leichter, indem du die Yogamatte ausrollst: „My mat resides beside my desk.“

Willst du ausprobieren, die Muse zu dir auf die Yogamatte einzuladen? Im Schreibcafe mit Yoga hast du jeden 4. Donnerstag im Monat die Gelegenheit, deine Muse mit einer Yogastunde zu verwöhnen, bevor du dich ans Schreiben machst. Dabei orientieren wir uns an dem von Jeff Davies gelehrten „Yoga as a Muse process“:

  • Focus on a creative challenge or theme and set a creative intention: Wir beginnen mit 10 Minuten Morgenseiten.
  • Engage a sequence of yoga tools as part of the writing process: Wir genießen eine Stunde Yogapraxis.
  • Bring a yogic awareness to the writing act: Mit dem von Yoga erfrischten body-mind-spirit genießen wir eine neue Qualität des Schreibens.

Beim nächsten Schreibcafe mit Yoga am Donnerstag, 23. Februar 2017 laden wir die Muse mit einer Folge sanfter TriYoga Flows ein!

Keine Anmeldung & keine Yoga-Vorkenntnisse erforderlich. – Come as you are!
Entspannter Hirn post Yoga-Vormittag garantiert 🙂

Mitbringen: Bequeme Kleidung. Matten sind vorhanden. Ggf. Unterlagen für Schreibprojekte, Laptop, Notizbuch, Füllfeder oder einfach nur die Freude zu schauen, was auf´s Papier will.

Übrigens: Yoga kann nicht nur kreatives Schreiben, sondern auch wissenschaftlichems Schreiben beflügeln. Mehr dazu in Andrea Kleins Blog „Was mich Yoga über wissenschaftliches Arbeiten lehrt

Autorin: Johanna Vedral

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Wenn der innere Kritiker tadelnd mit der Zunge schnalzt

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Freewriting ist die erste Phase im Schreibprozess, bei der die inneren Kritiker noch nichts zu sagen haben. Idealerweise kommen die inneren Kritiker erst in der Überarbeitungphase zum Zug.

Freies Schreiben ist schnelles, zeitlich begrenztes unzensuriertes Drauflosschreiben, frei nach Peter Elbows Motto „First write freely and uncritically… and then turn around an adopt a critical frame of mind and thoroughly revise what you have written.“

Wer das freie Schreiben und das Überarbeiten nicht zeitlich trennt, den Zensor also zu früh mitmischen lässt, kommt beim Schreiben schnell ins Stocken. Die guten Ideen schauen auf einmal zäh, unoriginell und stümperhaft ausgeführt aus.

Was brauche  ich, um dem inneren Zensor zu entkommen und einfach mal drauflos zu schreiben, ohne das Geschriebene gleich zu bewerten?

Tempo: Rapid writing is good writing

Wenn ich richtig schnell schreibe, kann die fiese Zensorenschar nicht mitlesen und sich daher auch nicht einmischen. Außerdem kratzt die Feder lauter am Papier oder es klappert die Tastatur stakkato, lauter als diese nörgelnden lästernden Stimmen.

Zeitrahmen: Timed writing is good writing

Ich schreibe 10 oder 20 Minuten schnell drauflos, ich lege einen Denk-Sprint hin und erlaube mir in dieser kurzen Zeitspanne, jeden Gedanken zuzulassen, der mir durch den Kopf geht. Zu blöd, zu verrückt, zu banal, zu lächerlich, zu peinlich, zu unerhört, zu fad, zu abgelutscht… kann so ein Gedanke gar nicht sein. Ich schmeiße die Worte unzensuriert aufs Papier, schüttle mir entweder schwachsinnige oder geniale Gedanken aus dem Ärmel oder beides, wer weiß, lasse die Tinte so schnell wie möglich aufs Papier fließen, so schnell kann der Zensor gar nicht schauen.

Und wenn er trotzdem frech schaut, tadelnd mit der Zunge schnalzt, die Unterlippe hämisch kräuselt oder die Augen verdreht? Soll er doch so viele Faxen machen, wie er will, ich schenke ihm keine Aufmerksamkeit. Jetzt hat er mal 10 Minuten nichts zu sagen!

Hier findest du die 10 Regeln des Freewriting von Judith Wolfsberger und eine youtube-Video-Anleitung von Lukas Lienhart.

Autorin: Johanna Vedral
Aquarellzeichnung mit ein paar inneren KritikerInnen-Köpfen am Tablett: Johanna Vedral

Poetry of the Soul mit Victoria Rabinowe

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Während der Recherchen für mein Buch „Collage Dream Writing“ (das Buch zum Seminar, dzt. auf Verlagsrunde) habe ich auf einer Traumkonferenz eine äußerst inspirierende Künstlerin kennengelernt. Victoria Rabinowe aus Santa Fe, die wie ich Collage, Schreiben und Traumarbeit verbindet. Victoria hat mich mit ihrem Dream Poetry Workshop und den Collagen, die sie ausstellte, derart begeistert, dass ich sie nach Wien einladen musste Ich freue mich auf eine kreativ sprudelnde Mai-Woche in Wien – und dann im Juni besuche ich Victoria in Santa Fe, juhu!

Et voila: Am 17. Mai hat Victoria ein ganz besonderes Seminar-Zuckerl für schreibende Menschen, die kreativ mit ihren Träumen arbeiten wollen: The Language of Dreams: Poetry of the Soul: Capturing dreams through poetry and collage.
Victoria unterrichtet auf Englisch, die TeilnehmerInnen können auf Deutsch oder Englisch schreiben. Ich finde beide Möglichkeiten reizvoll, besonders bei Poetry eröffnet Schreiben auf Englisch für mich eine neue Dimension.
Ich freue mich auf ein Wiedersehen in Victorias Workshop…in Wien, in Anaheim oder in Santa Fe…

Johanna Vedral

http://writersstudio.at/collagewriting.php

Erotic Memoir: weit mehr als eine bloße Aneinanderreihung sexueller Erfahrungen

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Ich habe wieder ein lesenswertes Memoir entdeckt, „With the kisses of his mouth“ von der 1965  in Trinidad geborenen britischen Roman-Autorin Monique Roffey. In ihrem Erotic Memoir nimmt sie ihre LeserInnen mit auf ihre sexuelle Odyssee nach dem Scheitern ihrer großen Liebe mit Mitte 40.

Ihr Memoir beginnt mit einem Brief, einer „letter bomb“, der Entdeckung, dass ihr Autorenkollege und Seelenpartner sie mit einer anderen Frau betrogen hat. Es folgt eine Rückblende in diese romantische Liebe, in der die Sexualität sich aber nie richtig entfalten konnte. Nach dem Bruch mit diesem Mann liest Roffey „Girl with a one-track mind“ von Abby Lee, eines der meistverkauften Sexual Memoirs der letzten 10 Jahre, in dem die Autorin ihre rein sexuellen Begegnungen beschreibt, mit allen Details, und das verändert Roffeys Leben. Sie hat fürs erste Mal genug von der Liebe, sie möchte ihre im Laufe der langjährigen romantischen Liebe verloren gegangene Sexualität (neu) entdecken. Sie stürzt sich ins Online-Dating, gleich auf einer Plattform, in der es um reine Sextreffen geht und nicht um romantische Partnersuche, und stellt fest, dass frau auch mit 40 plus und selbst wenn sie nicht mehr die perfekte Figur hat, sexuell nicht darben muss. Sie unternimmt in ihrem Buch eine „candid exploration of the vulnerability of middle-age“

Roffeys Buch ist aber, anders als „Girl with a one-track mind“, weit mehr als eine bloße Aneinanderreihung sexueller Erfahrungen einer reifen Frau, sondern kunstvoll aufgebaut und die Fantasien der LeserInnen anregend, ohne dabei derb, vulgär oder pornographisch zu werden. Sie führt die neugierige Leserin durch den Dschungel von Online-Dating und Swingerclubs, eine gut 18 Monate dauernde Phase sexuellen Experimentierens, bis „Girl Butterfly“ ein weiteres Buch entdeckt, das ihr hilft, ihre Erfahrungen neu zu benennen und sich mit ihrem neuen Lebensstil zu verorten: „The Ethical Slut“ von Dossie Easton und Janet Hardy.

Doch Roffeys sexual journey geht weiter, sie findet ihre neue Heimat im Tantra und beschreibt, wie sie mehr und mehr zu ihrer Sexualität in Verbindung mit Spiritualität findet, sich in Richtung sexual enlightenment entfaltet und in Tantra-Seminaren so manche interessante Erfahrung macht. „I am an ethical slut, a tantrika, mildly bi-sexual“, weiß sie nach ihren Forschungsreisen durch ihre Sexualität.

Wie ein roter Faden zieht sich parallel zu ihren neuen Erfahrungen der jahrelange Ablösungs- und Trauerprozess von ihrer großen Liebe. Sehr elegant, wie sie den Bogen spannt, den Faden spinnt und mich als Leserin die ganze Zeit am Haken hat. Kein Wunder: Roffey beherrscht das Schreibhandwerk. Sie kann einen PhD in Creative Writing vorweisen, hat mehrere Romane publiziert, u.a. „Sun Dog“, „The White Woman on the Green Bicycle“, „Archipelago“, „House of Ashes“ usw. und leitet Creative Writing Kurse und Retreats für AutorInnen in Großbritannien, Port of Spain und Griechenland.

Monique Roffey: With the kisses of his mouth. A memoir. London: Simon & Schuster, 2011

Autorin: Johanna Vedral

Von Verlagskorrespondenzen und der Schublade der gestorbenen Bücher

Memoir schreiben

Seit Oktober ist mein Sachbuch „Collage Dream Writing“/ das Buch zum gleichnamigen Seminar fertig. Die Freude war groß. Da ich von einem großen Verlag das Versprechen (noch keinen Vertrag) hatte, dass sie mein Buch gerne publizieren würden, schickte ich das Buch also nicht auf weitere Verlagsrunde, sondern mal nur zu diesem Verlag. Außerdem drängte schon das nächste Buch aus mir raus, Rohtextschreibrausch ist fantastisch, also machte ich mich daran, dieses nächste Buch zu schreiben, während „Collage Dream Writing“ in der Lektoratswarteschleife des großen Verlages lag. Ich solle ihnen bitte bis Dezember Zeit geben, das Manuskriptangebot zu prüfen, hieß es im Oktober. Fein, ich hatte also den Kopf frei für das neue Buch.

Als ich Anfang Jänner noch nichts von der Lektorin gehört hatte, fragte ich nach. Zwei Wochen später die äußerst nette Absage für mein Buch-Baby: sie sähe bei diesem Projekt als Zielgruppe vor allem KunsttherapeutInnen, aber wenn ich ihr ein anderes Buch über Schreiben und Therapie/ Coaching anbieten möchte, würde sie das gerne prüfen.

Ein schlimmer Dämpfer für mein Ego. Ich bin gekränkt und verunsichert. Außerdem weiß ich, dass mein Buch nicht nur für KunsttherapeutInnen interessant ist, sondern auch für TherapeutInnen und GruppenleiterInnen jeder Richtung, für AutorInnen, KünstlerInnen und alle Menschen, die sich selbst künstlerisch näher kommen wollen. Ist das eine zu breite Zielgruppe?

Aber statt mich jetzt von Selbstzweifeln zernagen zu lassen, schaue ich lieber darauf, was ich aus dieser Absage lernen könnte. Ich lerne u.a. Folgendes daraus: Wenn dieser Verlag nicht ein Sachbuch zu einem in eine Reihe passenden Thema in Auftrag gibt, ich also ein Manuskript anbiete, das nicht schon ein vorbestelltes Produkt ist, sind die Chancen auf einen Vertrag nicht so rosig. Schluck. Seufz. Grummel. Ich habe also weitere in Frage kommende Verlage recherchiert, die auch Titel zu kunsttherapeutischen Themen im Programm haben, und mit der nächsten Verlagsrunde begonnen, sprich: ich verschicke Exposes, Leseproben und meinen Lebenslauf per Post oder per Mail an die von mir nach gezielter Recherche ausgewählten Verlage und bastle mir eine Excel-Tabelle, um den Überblick über die Verlagskorrespondenzen nicht zu verlieren.

An anderen Tagen arbeite ich munter weiter an meinem neuen Buch, einem Erotic Memoir (noch ohne Titel). Währenddessen tingeln mein Sachbuch „Collage Dream Writing“ und ein Memoir, dem ich jetzt auch aus Vermarktungsüberlegungen heraus das Etikett „autobiographischer Roman“ aufgeklebt habe, durch die Verlage.

Früher habe ich so manches Buchprojekt nach ein paar Verlagsabsagen in der Schublade der gestorbenen Bücher abgelegt. Jetzt mache ich das anders. Diese Buch-Babys werden weiterhin in die Welt hinaus geschickt, sie werden released! Dafür braucht es langen Atem, Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen, wie beim Schreiben sowieso. Was bleibt mir anderes übrig?

„The most important thing about art is to work. Nothing else matters except sitting down every day and trying.” (Steven Pressfield)

Keep on going!

Autorin: Johanna Vedral

Es ist nie zu spät

Collage Writing

Wie sieht es aus mit deiner Liebes-Beziehung zum Schreiben? Habt ihr euch wieder aus den Augen verloren? Hast du vielleicht vor einigen Jahren Morgenseiten geschrieben, dann aber wieder damit aufgehört?

Julia Camerons neues Buch „It`s never too late to begin again“ ermutigt, den Faden wieder aufzugreifen. Die mittlerweile fast 70jährige Autorin von über 30 Büchern , u.a. des Weltbestsellers „Der Weg des Künstlers“, spricht dabei besonders Schreibende an, die frisch pensioniert sind und wieder an ihre Kreativität anknüpfen wollen, „students who are embarking on their “second act.”

Was bedeutet es, sich in das Abenteuer zu stürzen, im Alter ganz neu in die Kreativität einzutauchen?
Davon erzählt Molly Peacock in ihrer Biographie „The Paper Garden. An Artist begins her life`s work at the age of 72 von der Erfinderin der Collage, Mary Delany. Die vielseitige Künstlerin (1700 – 1788) mit repräsentativen Pflichten am englischen Königshof war berühmt für ihre Gartengestaltung, Kleiderdesigns, Papiersilhouetten und Muschelinstallationen und sie schrieb ein Memoir und mindestens 4000 (!) Seiten Briefe. Ihr Lebenswerk, die Erfindung der Collage, begann sie erst im Alter von 72 Jahren.Mary Delany hatte keine Illustriertenphotos zum Zerschnipseln, die Photographie war ja noch nicht erfunden. Daher bemalte sie Papier mit Wasserfarben, ließ es trocknen und schnitt anschließend daraus hunderte kleiner Papierschnipsel aus, die sie dann zu ihren unglaublich realistischen Blumenportraits zusammensetzte. Zwischen 1772 und ihrem Tod 1788 fertigte sie eine umfangreiche Serie von 985 (!) Blumen-Collagen, die heute im British Museum zu sehen ist.

„It’s never too late“, sagt auch Frieda Lefeber, die ihre Liebe zur Malerei erst spät im Leben zu pflegen begann:  “I had no idea I could paint,” sagt eine, mit 76 Jahren begann, Kunst zu studieren, mit 83 ihren Abschluss an der Pennsylvania Academy of the Fine Arts machte und nun mit 101 Jahren präsentiert sie ihre erste Solo-Ausstellung.

Frieda malt aber nicht nur, sie schreibt auch. Mit 88 publizierte die Holocaust-Überlebende ihre Autobiographie „Frieda`s journey“ (2003), in der sie von Kindheit und Jugend im Deutschland der 1920er und 30er, von den Weltkriegen, der Auswanderung in die USA und was es bedeutete, hier als Immigrantin zu leben, erzählt – aber sie thematisiert auch die “ joys and talents that can be found unexpectedly even late in life“.

Hast du Lust bekommen, wieder oder erstmals in deine Leidenschaft fürs Schreiben oder für Collage und Schreiben einzutauchen? Ein Schreib-Workshop oder ein Collage Dream Writing Workshop in Wien bringt dich mit einer einzigartig belebenden Community of Writers jeden Alters zusammen und facht deine Kreativität an mit Freewriting, Morgenseiten, dem Wechselspiel von Collage und Schreiben und Friendly Feedback. Schreiben in Cafes oder in Museen ist in Wien ganz besonders inspirierend!

Autorin: Johanna Vedral