Wie funktioniert der Einstieg in die Hochschuldidaktik?

Beim Unterrichten an den Unis sah es bis vor kurzem ähnlich aus wie beim Schreiben an den Unis: das kann man/ frau halt. Und wenn (noch) nicht, wird darüber kein Wort verloren. In den Fortbildungs-Workshops für JungdozentInnen, die mittlerweile viele Universitäten anbieten, sind Unsicherheiten beim Unterrichten oft kein Thema. Niemand will das Gesicht verlieren oder gar als Impostor dastehen. Außerdem gibt es ja auch Lehrgänge für Hochschuldidaktik. Wenn nun aber neben Promotion, Habilitation, Familie und Beruf wenig Zeit bleibt oder auch keine finanziellen Ressourcen mehr da sind, um auch noch eine Fortbildung in Hochschuldidaktik zu besuchen?

Viele DozentInnen steigen wenig vorbereitet in die Hochschuldidaktik ein und gehen dann durch die „harte Schule“ der Praxis. Diese mangelnde Vorbereitung auf das Handwerk des Lehrens, speziell des Lehrens an Hochschulen verunsichert junge Lehrende verständlicherweise. Darüber gesprochen wurde bis vor kurzem wenig, denn als LehrendeR gibt man sich selbstverständlich keine Blöße.

Meinen ersten Lehrauftrag für Wissenschaftliches Schreiben an der Universität bekam ich 2012. Ich hatte davor schon jahrelang Praxis im Gruppenleiten in unterschiedlichsten Kontexten (Berufsorientierung, Basisqualifikation, Schreiben) erwerben können, was sich für die Arbeit mit Studierenden als hilfreich erwies. Der Transfer von Know how aus anderen Kontexten ist für die Lehre wertvoll, sagt auch Andrea Klein:

„Eine wichtige Tätigkeit in der Hinsicht war für mich das Arbeiten als Trainerin im Sport, vor allem im Volleyball. Da versucht man, Woche für Woche im Training die Spieler gut auf die kommenden Anforderungen vorzubereiten. Am Spieltag selbst, wenn es dann darauf ankommt, müssen sie es in weiten Teilen alleine hinbekommen. Da ist der Einfluss des Trainers begrenzt. Er kann zwar in seinen Ansprachen vor dem Spiel und in den Auszeiten Akzente setzen, aber tatsächlich spielen müssen eben die Spieler. So ähnlich sehe ich das beim Wissenschaftlichen Arbeiten auch. Ich begleite die Studierenden beim Lernen und zeige ihnen, an welchen Stellen sie sich weiterentwickeln können und sollten. Bis auf die Beratung in der Sprechstunde und ein paar kleinere Rücksprachen müssen sie es dann allein schaffen. Anders als beim Volleyball kann ich allerdings niemanden auswechseln, wenn es mal nicht so läuft…“

Andrea Klein hat Hochschuldidaktik vor allem durch learning by doing und Lesen gelernt und teilt nun in ihrem Blog „Wissenschaftliches Arbeiten lehren“ ihre Erfahrungen und ihr Know how in für KollegInnen wohltuender Transparenz. Im Interview beschreibt sie mir ihren Zugang zur Hochschuldidaktik wie folgt:

„Im Bereich Hochschuldidaktik habe ich nur vereinzelt Seminare genossen. Weitaus mehr habe ich mir angelesen und im Austausch mit anderen Lehrenden erfahren. Das Thema interessiert mich einfach sehr stark, so dass ich bei meinen Besuchen in der Universitätsbibliothek auch immer bei den Regalen mit der Didaktik-Literatur hängengeblieben bin.“

Mindestens genauso wichtig wie das Lesen didaktischer Werke ist aber der Austausch mit KollegInnen. Die KollegInnen, mit denen ich mich für konspirative Intervision treffe, sprechen mit mir offen über Ängste und Unsicherheiten in der Lehre. Wir tauschen Seminarkonzepte, Übungen und Erfahrungen mit typischen Problemen mit Studierenden aus. Oder wenn wir hilfreiche Literatur gefunden haben.

Wie zum Beispiel „Einführung in die Hochschul-Lehre. Ein Didaktik-Coach“ von Andreas Böss-Ostendorf und Holger Senft (2014), das meines Erachtens ein für junge Lehrende sehr brauchbares Buch ist, Unsicherheiten anspricht und konkrete Ideen/ Übungen für die Planung von Unterrichtseinheiten anbietet. „Schreiben in der Lehre“ von Swantje Lahm (2016) ist ebenfalls ein wichtiger Begleiter für die Konzeption von Lehrveranstaltungen.

Keine Ausbildung in Hochschuldidaktik, aber eine solide Grundlage für das Handwerk der Schreiblehre und somit für die Lehre an Hochschulen tauglich ist der seit 2005 jährlich im writers`studio in Wien startende Lehrgang SchreibtrainerIn werden: Training in Progress (TIP), in den alle beteiligten TrainerInnen ihr Wissen laufend aktualisieren und somit jedes Jahr kompetenter teilen. Hier lernen junge Lehrende systematisch und praxisorientiert wie Schreiblehre funktioniert, um mit Freude und Know-how Schreiben an Universitäten, Fachhochschulen und in anderen Institutionen lehren zu können. Der nächste Durchgang startet am 6. Oktober. Gratis-Info-Abend: Do 8.Sept. 17:00

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