Archiv für den Monat April 2016

Wie motiviere ich mich zum Schreiben im Studium?

„Motivation ist Lebensenergie (…) ist die Art und Weise, energetisch mit sich selbst umzugehen“, sagt die Lehr- und Lernforscherin Dr Michaela Brohm.  Die Autorin von „Motiviert studieren“ ermuntert zum Bewusstseinszustand der Neugier, zur open mindedness, und in dieser explorativen Grundhaltung auch zu lernen und zu schreiben:

  • Setz dir ein Ziel! (am besten mit einer konkreten Deadline)
  • Zerlege dein Ziel in Teilziele: einen Absatz, ein Unterkapitel deiner Masterthese…
  • Nutze die Kraft der Schreibgruppe: Triff dich regelmäßig mit anderen moitiviert schreibenden StudienkollegInnen. Die Peergruppenforschung zeigt, dass die Peergroup den größten Einfluss auf die Motivation hat!

Lies in Michaela Brohms Blog oder schau dir ihr hochenergetisches Video an:

Rabengroßmutter?

30 1 15 Ich bin die die niemals aufgegeben hat kl

Das Bild der Großmutter hat sich in den letzten Jahrzehnten stark geändert: von der pensionierten, strickenden Oma auf der Ofenbank hin zur mitten im Leben stehenden, berufstätigen Frau im besten Alter. Wie verträgt sich das mit dem Großmuttersein und welche Erwartungen ruhen heute auf Großmüttern?

Im neuen unerzogen-Magazin mit dem Thema „Großeltern – ein Teil vom Ganzen“ gehe ich in meinem Artikel „Rabengroßmutter?“ diesen Fragen nach:

Rabengroßmutter? unerzogen-Magazin 1/2016

Johanna Vedral

 

Die Kunst, den inneren Imperfektionisten zu umarmen

Perfektionismus ist der Feind des Schreibens, da sind sich SchreiblehrerInnen und SchreibtrainerInnen einig. Perfektionismus und Prokrastination, die berüchtigte Aufschieberitis, gehen meist Hand in Hand.

In meinen Schreibseminaren sind die innere Kritiker, die personifizierten Perfektionisten der Schreibenden stets auch im Raum. Mit Freewriting und anderen Methoden des Creative Writing erlauben wir uns, dem allgegenwärtigen Genörgel unseres Perfektionismus durch schnelles Schreiben zu entkommen. Freewriting taugt auch dazu, die Argumente des inneren Kritikers, warum unsere Texte so schlecht sind, aufs Papier zu bringen und sie so zu erforschen. Es gibt Übungen, um den inneren Kritiker in die Wüste zu schicken, zumindest so lange, bis wir einen Rohtext, einen mehr oder weniger shitty first draft geschrieben haben. Denn fürs Überarbeiten ist der Perfektionist ja dann ganz brauchbar.

Anne Lamott schreibt „Perfectionism will ruin your writing“ und ermutigt dazu, shitty first drafts zu schreiben: „Go ahead and make big mistakes. Use up lots of paper. Messes are the artists`s true friend.“ Eine der schönsten Creative Writing-Übungen, um den inneren Imperfektionisten zu umarmen, möchte ich dir hier vorschlagen, bevor ich mich an mein Manuskript mache:

Stell den Wecker auf 10 oder 15 Minuten und erlaube dir, den schlechtesten Text aller Zeiten zu schreiben. Schwelge in Füllwörtern und allen „Don`ts“ des guten Schreibens – und hab Spaß dabei!

Wenn du dann noch weiter prokrastinieren möchtest und „The Art of Procrastination“ von John Perry schon gelesen hast, lies folgende Anleitungen zum Imperfektionismus:

Stephen Guise „How to be an imperfectionist“

Blake Powell „How to Embrace Imperfection as a Writer“

Ich wünsche dir viel Spaß für deinen nicht-perfekten Schreibtag!

Welche Funktionen hat ein Exposé/ Rohexposé?

Ein Exposé ist die kurze Darlegung deines noch zu bearbeitenden Forschungsvorhabens. Das Rohexposé (=themensuchendes Exposé) sollte als Prozess, ohne Anspruch auf Perfektion betrachtet werden!

Die grundlegende Funktion jedes Exposés ist die Entwicklung einer eigenen Fragestellung und der damit verbundenen methodischen und theoretischen Herangehensweise (Entwicklungsfunktion). Ein Exposé dient als Grundriss für das eigene Vorgehen.

Bei größeren Schreibprojekten tritt auch die Ergebnissicherung bzw. Selbstvergewisserung über die eigene Arbeit hinzu. Das Exposé dient dazu, dass die AutorIn zu Beginn des Projekts ihr eigenes Vorgehen reflektieren, gegebenenfalls verändern und so einen konstruktiven Lernprozess in Gang setzen kann, der Fehlinvestitionen von Ressourcen vermeiden soll (Reflexionsfunktion).

Neben diesen nach innen gerichteten Funktionen soll ein Exposé BetreuerInnen von Abschlussarbeiten sowie auch deine Peers über dein geplantes Vorhaben informieren und sie von deinem Vorhaben überzeugen.  Das Exposé gibt eine Vorstellung von deinen Überlegungen und hilft, mögliche Lücken oder Problemstellen in der Konzeption zu erkennen und zu Änderungen anzuregen (Korrektivfunktion).

Die vorläufige (!) Gliederung ist auch in einem so frühen Stadium wie dem themensuchenden Exposé sinnvoll. Dabei ist es selbstverständlich, dass die Literaturliste ebenfalls noch vorläufig ist bzw. die Literatur noch nicht ausreichend bearbeitet worden ist. Der Versuch, eine vorläufige Gliederung zu erstellen, kann bei der Selbstvergewisserung hilfreich sein und zeigt u.U. Schwierigkeiten bei der gedanklichen Strukturierung auf, die mit der BetreuerIn geklärt werden können. Die Gliederung wird sich vom Rohexposé über das  Exposé bis hin zur fertigen Arbeit weiterentwickeln.

Wie ist ein Exposé aufgebaut?

Flüsterzone

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Schreibst du gerne im Cafe, wenn das Stimmengewirr um dich herum tost? Schreibst du gerne mit lauter Musik oder Fernseherberieselung im Hintergrund? Oder gehörst du zu den Menschen, die Ruhe brauchen, um sich ins Schreiben vertiefen zu können? Schreibst du gerne im Ruhebereich der Bahn oder in einem als Flüsterzone gekennzeichneten Bibliotheks-Lesesaal?

Für mich ist so ein Piktogramm wie oben abgebildet verheißungsvoll. Meine lärmgeplagte Seele, mein durch den allgegenwärtigen Stadtlärm überreiztes Nervensystem darf an einem öffentlichen Ort in die Stille eintauchen, die ich für konzentriertes Lesen und Schreiben oft brauche. Der Lesesaal der Nationalbibliothek ist so ein wunderbarer Ort, an dem nur das Zischen der Klimaanlage, das Klicken von Laptoptastaturen und das Rascheln von Papier zu hören ist… Oder mein Lieblingsspringbrunnen, dessen Rauschen den Stadtlärm schluckt und mir so einen Raum der Konzentration eröffnet.

Ich fahre oft mit der Bahn, das ist für mich neben der notwendigen Fortbewegung zeitlich schön gerahmte Schreibzeit. Wie wunderbar: in der Bahn gibt es Waggons, die als Ruhebereiche ausgeschildert sind. Hurra, hier kann ich lesen und schreiben… Und ich glaube daran, dass Menschen von sich aus zivilisatorische Mindeststandards einhalten, ohne dass Strafen notwendig wären… Dieser Glaube wird aber öfter von meinen Mitreisenden erschüttert, von denen manche eben nicht über dieses Mindestmaß an sozialer Kompetenz verfügen. 😦 Leider gibt es in der Bahn, anders als in Spitälern, Arztpraxen und Bibliotheken, wo Ruhe herrschen muss, allzuoft Reisende, die die Ruhebereichs-Schilder entweder nicht wahrnehmen oder schlichtweg ignorieren. Ruhebereich? Bitte nicht telefonieren? Und das im öffentlichen Raum? Welch unannehmbare Einschränkung der Freiheit des Individuums, des persönlichen Rechts, vor aller Welt in unüberhörbarer Lautstärke sein Privatleben telefonierend auszubreiten! Und als stillerer Zeitgenosse bleibt mir dann wohl das Recht, immer und überall Ohropax oder Schallschutzkopfhörer zu tragen? Auch in der Flüsterzone? 😦

 

 

 

Den fiktionalen Traum träumen

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Literarisches Schreiben ist für mich wie Träumen: Ich mache Geschichten aus Elementen, Personen, Konflikten in meinem Leben. Durch die freie Verwendung solcher Ingredienzien passiert dann etwas Magisches, die Figur, die zum Beispiel Züge eines Freundes, von mir selbst und einer Filmfigur hat, entwickelt sich zu einer eigenständigen Figur, erwacht zu ihrem eigenen Leben und überrascht mich dann auch mit ihren Reaktionen. Durch diese Verwandlung von Elementen aus meinem realen Leben kommt Magie in mein Leben.

Ich bin beim Schreiben also die allmächtige Magierin, die Klarträumerin, die hier unterschiedlichste Gelüste ausleben darf, die ich mir als zivilisierte Person meist nicht gestatte. Ich lasse meine Figuren fluchen, sich in riskante oder sehr unangenehme oder richtig durchgeknallte Situationen begeben, sie lügen, betrügen, ja morden, sie dürfen Wagnisse eingehen und Nervenkitzel erleben, den ich selbst nicht unbedingt in meinem real life haben muss.

Meine Allmachtsfantasien kann ich so beim Schreiben sehr genüsslich ausleben, denn ich habe die Kontrolle über meine Charaktere, meine Geschichten. Auch wenn sie sich in ungeahnte Richtungen entwickeln und mich überraschen, ist es doch immer so, dass letztendlich ich entscheide, was mit ihnen passiert, wohin die Geschichte sich bewegt.

Fiction Writing, das Schreiben von erfundenen Geschichten,  ist für mich – wie Lesen – auch die perfekte Fluchtmöglichkeit. Es tun sich beim Lesen Fluchträume auf, die andere geschaffen haben. Schreibe ich mir diese Welt, diese Geschichte, diesen Safe Place selbst, hat das etwas besonders Magisches an sich. Für die Dauer des Lesens oder Schreibens kann ich an einen Ort hinter dem Spiegel gelangen.

Ich freue mich beim Schreiben der Geschichte, dass ich in dieser fiktiven Welt hinter dem Spiegel schwelgen, in andere Charaktere, in andere Leben hinein- und wieder hinaus schlüpfen kann, in meinem Tempo, auf meine Art, wie es mir gefällt, ob gruslig, schnoddrig, mystisch oder kitschig, alles ist erlaubt. Beim Überarbeiten erfreue ich mich dann daran, wie ich den fiktionalen Traum gestalte, dass auch andere sich davon einspinnen lassen…

Besonders lustvoll ist gemeinsames Geschichten herbeizaubern, zum Beispiel in Ana Znidar`s Seminar Short Story, mit dem sie seit 10 Jahren erfahrene Schreibende gleichermaßen wie AnfängerInnen verzaubert…

Gendern in wissenschaftlichen Texten – wozu?

Die unvermeidlichen Fragen von Studierenden, wenn es um die Formalia einer Seminararbeit geht,sind: „Müssen wir in Seminararbeiten gendern? Sollen wir das Binnen-I verwenden oder beide Geschlechter nennen? Können wir nicht einfach in einer Fußnote anmerken, dass wir beide Geschlechter mit der männlichen Form meinen? Warum müssen wir überhaupt gendern, das ist so mühsam?“

Faire und inklusive Kommunikation, also auch das Gendern, will heißen der Gebrauch einer geschlechtergerechten Sprache ist mittlerweile in den Satzungen vieler Universitäten verankert. Das Gendern soll dazu beitragen, die sprachliche Unsichtbarmachung von Frauen zu vermeiden. Wie genau gegendert werden soll, dafür wird meist Spielraum gelassen. In den APA-Richtlinien zu bias-free language heißt es: „APA supports the choice of communities to determine their own descriptors.“ Es steht auch nicht in den Richtlinien zur Manuskriptgestaltung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie festgeschrieben, wie gegendert werden soll:

  • durch explizite Nennung beider Genera (Studentinnen und Studenten)?
  • durch kombinierte Formen wie die Schrägstrichform (Student/innen) oder das Binnen-I (StudentInnen)?
  • oder durch die Schaffung inklusiver Formen (Studierende)?

Das ist nicht so schnell zu beantworten. Ich persönlich bevorzuge das Binnen-I und nach Möglichkeit die Verwendung inklusiver Formen, in meinen Texten wie in denen meiner Studierenden. An Grundsatzdiskussionen über die Notwendigkeit des Genderns habe ich wenig Interesse, ich diskutiere ja auch nicht über die Sinnhaftigkeit anderer wissenschaftlicher Konventionen zur Textgestaltung, die oft mühsam sein können.

Im Leitfaden der WU Wien für geschlechtergerechtes Formulieren findest du gute Argumente und Studienergebnisse dazu, warum es nicht egal ist, ob du geschlechtergerecht formulierst. Auch wenn es vorerst unbequemes Umdenken erfordern mag.