Archiv für den Monat Februar 2016

Reader-based Textfeedback

unspecified

Sobald „Textfeedback“ in meinen Schreib-Workshops am Programm steht, ist die Nervosität groß. Haben doch die meisten Schreibenden hierzulande im besten Fall unnötige, im schlimmsten verletzende Erfahrungen mit Textfeedback gesammelt. Wie groß ist dann die Erleichterung, wenn sie erfahren dürfen, dass Feedback auf ihre Texte NICHT bedeutet, ihre Texte zu kritisieren, zu beurteilen, Fehler zu suchen, auf sprachlichen Ungenauigkeiten herumzupitzeln…

Gerade in frühen Phasen des Schreibprozesses, für sogenannte „early drafts“ unserer Texte, ist Feedback besonders wertvoll – und besonders heikel. Denn in frühen Stadien brauchen wir keine Bewertung, Beurteilung oder Evaluation: „We need the reader`s perception, not her knife!“, schreibt Peter Elbow. Kritisch-wertendes Feedback kann zarte Text-Pflänzchen niedertrampeln.  Konstruktives Reader-Based Feedback hingegen kann dabei unterstützen, unsere Texte weiter zu entwickeln. Wir erfahren, welche Textstellen für den friendly reader besonders spannend sind, wie unsere Schreib-Stimme auf ihn wirkt und wo wir ihn verlieren.

Ja, du hast richtig gelesen: beim Reader-Based Feedback geht es nicht darum, ob der Text bestimmten Kriterien genügt, sondern wie der Text auf den Leser wirkt. Und das ist niemals ein objektives Urteil, denn das gibt es sowieso nicht: „There is never a single or correct assessment of a piece of writing“, so Peter Elbow. Und: „There is no single or right way to get feedback.“ Aber verlass dich nicht auf das Feedback nur eines Lesers. Wenn du wirklich wissen willst, wie deine Worte Leser berühren, brauchst du Feedback von mehr als einer Person.

Das funktioniert ganz gut in einer Gruppe, z.B. hier oder hier.

Zum Weiterlesen:

Elbow, P.(1998).Writing With Power: Techniques for Mastering the Writing Process. Oxford: University Press.

Bildquelle: Ida Räther

 

 

Advertisements

Gewinne einen Platz im Short Story Seminar!

imager.php

Diesen Frühling gönne ich mir zum vierten Mal Ana Znidars magisches Short Story Seminar. Ich bin nicht die einzige „Wiederholungstäterin“, manche Schreibende kommen noch öfter 🙂 Hier treffen sich erfahrene AutorInnen und SchreibanfängerInnen, um unter Anas sanfter Anleitung bewegende Short Stories zu schreiben. Ob in Piran, Zakynthos oder Wien, so ein Short Story Seminar bei Ana ist jedes Mal wie ein Urlaub für meine Schreiberinnen-Seele. Ana schafft es, mit ihren Schreibanleitungen Geschichten aus mir herauszulocken. Und sie ermuntert mich, nach der ersten Begeisterung und den ersten Zweifeln auch dran zu bleiben und die Stories abzuschließen.

Ein ganz besonderes Zuckerl: Es gibt für Anas Short Story Seminar im Wert von 599.-  einen Gratis-Platz zu gewinnen – 10.-13.März in Wien. Wenn du da keine Zeit hast – spätere Termine (Mai, August) gibts jetzt noch zum Frühbucherpreis. Achtung: wegen großer Nachfrage längerfristig vorher anmelden! 🙂

hier: http://vormagazin.at/de/gewinnen/233

Go for it!

Foto: © Ida Räther. Danke für die schönen Fotos 🙂

 

Schaudern, Zittern und Geschrei

2037204-711438_20130424_002

„Es war stockdunkel. Warum musste gerade jetzt das Licht ausfallen? Langsam tastete sie sich an den Möbeln entlang, um eine Kerze zu finden. Der Wind schlug zunehmend heftiger gegen die Fenster und sie atmete tief. Ihre Hand zitterte. Noch ein paar Schritte. Ein lauter Knall und ein Windstoß riss … . In der Schreibnacht am 5.2.16 begleiten uns fantastische Gestalten und Figuren, die unsere Kreativität und Angst beflügeln.
Sie überraschen uns in viktorianischen Häusern, Wiener Beisln oder auf postapokalyptischen Straßen und helfen uns, die Lust an der Angst beim Lesen und Schreiben wiederzuentdecken.
Egal, ob diffiziler Psychohorror oder satirischer Gore – wir lehren den Horror das Fürchten!“ (Daniela Pokorny)

Herzliche Einladung zur:
Schreibnacht am Freitag, 5. Februar 2016, 19.45 – 23 Uhr:
Schaudern, Zittern und Geschrei – Wer hat Lust auf Horror?
Eine schaurig-schöne Schreibnacht mit Daniela Pokorny.
Mehr:www.writersstudio.at/schreibnaechte.php

In der Kürze liegt die…

index

Jeder Schreibtyp hat seine besonderen Herausforderungen im Schreibprozess. Als Vielschreiberin ist es für mich das Überarbeiten. Diese Woche soll aus einem 4000 Wörtern langen mäandernden, wuchernden Rohtext für meinen Artikel über Rabengroßmütter ein 2000 Wörter schlanker Text werden… Beim inhaltlichen Überarbeiten, dem ersten Überarbeitungsgang, habe ich am Ausdruck schon einige Sätze gestrichen. Seufz. Auch wenn ich beim Freewriting weiß, dass gut die Hälfte meiner schnell aus dem Handgelenk „geschossenen“ Texte gestrichen werden, es tut jedes Mal weh.

Wenn ich mich ohne das Auge eines Friendly Readers ans Überarbeiten mache, fällt es mir immer schwer, den Wald vor läuter Bäumen zu sehen. Der Blick einer Leserin auf meinen Text tut gut, denn sie hat die nötige Distanz „und holzt wahrscheinlich emotionsloser unnötige Gewächse ab“, weiß  Eva Woska-Nimmervoll.

Sie empfiehlt als allerersten Überarbeitungsgang, den Text mit der Frage „Was soll wirklich beim Leser hängen bleiben?“ zu lesen und rät dann: „Alle Absätze, die keine Antwort auf diese Frage sind, stehen auf Ihrer Abschussliste.“

Damit es nicht so weh tut, schiebe ich sätze- oder absatzweise abgeholzte Textgewächse in eine Restl-Datei. Es gelingt mir aber auch, manchmal mehr, manchmal weniger, Sätze einfach zu löschen! 🙂

Ich wünsche euch SchreiberInnen bei euren Text-Herausforderungen Friendly Reader mit sanften Gehölz-Scheren, die so richtig Freude fürs Überarbeiten wecken!

Zum Weiterlesen: Schreibtypen-Test von Doris Märtin