Archiv für den Monat Januar 2016

Der Schreibtreff-Effekt

Endlich wieder ein Schreibtreff! Heute sind wir zu dritt und freuen uns sehr, Projekte wieder aufzugreifen oder auch neue anzufangen. Ich beginne den Schreibtreff damit, einen Brief zu schreiben, den ich schon seit zwei Wochen mit mir herumtrage, weil ich ihn nicht so nebenbei zwischendurch schnellschnell wie ein Mail schreiben möchte. Dieser emotional bedeutsame Brief, ein Brief an eine für mich sehr wichtige Freundin, das ist ein wunderbarer Auftakt fürs Schreiben. Voller Schreibglücksgefühle springe ich nach sechs mit bunten Filzstiften großzügig gefüllten A3-Seiten in mein Buchprojekt mit dem Arbeitstitel „Collage Dream Writing“.

Seit einiger Zeit gibt es hier ein sperriges Kapitel, während gut ¾ des Buches schon Gestalt angenommen haben. Dieses widerspenstige Kapitel war im Schreibprozess längere Zeit so etwas wie eine Müllhalde, dahin verschob ich Textteile, von denen ich nicht wusste, was ich damit tun sollte. Jedes Mal, wenn ich dieses Kapitel aufgreifen wollte, kam ich in einen verwirrten frustrierten Zustand.

Heute wieder… bis ich ein Cluster mit den Kernaussagen anfertige und dem ausgedruckten Rohtext mit Filzstiften zu Leibe rücke. Da mein Laptop zickt, kann ich nicht die bunt markierten Textpassagen herumzuschieben beginnen. Kurz meldet sich der innere Kritiker mit Meldungen wie „Das ist sicher eh ein unnötiges Kapitel. Du hast hier ja gar nichts Neues zu sagen.“

Ein Blick auf die Uhr: noch 20 Minuten! Und nun, kurz vor Ende des Schreibtreffs, trittder Schreibtreff-Effekt ein: Ich greife zur Füllfeder und schreibe, so schnell ich kann, ein Freewriting zu dem widerborstigen Kapitel, warum ich es nicht leiden kann, und auf einmal beginnt es sich zu entfalten und mir wird endlich klar, worum es in dem Kapitel eigentlich geht… Schnell, schnell, 20 Minuten lang rast der Stift am Papier…

Mit entrückten glücklichen Gesichtern finden wir drei Schreiberinnen uns zur Schlussrunde ein. Die letzte Viertelstunde ist immer die beste, und es ist schwer, sich loszureißen, da sind wir uns einig. Gut, dass morgen der nächste Schreibtreff ist!