Archiv für den Monat November 2015

Wie geht es JournalistInnen beim Schreiben?

Wie fühlen sich JournalistInnen beim Schreiben? Manchmal lustlos, müde, verwirrt, dann wieder neugierig oder entflammt… Die erfahrene Journalistin Birgit Schreiber nimmt ihre LeserInnen mit auf den Weg vom Anfang einer Idee bis zum fertigen Artikel für ein Fachmagazin. Ehrlich & inspirierend!

bremerschreibstudio

… the middle and the end“. Diesen Rat habe ich in einem meiner vielen Bücher übers Schreiben gelesen und er hilft mir gerade wieder, ein herausforderndes Schreibprojekt zu beenden. Am wahrscheinlichsten stammt er von Julia Cameron, Autorin des berühmten Buchs: „Der Weg des Künstlers“.

Ich habe den Rat angewendet auf meine Arbeit an Artikeln, Buchbeiträgen, Geschichten und Büchern, an denen ich schreibe und schrieb.

Ich nehme ihn mir besonders gern aus meinem Schatzkästchen der Weisheiten, wenn ich unzufrieden bin mit meinem Fortschritt an einem Text.

So wie neulich:
Der Anfang an einem Artikel war mühsam, die Lust gleich null:
Der Berg von von Recherche, Material ordnen, tragfähige These entwickeln, Einstieg schreiben, noch mehr Recherche, noch mehr Gespräche, eine Struktur entwickeln, schreiben, umstellen, noch einmal ein Interview, neuen Aspekt einarbeiten, Fazit ziehen, ein Ende schreiben, das im Gedächtnis bleibt. Dann die Nacharbeiten: Interviews autorisieren lassen, womöglich noch etwas ändern, kürzen. Puuuh…

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Tagebuch-Schreiben in einer Fremdsprache

Ist dir das auch schon mal passiert? Du bist auf Urlaub oder einer Konferenz im Ausland und stellst nach ein paar Tagen fest, dass du in der Fremdsprache geträumt hast. Und beim Schreiben in deinem Tagebuch bist du unbewusst in die Fremdsprache geswitcht, weil du neben dem Sprechen und Hören dieser Sprache nun auch in dieser Sprache denkst.

Du willst in einer Fremdsprache besser denken lernen?  Du musst vielleicht auch in einer Fremdsprache wissenschaftliche Texte verfassen? Dann ist Schreibdenken im Journal oder freies Tagebuch-Schreiben ein brauchbares Werkzeug.

Beim Freewriting in der Fremdsprache stehen Freude am Schreiben und Flow im Vordergrund – wie auch beim Schreiben in der Muttersprache. Daher solltest du nicht verbissen auf Grammatik achten und dir schon gar nicht als Ziel setzen, alles fehlerfrei zu schreiben. Erlaube dir, einfach deine Gedanken niederzuschreiben, wie sie dir in den Sinn kommen. Fallen dir einzelne Worte oder Phrasen nicht ein, umschreibe sie oder setze das deutsche Wort ein. Du kannst später diese Worte im Wörterbuch nachschlagen.

Schreibe 10 Minuten täglich in der Fremdsprache, die du aktivieren möchtest. Dein schriftlicher Ausdruck wie auch dein aktiver Wortschatz werden sich verbessern. Und du wirst garantiert mehr Freude an dieser Sprache haben! 🙂

Mehr zum Thema „In einer Fremd-/Zweit-/Dritt-Sprache angstfrei schreiben“ erfährst du in Judith Wolfsbergers Interview mit Anna Laurner und Ana Znidar

 

Je größer die Angst, desto größer das Blatt Papier?

Seit gut drei Jahren lasse ich mich in Memoir-Workshops und nun auch in der Schreib- und Feedbackgruppe „Memoir in Progress“ (MIP) auf autobiografisches Schreiben über meine Herkunftsfamilie ein.

Beim Memoir-Schreiben ist jede Phase spannend und herausfordernd: einen Fokus, eine Story Question, einen roten Faden zu finden, das Erinnern, das Reflektieren über den Prozess des Erinnerns, das Hineinschlüpfen in ein jüngeres Ich, das schreibende Verwandeln von Erinnerungen in Szenen, das Reflektieren der vergangenen Ereignisse aus heutiger Sicht, das Überarbeiten der Erinnerungstexte, um daraus auch für andere spannend zu lesende Szenen entstehen zu lassen, das Friendly Feedback von anderen Memoir-SchreiberInnen…

Ganz besonders spannend ist für mich, welche autobiografischen Themen sich mir quasi aufdrängen. So habe ich plötzlich, ungeplant, auf einer Zugfahrt, nachdem ich mich längere Zeit schreibend intensiv mit der Beziehung zu meiner Mutter auseinandergesetzt habe, begonnen, nun schreibend die offenen Fragen zwischen meinem Vater und mir zu erforschen. Bird by bird, Freewriting um Freewriting, ohne mir hier Druck zu machen, welche Form dieses zweite Memoir annehmen soll, habe ich begonnen, Erinnerungen und Reflexionen aufzuschreiben.

Ich beobachte meine Widerstände. Eigentlich ist in meinem Leben gar kein Raum für diese Auseinandersetzung mit meinem Vater. Eigentlich möchte ich mich diesem Schmerz nicht stellen. Aber plötzlich sitze ich an meinem Schreibtisch, ich habe ein A3-Blatt vor mir und meine Sanduhr und schreibe mit einem dicken lila Filzstift: „Ich will meinen Vater nicht anrufen. Ich will ihn nicht fragen…“ Und 10 gefühlsintensive Minuten später ist dieses Blatt auf beiden Seiten voll. Ich drehe die Sanduhr noch einmal um, wechsle zu einem rosa Filzstift und fülle das nächste Blatt…

Könnte das eine neue Methode sein, mich Themen zu stellen, über die ich gar nicht schreiben möchte? Je größer die Angst, desto größer das Blatt Papier, um mir hier Raum zu geben?

Hast du das auch schon ausprobiert?