Archiv für den Monat September 2015

Die Zauberformel für freudiges Überarbeiten

Überarbeiten Johanna Vedral

Schreib-Flow, Schreib-Lust, Schreib-Rausch… Leidenschaftliche SchreiberInnen mit Erfahrung wissen, wie sie sich in diesen Glückszustand beim Schreiben versetzen können. Schreibende, die gerne überarbeiten, wissen, dass das Überarbeiten auch sehr viel Spaß machen kann. Und da es sich für mich grad so magisch anfühlt, dass ich den Überarbeitungs-Flow, die Überarbeitungs-Lust, ja den Überarbeitungs-Rausch erleben darf, hab ich diese Freude in eine Zauberformel verpackt 🙂

Die Zauberformel für lustvoll dahinfließende Rohtexte ist

regelmäßiges Timed Writing & Freewriting bird by bird = Flow

  • regelmäßig: Schreiben braucht Übung.
  • Timed Writing: Begrenze den Schreibzeitraum und tauche so tiefer und motivierter ins Schreiben ein.
  • Freewriting: Erlaube dir, viele schlechte Rohtexte zu schreiben. Überarbeiten ist später!
  • Bird by bird: Brich dein Schreibprojekt in kleine handhabbare Portionen herunter.
  • Bleib flexibel und offen für Neues: Probiere verschiedene Schreibstrategien aus. Keine Strategie taugt für jeden Text gleich gut.

Du brauchst: einen Stift, Papier und einen magischen Gegenstand – die Stoppuhr 🙂 Das kann eine Sanduhr oder einfach der Handy-Wecker sein. Stelle die Uhr auf 10, 15 oder 20 Minuten und schreibe drauflos, was immer dir durch den Kopf geht.

Die Zauberformel für freudiges Überarbeiten ist

Timed Editing bird by bird & Friendly Feedback from higher concerns to lower concerns = Flow

  • Timed Editing: Die Stoppuhr funktioniert auch beim Überarbeiten! Probiere aus, wie lang am Stück du dich motiviert der Überarbeitung widmen kannst.
  • Bird by bird: Teile deinen Text in kleine handhabbare Einheiten/ Szenen. Du musst nicht alles auf einmal überarbeiten.
  • Hol dir Friendly Feedback! Du musst dich nicht alleine ans Überarbeiten machen!
  • Higher concerns: Überarbeite zuerst Inhalt, Struktur und Kernaussagen.
  • Lower concerns: Überarbeite erst später Sprache und Stil.
  • Bleib flexibel: Probiere verschiedene Überarbeitungsstrategien aus. Keine Strategie taugt für jeden Text gleich gut.

Das Überarbeiten findet auch zuerst am Papier statt. Du kannst deinem Rohtext genussvoll mit bunten Stiften am Ausdruck zu Leibe rücken! Also, Stoppuhr einschalten und los geht’s!

P.S.: Und wie lautet deine Zauberformel?

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Die Überarbeitung genießen

Johanna Vedral Überarbeiten

Bist du auch ein/e viel und leicht Texte produzierende/r Drauflosschreiber/in? In den Schreibfluss springst du mit Leichtigkeit? Neue Ideen, Freewritings, Ideen-Cluster, Rohtexte sprudeln nur so raus aus dir und du füllst mit großer Freude unzählige Notizhefte oder ellenlange Word-Dokumente? Du hast mehrere angefangene Bücher in den virtuellen Schubladen deines Computers liegen?

Sobald es aber an die Phase des Überarbeitens geht, ist Schluss mit lustig. Das Lustprinzip verschwindet und du weißt, jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Wie der Name schon sagt, Überarbeiten ist mit Arbeit verbunden. Viel Arbeit, denn wenn der Rohtext fertig ist, brauchst du etwa gleich viel Arbeit, um deinen guten Rohtext in einen sehr guten fertigen Text zu verwandeln, der deine Leser/innen anspricht.

In allen Phasen des Schreibprozesses ist der Einsatz unterschiedlicher Schreibstrategien und regelmäßiges Üben zielführend. Ein besonders wichtiges Schreibwerkzeug ist die aktive, mutige Arbeitshaltung. Wie sieht die optimale Einstellung zur Phase des Überarbeitens aus?

Genießen Sie die Überarbeitung. Sehen Sie sie nicht als Strafe, sondern als Geschenk“, empfiehlt Heike Thormann: „Ich liebe meine Texte (…) Deshalb liebe ich auch die Überarbeitung – und wünschte, ich hätte mehr Zeit für sie. Zeit, um meine Texte zu verbessern, um zu lernen, und um das wertzuschätzen, was schon gut geworden ist.“

Wie komme ich zu einer derartigen Haltung dem Überarbeiten gegenüber?

Zuerst einmal mit Friendly Feedback. Ich suche mir eine Schreibgruppe mit anderen Schreibenden, die bereit sind, wohlwollend mit ihren eigenen Texten und denen ihrer Schreibkolleg/innen umzugehen. In konstruktiven Feedbackrunden bekomme ich gespiegelt, was an meinem Text schon gut und klar ausgedrückt ist und wo die Leser/innen noch mehr brauchen, um den Text zu verstehen oder gar von ihm mitgerissen zu werden.

Oder bei Ana Znidar, die in ihrem genialen Workshop „Die große Kunst des Überarbeitens“ eine Fülle an Überarbeitungs-Tools vermittelt, mit denen der Überarbeitungsprozess in kleine machbare Einheiten heruntergebrochen wird. Und auf einmal macht Überarbeiten Spaß!

Ich habe mich nach zwei Tagen spielerischen Überarbeitens an zwei halbfertigen Short Stories in Anas Workshop einfach so an den Rohtext meines Sachbuches gesetzt, das mir bis jetzt beim Überarbeiten sperrig, mühsam und wenig lustvoll erschien. Eine stimmigere Struktur ist auf Clustern erschienen, ich habe meine  Materialien entlang dieser neuen Struktur mit Freude(!) in eine neue Ordnung gebracht. Besonders hilfreich war für mich das Neu-Denken des Überarbeitens durch das Teilen meines Textes in Szenen und den neuen Blick auf die Charakterisierung, die auch bei Sachtexten wichtig ist. Nun sehe ich lauter bewältigbare Überarbeitungseinheiten vor mir statt eines 140-Seiten-Dings, das mir diffuses Unbehagen erzeugte, sobald ich nur daran dachte oder das Dokument öffnete. Yippieh! Ich muss jetzt Schluss machen, weil ich die gestern geclusterte neue Struktur ins Word-Dokument übertragen möchte und freue mich schon auf die nächste längere Überarbeitungs-Session im Schreibtreff

P.S.: Der nächste One Day Writers` Retreat im writers`studio findet übrigens am Montag, 12.Oktober statt!

Raum zum Schreiben

Johanna Vedral Tagebuch schreiben
The first room of my own was a few lines each day in a diary„, schreibt Pat Schneider.
Eine schönere Liebeserklärung ans Tagebuch habe ich noch nicht gefunden! :-)Nach 36 Jahren intensiver Tagebuchpraxis kann ich sagen: Ja, Tagebuchschreiben eröffnet Räume, Landschaften, ja Universen.
Ein Raum zum Schreiben. ein Raum für meine Kreativität, ein Möglichkeitsraum, ein place of all possibilities, das und viel mehr ist mein Tagebuch für mich.
Ich trage immer ein A5-Notizbuch mit mir, in dem landen alle Texte, die unvermittelt handschriftlich rausmüssen: klassische Tagebuchtexte, in denen ich beschreibe, wie mein Tag war, Morgenseiten, in denen ich mein Gehirn entleere, Listen, Anfänge von Short Stories, Freewritings, Gedanken zu meinem laufenden Buchprojekt, Zitate aus Büchern, die ich gerade lese, Briefanfänge, Schreibdenktexte, Cluster, frische Beobachtungen usw.usf. In diesem Raum zum Schreiben ist alles möglich, muss nichts sein, schon gar nicht muss ein Text hier drinnen perfekt oder fertig sein… Ich habe schon versucht, mit mehreren Notizbüchern zu arbeiten, um meine Schreibprojekte auch physisch & sichtbar zu trennen und mir so vor Augen zu führen, dass ich immer wieder mal zu viele Texte parallel in Arbeit habe, zu viele, um für jedes Projekt ein Notizbuch mitzutragen… Doch es fühlt sich für mich nur stimmig an, ein Ur-Buch zu haben, in dem alle meine Notizen landen.
Ausgewertet, geordnet und eingelesen oder abgetippt werden diese Rohtexte, wenn ein Notizbuch voll ist (oder schon mehrere, wenn ich eine sehr produktive Phase habe).
Wie sieht dein Ur-Buch aus?

Warum sich Bloggen auch für dich auszahlen wird!

Johanna Vedral Blog schreiben

Mein Schreibstudioblog wurde dieser Tage ganz unprätenziös 2 Jahre alt. Vor zwei Jahren habe ich mich in das Abenteuer Bloggen gestürzt und dabei viel gelernt. Warum du Bloggen ausprobieren solltest?

Weil es dein Schreiben weiter entwickeln wird! Im September 2013 startete ich mit meinem Blog.  Zuallererst habe ich regelmäßig mehr geschrieben und somit mein Handwerk geübt:

Ich habe hier bisher 172 Beiträge verfasst, insgesamt 47.164 Wörter geschrieben, das entspricht ca.160 Seiten Fließtext. Weil mir das Bloggen so viel Spaß macht, habe ich zusätzlich ab 2014 zuerst unter Pseudonym, dann unter meinem eigenen Namen auf der Bloggerplattform fischundfleisch gut 20.000 Wörter (ca.80 Seiten Fließtext) geschrieben.

Da ich ausgiebig mit der Kurzform eines Blogartikels gespielt habe, konnte ich kurze Textsorten üben, in denen ich vorher nicht so zuhause war, wie Personal Essays oder kurze journalistische Artikel. Viele kurze Texte zu schreiben hat mir geholfen, mich klarer und knapper auszudrücken. Ein weiterhin spannender Lernprozess ist für mich als Nicht-Journalistin das Texten von Headlines.

Ich habe mich mit vielen Themen schreib-denkend auseinandergesetzt und diese Gedanken im Blog publiziert. Ich habe Ideen für größere Schreibprojekte im Versuchslabor des Blogs getestet.

Und das Schönste: wenn Feedback von LeserInnen kommt! Wenn ich Menschen treffe, die mir sagen, dass sie meinen Blog gerne lesen, freut mich das sehr. Ich fühle mich auch darin bestärkt, weiter zu schreiben, wenn mir jemand ein Mail oder einen Kommentar zu einem Artikel schreibt, weil mein Text ihm weitergeholfen, ihn verärgert oder inspiriert hat.

Es gibt noch viel mehr Gründe, warum Bloggen sich für dich als Schreibende/r auszahlen wird! U.a. ist Bloggen für Selbstständige ein wichtiges Vernetzungs- und Marketing-Tool. Mehr dazu im Blog der Social-Media-Managerin Huberta Weigl.

Was hält dich noch ab, mit dem Bloggen anzufangen?

Und wenn du schon bloggst: Verrätst du mir, was für dich der schönste Lohn des Bloggens ist?

Keep on blogging! 🙂

Johanna Vedral

Hurra! „Das faulige Herz. Love Stories“ ist erschienen!

http://www.amazon.de/Das-faulige-Herz-Love-Stories-ebook/dp/B0159GCM0U/ref=sr_1_7?ie=UTF8&qid=1442334307&sr=8-7&keywords=johanna+vedral

Ich freue mich über den Release von „Das faulige Herz. Love Stories“ bei neobooks. Und gleichzeitig fällt mir dazu Virginia Woolfs berühmter Satz ein: “The worst part of writing, is that one depends so much upon praise.”

Viel Spaß beim Lesen!


Kurzbeschreibung von „Das faulige Herz. Love Stories“:

„…aber das ist ja Arian, was macht denn der hier in Carolines Wohnung, sie hat ihn doch gar nicht reingelassen. Triumphierend steht er vor ihr, seine Haare stehen zu Berge, seine Augen funkeln manisch, und in der Hand hat er eine Säge. „Wo ist der Psychopath?“, will er wissen.“

Männer und Frauen an Wendepunkten ihrer Beziehungen. Da ist Sonja, Mitte 40, deren Jugendliebe Tony sich plötzlich meldet und dadurch ihre Ehe auf den Kopf stellt. Die Ärztin Caroline besucht ihren Exmann am Sterbebett und erinnert sich… Der zwanghafte Joe, der bei Tantra-Seminaren schöne Frauen kennenlernt, gerät an die falsche. Anna, die lesbische Therapeutin, von ihrer großen Liebe enttäuscht, hat auch Pech bei ihrem Ausflug in die Männerwelt. Lenis Liebe wird von den Härten des Daseins im Krieg aufgerieben. Die ewige Studentin Lilli sucht die Liebe, findet aber nur Sex. Die Liebe von Dinahs Eltern wird einer besonderen Zerreißprobe ausgesetzt…

Johanna Vedral
P.S.: Sehen wir uns bei den Tagen der offenen Tür 18./19.Sept.2015 im writers`studio in Wien? Zwei Tage lang Gratis-Schreib-Workshops und Verlosung von Schreibseminaren!

Cluster-Gehirne und Dodos

Cluster Johanna Vedral

Im Intensivkurs „Frei geschrieben“ rauchen diese Woche die Köpfe der Studierenden. In einer motivierten Gruppe starten sie das neue Semester mit frischem Schwung und packen im writers`studio beherzt ihre Masterthesen, Diplomarbeiten und Bachelorarbeiten an. Bei der Metaphernsuche für die leidigen Abschlussarbeiten tauchen Tiere wie Elefanten, Vielfraße, Schildkröten, Drachen und sogar Dodos auf (die ja noch nie jemand gesehen hat). In der Auseinandersetzung mit diesem munteren Zoo entstehen täglich neue Freewritings und so viele Cluster, dass es nach dem Workshop schon mal vorkommen kann, dass eine Teilnehmerin mit einem „Cluster-Gehirn“ nach Hause geht (um dort munter weiter zu clustern, weil die Ideen nur so sprudeln).

Das Cluster ist ein besonders reizvolles Tool aus der Creative Writing Praxis. Mit Clustern kann ich am Papier spielerisch nachdenken, mich beim Denken überraschen lassen und einen Punkt finden, an dem ich zu schreiben beginnen mag,

So ein Cluster-Gehirn erlaubt neue Assoziationen, Gedankenverbindungen und Ideen. Text-Strukturen und Gliederungen entwickeln sich wie durch Zauberhand – am besten mit buntem Filzstift auf A3-Papier – oder noch größer. Gabriele Rico, die Erfinderin des Clusterns, sprach davon, dass größeres Papier auch „bigger ideas“ ermögliche… Probiere es aus und clustere auf A5, A4, A3 und größer…

  1. Schreibe in die Mitte eines Papiers im Querformat einen Begriff.
  2. Zeichne einen Kreis darum. Das ist der Kern des Clusters.
  3. Von der Mitte ausgehend werden Ketten von Einfällen gebildet. Sobald dir nichts mehr einfällt, geh zurück zur Mitte und beginne mit einer neuen Assoziationskette. Du kannst aber auch ganz wild dahinclustern, alles ist erlaubt.
  4. Wichtig ist: jeder neue Begriff wird mit einem Kreis umgeben und durch einen Strich mit dem Kern oder einem anderen Gedanken verbunden.
  5. Wenn dir nichts mehr einfällt, zeichne ein paar leere Kreise, damit dein Cluster-Gehirn noch Raum für neue Ideen findet.
  6. Widerstehe dem Ordnen deiner Gedanken, bis das Blatt voll ist. Jetzt kannst du mit Farben oder Nummerierungen Ordnung in deine Ideen bringen.
  7. Beginne an der spannendsten Stelle oder an der, die du als Anfang festgelegt hast, vom Cluster ausgehend ein Freewriting zu schreiben.

Viel Spaß!

Johanna Vedral