Archiv für den Monat August 2015

Auf der Schreib-Insel

Schreibcoaching Johanna Vedral

In diesem Sommer habe ich neue Schreib-Inseln entdeckt. Eine davon war eine richtige Insel, die ostfriesische Insel Norderney, deren speziellen Charme ich auf dem Foto oben festgehalten habe 🙂
Aber es gab noch viel mehr Inseln der Schreib-Freude für mich: als Slow Travellerin, die lieber in den Zug als ins Flugzeug steigt, um durch Europa zu rollen, habe ich es genossen, Stunden um Stunden zu schreiben, mit dem ständigen Flow der Vorwärtsbewegung eines Zuges oder einer Fähre. Ich habe diesen Sommer aber nicht nur in Zügen geschrieben, sondern auch auf Bahnhöfen, Gartenbänken, Gästebetten, Erkern, Kaffeehaustischen, Museensesseln, Terrassen, in Bibliotheken und auf Parkbänken, in U-Bahnen und manchmal auch im Stehen, an ein Fensterbrett gelehnt…
Schreib-Inseln gibt es mehr, als du dir vorstellen kannst 🙂
Wieder zuhause, bin ich weiter im Schreib-Reise-Modus und freue mich darauf, neue Schreib-Orte zu entdecken. Ich habe ja das Glück, in Wien zu wohnen, wo ich jeden Tag Schreib-Insel-Hüpfen oder zu meinem Lieblings-Schreibbrunnen gehen kann.
Eine ganz besondere Schreib-Insel können alle neugierigen Schreib-Nasen am 18. & 19. September beim Open House im writers`studio in Wien besuchen. Zwei Tage lang Gratis-Schreib-Workshops mit einem interessanten Rahmenprogramm (Details demnächst hier!) haben in den letzten Jahren nicht nur WienerInnen, sondern auch Leute aus den Bundesländern angelockt. Wir freuen uns darauf, euch auf unsere Schreib-Insel einzuladen!

Text: Johanna Vedral
Bild: Norderney, Weststrand, 8.8.2015, 16:00, 21 Grad. Johanna Vedral

Advertisements

Schreiben im Cafe

Schreiben in Cafes Johanna Vedral

Schreiben in Cafes, das ist nicht nur der Titel einer meiner Creative Writing-„Bibeln“ von Natalie Goldberg. Das ist auch eine der schönsten Weisen, das schreibende Leben vom Schreibtisch weg in Cafes zu verlagern. In Wien hat das eine lange Tradition, Arthur Schnitzler, Stefan Zweig, Elfriede Jelinek und viele andere AutorInnen schrieben im Kaffeehaus. Daniela Pucher hat dazu Amüsantes in ihrem Blogbeitrag über das literarische Wien im Kaffeehaus zusammengetragen.

Da ich gerade auf Schreiburlaub in der selbsternannten „Kaffeehauptstadt“ Bremen bin, wo es in der ganzen Innenstadt nach geröstetem Kaffee duftet, ein paar Impressionen vom „Kaffeeisieren“. So nennt der Bremer das nachmittägliche durch die Stadt spazieren und in einem der vielen schönen Cafes einkehren.

Zum Beispiel im Cafe Tölke, das aussieht wie ein kleines Altwiener Cafe (siehe Beitragsbild), es gibt Apfelstrudel, Wiener Kaffee und sogar ein Bild von Kaiser Franz Joseph 🙂 Und es duftet so köstlich nach Kaffee… Beim Draußen-Sitzen kann es schon passieren, von einem Fremdenführer gefragt zu werden, wie denn die Torte schmeckt, wenn er eine Gruppe durch den Schnoor, das mittelalterliche Viertel Bremens, führt.

Oder im Traditions-Cafe Knigge, hier duftet es auch ganz besonders röstfrisch, und es gibt derart viele leckere Torten zur Auswahl, dass ich mich da leider nie werde durchkosten können. Aprikosensandtorte mit einer Schicht Marzipan drauf war auf jeden Fall eine gute Wahl!

Aber auch im Schwachhausener Cafe Crossini, weitab von der schicken Innenstadt, gibt es guten Kaffee und hauchdünne Crepes, süß oder pikant gefüllt…

Wieder in der City, besuchen wir das Cafe Rathauskeller, mit Blick auf den Dom und die Straßenkünstler, hier gibt es den besten Pflaumenkuchen. Aber ich glaube, ich muss jetzt bald auf Kaffee pur, ohne Torte, umsteigen, um mich nicht in eine Kugel zu verwandeln. Wer hätte gedacht, dass es hier im hohen Norden tortentechnisch Konkurrenz zur Wiener Kaffeehaustradition gibt?

Da es am Domplatz doch sehr laut zugeht, wechseln wir zum Schreiben in die Pressebar Bistro, chic, kein Cafe, sondern eine Bar, ich gönne mir ein hippes kleines Fläschchen Mineralwasser, dezente Hintergrundsmusik die grad so dahinplätschert, dass die Schreibzeit im Nu vergeht, nur ein paar Schritte vom Paula Modersohn-Becker-Museum entfernt, gemütliche Sitzcouch im Obergeschoß, mit Blick auf den Wolkenbruch, der auf die Kopfsteinpflasterstraße prasselt…

Daran könnte ich mich gewöhnen, ans Kaffeeisieren, ans Schauen und Eindrücke festhalten… Eine schöne Weise, eine Stadt kennenzulernen, beim Schreiben in Cafes…

Literaturhinweis: Goldberg, Natalie: Schreiben in Cafes