Warum müssen SchriftstellerInnen schreiben?

Collage Dream Writing Johanna Vedral

Die Neurologin Alice Flaherty hat das Gegenteil der Schreibblockade, den Schreibrausch erforscht. Ausgangspunkt war ein monatelanger Schreibrausch, ausgelöst vom Verlust ihrer Zwillinge: „I was flooded with ideas that I had to write about immediately.“

Was genau ist Graphomanie, Hypergraphie, Schreibrausch oder gar Schreibzwang? Wenn der Schreibende wie besessen schreibt und schreibt und schreibt und nicht mehr aufhören kann, feuert das Belohnungssystem in seinem Gehirn auf Hochtouren. Auf einmal ist er high, nur vom Schreiben!

Und was hat das mit der Schreibblockade zu tun? In ihrem Buch „Die Mitternachtskrankheit“ beleuchtet Flaherty die Zusammenhänge zwischen Schreibrausch und Schreibblockaden. So sagt sie z.B., dass die Perioden der Brache, die einige Autoren Schreibblockaden nennen, für andere ein Fermentationsstadium des kreativen Prozesses seien. Und Schreibrausch und Schreibblockade seien nicht mehr als zwei Seiten einer Münze: „Depending on how you look at it, the „disease“ could be either writing or writer’s block. In one case, you can’t stop, in the other you can’t start.“

Aus neurologischer Sicht sind zum Beispiel drei tief sitzende Zyklen wichtig für die Stimmung und die Kreativität: Schlafzyklus Jahreszeitenzyklus und der Hormonzyklus.An diesen Zyklen kann daher  auch  bei Schreibblockaden angesetzt werden.

Aber: Warum müssen Schriftsteller schreiben? Flaherty fasst neurologische Erkenntnisse zu dieser Frage so zusammen: Leiden löst die Aktivität des limbischen Systems und der Schläfenlappen aus und steigert daher das Verlangen zu schreiben und zu kommunizieren. Aber: was außer physischem Leiden und Krankheit spornt normale Menschen dazu an, zu schreiben? Der Hauptgrund ist fast immer etwas Ähnliches wie eine Krankheit, sagt Flaherty, nämlich Liebe, besonders unglückliche Liebe. Aber auch andere Formen des Leidens, wie eine unglückliche Jugend oder die Erfahrung von Krieg, Verlust geliebter Menschen etc. usw. können Schreibzwang auslösen.

Die Muse ist aus neurologischer Sicht also „merely a matter of making the right brain connections“ 🙂

Dr. Alice Flaherty ist Associate Professor of Neurology an der Harvard Medical School und Autorin mehrerer Bücher, u.a. „The Midnight Disease: The Drive to Write, Writer’s Block, and the Creative Brain.“ (2004)/ auf Deutsch: „Die Mitternachtskrankheit. Warum Schriftsteller schreiben müssen“

Collage: by Johanna Vedral

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