Archiv für den Monat Juni 2015

Schluss mit dem Rohtext-Stau!

Jede/r Schreibende hat bevorzugte Phasen im Schreibprozess. Der eine schreibt gerne Ideenlisten und clustert begeistert geniale Textstrukturen, die andere hingegen kritzelt leidenschaftlich gerne Rohtexte. Wieder andere feilen gerne an ihren Texten, bis sie druckreif sind. Für sie ist Überarbeiten keine Arbeit, sondern ein Vergnügen. Ich bin so eine Ideensprudlerin und Viele-Rohtexte-Schreiberin. Das Abtippen dieser shitty first drafts gefällt mir hingegen weniger gut. Das Abtippen ist für mich Arbeit, da hört es auf mit dem Schreibvergnügen. Ist der Text getippt, mache ich mich dann schon gerne ans Überarbeiten, wenn der Text schon gut abhängen durfte. Aber wenn das Tippen nur nicht so fad wäre. Viel lieber schreibe ich einen neuen Text…

Ach, das wäre doch schön, eine Sekretärin zu haben, die meine Rohtexte abtippt, seufzte ich schon länger. Seit gestern habe ich sie – und zwar in Form einer Spracherkennungssoftware. Hurra! Das Programm macht weniger Fehler als ich beim Abtippen meiner Rohtexte! Nun können endlich die unzähligen Texte aus meinen Notizbüchern in Word-Dateien landen. Texte diktieren ist nun eine meiner neuen Lieblingsbeschäftigungen! Endlich kann ich der Unlust, Rohtexte abzutippen, ein Schnippchen schlagen. Meine Notizen zu diktieren macht wirklich Spaß. Denn neben der Schonung meiner Tippfinger habe ich gleich den Sound meiner Texte im Ohr, was für das Überarbeiten sehr wichtig ist, höre ich doch sofort, wenn ein Satz holprig oder sperrig klingt. Ein Universum an neuen Möglichkeiten eröffnet sich, mein Schreiben erreicht jetzt eine neue Dimension. Denn: endlich ist Schluss mit dem Rohtextstau im Notizbuch!

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Schreiblust herbeizaubern

Collage Writing Johanna Vedral

Wenn ich doch nur einfach mit den Fingern schnippen müsste, um in Schreiblaune zu kommen. Wer wünscht sich das nicht, ein Zauberritual, das sofort in Schreibfluss versetzt? Uns ohne Widerstand in gute Schreibstimmung bringt und die zickige Muse becirct?

Doch, es gibt diesen Eingang in deinen Schreibraum, der zeitlich begrenzt durch rituelle Handlungen weiter gerahmt werden kann. Du kannst deine Muse konditionieren. Sie kann lernen, dass zum Beispiel Kaffeeduft gleich Schreiblust ist. Für Schiller war es der Duft eines schrumpligen Apfels. Viele schwören auf den Duft von Kaffee in ihrem Lieblingshäferl, andere tanzen 5 Minuten zu ihrem Lieblingssong.

Bei mir wirken 10 Minuten Freewriting als sanfter Einstieg ins Schreiben, ein Tagesplan mit Alternativen, aus denen ich aus einer Fülle aus kleinen (!) Aufgaben auswählen kann und eine Stoppuhr, die jede Aufgabe zeitlich begrenzt. Wenn das alles nicht hilft, spaziere ich zu meinem Zauberbrunnen und schon fließt mein Schreiben… Das ist mein Zauberritual, um die Muse herbei zu locken. Und was hilft bei dir?

Die richtige Schreib-Gruppe finden

Collage Writing johanna Vedral

Schreiben muss keine einsame Angelegenheit sein. Nebeneinander im gleichen Raum zu schreiben ist für viele ein unglaublicher Turbo fürs Schreiben. Gemeinsam an Texten zu arbeiten (kollaboratives Schreiben) ist meines Erachtens nach eine weitere Dimension im Schreibprozess und ganz sicher eine heiße Spur 🙂
Die „Community of Writers“ gibt uns Halt, Feedback, Inspiration – und hilft uns weiter, wenn der innere Zensor sein hässliches Haupt erhebt und uns eindringlichst erklären möchte, dass unser Schreiben nichts taugt.
Nach einigen weniger ermutigenden Erfahrungen in Autor/innengruppen, in denen meine Texte zerpflückt und zerrissen wurden, habe ich 2007 eine Wohlfühloase des Schreibens gefunden, das writers`studio in Wien.
Im writers`studio gibt es Schreibworkshops zu unterschiedlichen Textsorten und  Gruppen wie „Work in Progress“ für Studierende, „Memoir in Progress“ für autobiographische Texte Schreibende, „Book in Progress“ für Sachbuch-Autor/innen, „Poetry in Progress“ für Dichter/innen u.v.m.In offenen Schreibtreffs können auch Neugierige, die noch keinen Workshop besucht haben, in das gemeinsame Schreiben hineinschnuppern.

Wie kannst du die richtige Schreibgruoppe, deine Community of Writers finden?
Hierzu gibt es einen guten Test, sagt die Schreiblehrerin Pat Schneider. Stell dir die Frage:

„When I leave, do I feel more like writing, or less like writing?“

Bildquelle: Collage von Johanna Vedral