Nichts für Zahnarztphobiker: „Tausend kleine Scherben“ von James Frey

Memoir Writing writersstudio

Ich wollte es wissen: Ich habe ein millionenfach verkauftes Survivor Memoir gelesen. In seinem 2003 publizierten „Tausend kleine Scherben“ (A Million Little Pieces) beschrieb der Autor James Frey seine kriminelle Karriere, seine Drogen- und Alkoholsucht und sechs Wochen in einer Entzugsklinik und landete damit in den amerikanischen Bestsellerlisten ganz vorne. Bis heraus kam, dass Freys Geschichte kein Memoir, sondern ein autobiografisch gefärbter Roman und deshalb nicht jedes beschriebene Ereignis selbst erlebt war. Eine riesige mediale Entrüstung um Wahrheit und Fiktion brach los – und steigerte noch Freys Popularität.

Das Buch hat mich weder als Roman noch als Memoir überzeugt. Trotzdem habe ich es fertig gelesen. Ich wollte wissen, was Millionen Leser/innen fasziniert hat. Der Ich-Erzähler ist mir zu sehr American Bad Guy Hero… Die Sprache ist wuchtig. Frey kann starke Bilder erzeugen. Unvergesslich die Zahnpraxisszene: eine äußerst detailliert und minuzös geschilderte Wurzelbehandlung mehrerer Zähne ohne Spritze… Die selbstreflexiven Passagen, vor allem, woher sein Überlebens- und Kämpferwille nach der totalen Selbstvernichtung kam, sind für mich aber größtenteils nicht nachvollziehbar. Der durchgehende Stream of Consciousness war für mich streckenweise anstrengend und langatmig. Ich wünschte mir beim Lesen Breaks, Schnitte, Cuts, kürzere Kapitel. Aber ich konnte einiges über das AA-Programm lernen und seitenweise Exzerpte aus dem I Ging lesen. Und dass es hilfreich sein kann, sich mit einem Mafiaboss anzufreunden J

Bildquelle: http://zaehne-putzen.com/tag/zahnarztphobie

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