Archiv für den Monat März 2015

Du hast mein Tagebuch gelesen!

Schreiben hilft

Das Tagebuch ist für die meisten Schreibenden so etwas wie die innerste Windung des Schneckenhauses, das privateste aller privaten Refugien. Tagebucheinträge sind nicht für die Augen anderer bestimmt und sollen dazu dienen, sich frei, ohne Angst, ohne Bewertung, ausdrücken zu können. Das Tagebuch ist für viele wie eine beste Freundin, der sie alles sagen können, ohne sich vor Missbilligung fürchten zu müssen. Im Tagebuch schreiben wir nackt und roh und zeigen uns schutzlos, verletzlich und ungeniert.

Was passiert, wenn jemand heimlich in meinem Tagebuch liest?

Wie privat sind Tagebücher wirklich? Und was kann es in Beziehungen zwischen Partnern oder Eltern und Kindern bedeuten, wenn in diese Privatsphäre eingebrochen wird, diese Grenzen der Privatheit nicht respektiert werden? Wenn geschnüffelt und spioniert wird? Wenn die vermeintlich geheimen Inhalte sich entweder im Schnüffler einnisten und dort ein Eigenleben führen, weil der Schnüffler ja seine Tat geheim halten will? Oder wenn der Schnüffler nicht schweigen kann und herausposaunt, was er gelesen hat? Wenn er den Tagebuchschreiber dafür zur Rede stellt? Oder wenn er das sich heimlich über den anderen in der Tagebuchlektüre angeeignete Wissen in Beziehungskonflikte einbringt?

Mir als jahrzehntelanger Tagebuchschreiberin ist es schon mehrmals passiert, dass in die Privatsphäre meiner Tagebücher eingedrungen wurde.

Als ich 17 war, schnüffelte mein Vater in einem Tagebuch, in dem ich erst zehn Seiten beschrieben hatte, darin aber von Sex und Drogenexperimenten berichtete. Diese unbefugte Lektüre führte zu einem ernsten Gespräch mit meinem Vater – und zu besseren Verstecken für meine Tagebücher.

Später las mein erster Ehemann in meinen Tagebüchern, einerseits, um herauszufinden, ob ich nicht hinter seinem Rücken mit anderen Männern Kontakt hatte, andererseits um Material für unsere täglichen stundenlangen Streitgespräche zu haben. Das führte bei mir dazu, dass ich meine Tagebucheintragungen zensierte und viele Gedanken nicht mehr so frei fließen durften wie zuvor. Ich sparte also vor ihm und auch vor mir selbst geheime Gedanken aus.

Jahre später las meine damals 16jährige Tochter in meinen Tagebüchern, wenn ich nicht zuhause war. Das war für mich ganz besonders schlimm. Musste meine halbwüchsige Tochter sexuelle Fantasien ihrer Mutter lesen und alles über psychische Krisen?

Als ich sie deswegen zur Rede stellte, erzählte sie mir ihre Vorstellung von Tagebüchern, so Z.B. dass sie für ihre Oma extra provokante Fake-Tagebücher schrieb und sie so auslegte, dass ihre Oma sie finden musste. Sie schrieb darin Einträge wie, dass sie in den Park ging, um nach dem Kiffen mit einem Schwarzen im Gebüsch Analsex zu haben. Und ihre Oma glaubte das und rief mich empört an, ob ich wisse, dass meine Tochter auf den Strich gehe…

Wie man es dreht und wendet, das unbefugte Lesen des Tagebuchs eines anderen stellt einen massiven Vertrauensbruch dar. Geheimnisse sind die Währung einer Freundschaft. Wenn wir die Intimität einer Beziehung vertiefen wollen, werden wir private Gedanken oder Geheimnisse mitteilen. Wenn jemand diese Geheimnisse aber ausspioniert, zeigt das eine Schieflage in dieser Beziehung. Und die wird durch das heimliche Unrecht des Tagebuchschnüffelns sicher nicht gerader gerückt, sondern noch schiefer.

Johanna Vedral

Hilfe, ich habe ein Publikationsangebot!

Collage WritingMein Drehbuch für 2015 trägt den Titel „The Year of Release“, was nicht nur bedeutet, dass ich Buchprojekte abschließe, loslasse, release und veröffentliche, sondern mich auch intensiv damit auseinandersetze, was Publizieren, Release, Veröffentlichen für mich bedeutet.

Im Jänner war ich trotz intensiver Seminartätigkeit fleißig und euphorisch dran an meinem Buch „Collage Writing“. Besonders viele schöne Inputs bekam ich für dieses Buch beim Abhalten des gleichnamigen Workshops. Sobald mein Memoir-Manuskript Anfang Februar zu den Erstleserinnen kam, hatte ich noch mehr Schwung. Genug Schwung, um in die Mitarbeit an einem dritten Buchprojekt in einem großen Verlag einzusteigen.

Dann kam ein Gespräch mit der Lektorin dieses großen renommierten Verlages, in dem ich ein Angebot bekam, „Collage Writing“ 2016 in einer passenden Reihe zu publizieren. Was mich natürlich sehr sehr sehr aufregte!

Beim luziden Träumen führt die Euphorie, die der Erkenntnis folgt, dass man träumt, oft dazu, dass man aufwacht. Die Euphorie, die das Verlagsgespräch erzeugt hatte, katapultierte mich aus dem Schreibprozess für „Collage Writing“ heraus und brachte das Projekt vorerst zum Stillstand. Jetzt muss ich überlegen, was der ideale Zeitpunkt der Publikation ist, welches Format, wie viele Zeichen etc. dieses Buch bekommen soll.

2016 erschien mir zuerst auch sehr weit entfernt. Will ich meine Leser/innen so lange warten lassen? Vor dem Verlagsangebot hatte ich mir 30.3.15 als Deadline für die Fertigstellung des Rohmanuskripts gesetzt. Diese Deadline braucht nach der dreiwöchigen Schockstarre und der detaillierteren Planung anderer Schreibprojekte eine neue Deadline. Gut, dass es diese Woche noch einen seminarfreien Tag gibt, den wöchentlichen Schreibtreff, da kann ich mein „Collage Writing“-Projekt quasi „neu aufsetzen“.

Ich beginne mit einem Freewriting, einem Dialog mit meinem Buch.

Johanna Vedral

Wie finde ich Zeit fürs Schreiben meiner Masterthese?

http://writersstudio.at/collagewriting.php

Wie schaffe ich es, neben Fulltimejob, Kindern und Fortbildungen meine Abschlussarbeit/ mein Buch zu schreiben? Eine Frage, mit der viele Studierende ins Coaching kommen. Eine Frage, die auch für erfahrene Autor/innen immer wieder herausfordernd ist.

Ein größeres Textprojekt wie eine Masterthese, ein Sachbuch oder ein Roman wird dich voraussichtlich 6 bis 12 Monate oder länger beschäftigen. Wie soll sich das nur ausgehen? Der Tag hat nun mal nur eine begrenzte Anzahl an Stunden… Und du hast ja auch noch ein Leben neben dem Schreiben… Stopp! Bevor du jetzt weitergrübelst, einfach drauflosschreibst oder dir Stress erzeugende unrealistische Deadlines setzt, nimm dir eine Stunde Zeit.

Du hast keine ganze Stunde Zeit? Dann fang mal mit einer halben Stunde an. Dafür hast du auch keine Zeit? Dann probier es mal mit 15 Minuten. Du kannst die folgenden Schreibübungen auch in 15-Minuten-Sessions angehen. Oder hast du dafür auch keine Zeit?

Wenn du nicht wenigstens 15 Minuten täglich Zeit findest, dich mit deiner Masterthese zu befassen, wird es noch lange dauern, bis du dieses Projekt abhaken kannst.

Also, starte mit 15 Minuten:

Zeit fürs Schreiben finden/ Übungen für 4 x 15 Minuten

  1. Cluster: Du brauchst deinen Kalender und ein paar Bögen Papier, am besten A3. Beginne mit einem Cluster, welche Projekte du in den nächsten 12 Monaten verwirklichen möchtest. Markiere farbig, wo die größte Freude und Dringlichkeit ist. Welche Projekte sind vorrangig?
  2. Freewriting: Wenn du von all den Projekten nur drei verwirklichen könntest, welche sind das? Und warum?
  3. Freewriting: Wenn du von all den Projekten nur eines verwirklichen könntest, welches ist das? Deine Masterthese? Oder etwas anderes? Warum?
  4. Nimm deinen Kalender zur Hand. Was steht schon in deinem Kalender? Welche anderen Projekte hast du am Laufen? Wie sieht es mit deinen Kapazitäten aus? Wie viele Stunden pro Woche, wie viele Schreibeinheiten kannst du in deinem Leben fürs Schreiben freischaufeln? Was kannst du umschlichten, verschieben oder weglassen, damit ein weiteres Projekt in dein Leben hineinpasst?

Markiere einen nächsten Termin für deine Masterthese/ dein Schreibprojekt in deinem Kalender. Am besten auch gut eine Stunde, um dir Überblick über Milestones, Zwischen-Deadlines etc. zu verschaffen.

Hilfreiche Begleiter: Schreiben muss keine einsame Angelegenheit sein! Gemeinsam in einer motivierenden Gruppe funktioniert Zeitmanagement, Durchhalten und Dranbleiben besser als allein. Die nächste Gruppe für Studierende, die ihre Abschlussarbeit mit Schwung und Strategie angehen wollen, startet am Di. 21. April, 16:00 in Wien. Bis 7.April gibt’s den Frühbucherpreis!

Johanna Vedral

In den Frühling starten

One Day Yoga Writing Retreat

Beim Yoga wie beim Schreiben geht es um blockadefreies Fließen und einen mutigen, offenen Blick in den Spiegel. Yoga stärkt unser Schreiben und Schreiben vertieft unsere Erfahrungen beim Yoga. Gemeinsam wechseln wir vom Yoga zum Schreiben und zurück!

Starte in den Frühling mit einem Wohlfühltag für dich:
Noch 2 Plätze frei im One Day Yoga Writing Retreat in Klosterneuburg, Samstag 21.März 2015:

– Sanfte Yoga-Flows zur Stärkung und Tiefenentspannung, um Raum im Körper und im Geist zu erfahren.
– Schreiben, um uns selbst, unseren Wünschen und Sehnsüchten nahe zu kommen und im Flow zu erleben, wo die Freude in unserem Leben fließt.

Nähere Infos & Anmeldung:
https://schreibstudioblog.files.wordpress.com/2013/11/one-day-yoga-writing-retreat-in-klosterneuburg.pdf