Archiv für den Monat November 2014

Collage Writing: der Seele ein Gefäß geben

http://writersstudio.at/collagewriting.phpCollage ist eine ganz besondere Möglichkeit, die Sprache deines Unbewussten zu erforschen und „Seele zu erschaffen“. Diese Sprache des Unbewussten zeigt sich auch in Träumen,  im Freewriting, in Märchen, Mythen und auch in Psychosen.

Hier gelten die logischen Denkgesetze nicht, es herrscht eine wilde Ordnung ohne Rücksicht auf Raum, Zeit und Kausalität: da kann ein Vogel gleichzeitig ein Kind, ein Mann gleichzeitig eine Frau sein, wir können erst alt, dann wieder jung oder beides gleichzeitig sein, wir können von einem Ort zum anderen kommen oder gleichzeitig an zwei Orten sein, ohne uns zu bewegen…

Collagen sind selbstgestaltete Träume aus Papier – hier ist alles möglich, Gegensätzliches und Unvereinbares passt zusammen. Wir stellen festgelegte, überholte Muster, Bilder und Bedeutungen in Frage, zerschneiden sie und kombinieren sie neu. Mit Collagen können wir grundsätzliche Denkmuster durchleuchten, Lebensmuster erkennen, mit ihnen in Kontakt treten, uns mit ihnen versöhnen und neue Perspektiven gewinnen.  Denn:

„Seele ist Bild (…) Wenn wir Bilder machen, geben wir der Seele ein Gefäß.“ (C. G. Jung)

Mariabruna Sirabella zeigt in ihrem Slideshow-Tutorial, wie du persönliche SoulCollage-Karten herstellen kannst.

Ich freue mich darauf, im Seminar Collage Writing am 30./31.Jänner 2015 mit euch durch den spielerischen Wechsel von Collage und Schreiben den kreativen Prozess zu vertiefen .

Johanna Vedral

Bidquelle: Mayas Traum, by Johanna Vedral

Schreib-Yoga-Flow

„Space in the body creates space in the mind“, sagt die Schreib-Yogalehrerin Gail Sheer.

Beim Schreiben wie bei der Yogapraxis streben wir den flow an. Der flow kann vom Yoga zum Schreiben fließen, so dass der Schreibeinstieg leichter fällt.

Yoga stärkt unser Schreiben und Schreiben vertieft unsere Erfahrungen beim Yoga. Let it flow! Die Basics-Übungen aus dem TriYoga sind für AnfängerInnen wie für Fortgeschrittene geeignet! Yogamatten sind vorhanden.

Jeden letzten Donnerstag im Monat gibt`s das Schreibcafe mit Yoga – in diesem Jahr noch am 27.Nov 2014 / am 25.12. entfällt es/ im neuen Jahr rekeln wir uns wieder am 29.Jänner 2015 auf den roten Matten des writersstudio! 🙂

Ich freu mich auf dich!

Was ist Triyoga? Schau dir dazu Amalia Kernjaks  kleinen Film dazu an 🙂

Johanna Vedral

Erfolgsgeheimnis Pseudonym?

schreiben pseudonym Seit kurzem blogge ich unter einem anderen Namen, also einem Pseudonym, und genieße es, mit einer sehr lockeren Stimme zu anderen Themen und in einem anderen Genre als sonst zu publizieren. Das macht mir RIESIG Spaß, eine weitere Spielwiese für mein Schreiben entdeckt zu haben 🙂 Ich genieße diesen besonderen Schreib-Flow, den diese Spielerei auslöst. Ich fühle mich sehr frei und leicht beim Schreiben unter diesem Pseudonym und schreibe mehr als doppelt so viel wie sonst! Hurra! Dieser Wordcount beflügelt!!!

Es geht mir dabei nicht darum, unter dem Schutzmantel der Anonymität „die Sau rauszulassen“, sondern darum, mit einer privaten Stimme und doch öffentlich spielerisch leicht Meinungen aufzuschreiben, ohne an die Kohärenz meiner professionellen Identität denken zu müssen. Und darum, die Produktivität beim Schreiben damit ungeahnt steigern zu können.

Vielleicht ist das das Geheimnis von extrem produktiven Erfolgsautorinnen, dass sie auch unter Pseudonym schreiben, manche von ihnen sogar unter mehreren?

Margaret Astrid Lindholm Ogden, die epische Fantasy-Romane schreibt, die leider irgendwann nach vielen hundert Seiten aufhören, ist besser bekannt unter ihren Pseudonymen Robin Hobb und Megan Lindholm. Julia Kröhn oder Petra Schier schreiben ebenfalls beide unter mehreren Namen Unmengen von guten Büchern 🙂

Petra Schier geht das Schreiben äußerst diszipliniert an. Sie schreibt 10 Seiten pro Tag, an 5 Tagen pro Woche. Daneben betreut sie intensiv ihre LeserInnen, z.B. auf facebook und teilt in ihrem Blog Tipps für AutorInnen

Sie sagt zu ihrer Schreibdisziplin im Interview mit Aveleen Avide:

„Das ist sehr viel und meist anstrengend (…) Die zehn Seiten sind an guten Tagen innerhalb von vier Stunden fertig. An regulären Tagen benötige ich fünf bis sechs Stunden, und wenn es schlecht läuft, was ja auch schon mal vorkommt, kann es auch schon mal acht oder zehn Stunden dauern. Ich höre aber nicht eher mit Schreiben auf, bis das Pensum im Kasten ist.“

Sehr aufschlussreich für andere Schreibende ist auch das Interview, das sie Wolfgang Tischer vom literaturcafe auf der Frankfurter Buchmesse gegeben hat.

Schreibst du auch unter Pseudonym? Was schätzt du daran besonders?

Johanna Vedral

Schreibtreff der inneren Schweinehunde

www.schreibstudio.atEndlich: Schreibfreiheit pur

Mit meinen Schreibfreundinnen habe ich einen Schreibtreff-Jour fixe vereinbart. Paradiesisch! Ein Schreibraum für mich, ganze drei Stunden ohne Emails, Telefonate, Texte von anderen, die ich lektorieren muss… Einmal pro Woche treffe ich mich mit anderen Schreib-Besessenen, um nach einer kurzen Morgenrunde, in der wir einander mitteilen, an welchen Projekten wir gerade kiefeln, fiebern und staunen, tauchen wir gemeinsam für gut drei Stunden in unsere Schreibprojekte ein. Schreibfreiheit pur. Endlich kann ich meinen Lieblingsschreibprojekten die Aufmerksamkeit angedeihen lassen, die sie verdient haben. Und trotzdem habe ich jede Woche von neuem ernste Gespräche mit meinem inneren Schweinehund zu führen.

Du könntest doch mal wieder richtig blau machen…

Das beginnt schon am Tag vorher, wenn ich beim Blick auf den Kalender feststelle, dass ich für morgen vorbereiten sollte, woran ich im Schreibtreff weiterarbeite. Da möchte mir mein innerer Schweinehund eindringlich erklären, dass es doch mal wirklich wieder schön wäre, so einen Tag ganz ohne Termine, ohne Verpflichtungen zu genießen, am besten richtig blau zu machen, zuhause im Pyjama herumzu gammeln und unfrisiert beim zweiten Frühstück gemütlich auf der Couch zu schreiben… Ich müsste mich gar nicht waschen, anziehen und aufmachen, um erst nach einer halben Stunde in den Öffis ins Schreiben zu kommen. Zuhause könnte ich doch viel mehr Schreibzeit ganz relaxed erleben…

In der Früh dann, wenn der Wecker läutet, flüstert er mir nochmals zu, dass ich endlich mal mit der Wärmeflasche im Bett liegen bleiben könnte… und dass ich doch noch gar keine Idee hätte, woran ich heute weiterarbeiten könnte. Mein Schreibprojekt sei doch so abgelutscht, ich hätte ja gar nichts Neues dazu zu sagen…

Ätsch!

Da ich meinen inneren Schweinehund und seine Tricks mittlerweile ziemlich gut kenne, wir arrangieren uns ja auch schon seit vielen, vielen Jahren miteinander, mache ich mir gerne als Belohnung für den Schreibtreff gleich anschließend ein Mittagessen mit einer Freundin aus. So müsste ich zwei Termine absagen, wenn ich den Einflüsterungen des inneren Schweinhundes erliegen sollte.

F. hat mir ein SMS geschrieben, dass sie jetzt ihren inneren Schweinehund an der Hand nimmt und in den Schreibtreff mitbringt. Also schnapp ich auch mein Hundsvieh, und so sind wir mal wieder unterwegs zum Schreibtreff. Damit er mich nur ja nicht zum Umkehren verleitet, darf er auf der Straßenbahnfahrt mit meinem schönsten lila Gelschreiber diesen Blogbeitrag schreiben.

Heute sind wir zu fünft in den inspirierenden Räumen des writers`studio, in dem die inneren Schweinehunde friedlich auf den gemütlichen Fauteuils knotzen und miteinander Tee trinken, und alles was zu hören ist nach dem Startschuss zum Schreiben ist das Kratzen der Füllfedern, das Rascheln von Papier und das Klappern der Laptoptastaturen. Es duftet nach Kaffee und rauchenden Köpfen. M. schreibt an einem Kinderbuch, F. an ihrem Memoir, D. an ihrem Blog, J. an ihrem Roman und ich gönne mir eine bunte Mischung aus Szenen für mein Memoir, Listen mit Schauplätzen, Heroes und Lieblingssongs für die lebhaftere Überarbeitung, zwei Blogartikel und eine neue Szene… Erstaunlich, dabei hatte ich nur die Überarbeitung einer Szene geplant…

P.S.: Seit 1.September hatte der innere Schweinehund keine Chance bei mir. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als brav zu jedem Schreibtreff mitzudackeln. Motschkern darf er noch in der Straßenbahn, aber dann ist Schreiben angesagt!

P.P.S.: Führ deinen inneren Schweinehund doch mal wieder aus! Zum Beispiel in die Schreibfabrik mit Friendly Feedback, diesen Donnerstag, 20. Nov. 2014, 18 – 21 Uhr. Keine Anmeldung notwendig, aber vielleicht eine Motivation, den alten Suderanten zu überlisten?

Author Profile: Mag. Johanna Vedral begleitet Studierende beim Schreiben ihrer Abschlussarbeiten (Masterthese, Diplomarbeit, usw.) mit Lektorat, Developmental Editing und konstruktivem Textfeedback. Sie gibt Einzelcoachings und Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Hier geht es zum Beratungsangebot. Kontakt: johanna.vedral (at) schreibstudio.at   www.schreibstudio.at

Bildquelle: Aquarellzeichnung von Johanna Vedral

Wann ist ein Text fertig? – das verflixte Überarbeiten

Wie lange dauert das Überarbeiten?

Bei wissenschaftlichen Texten kann ich ziemlich gut abschätzen, wann sie gut genug sind zum Abgeben und wie lange die letzten Überarbeitungsschritte brauchen. Bei einem größeren literarischen Projekt, wie einem Memoir, ist das Ganze aber nicht so einfach für mich. Ich habe total unterschätzt, wie lange das  Überarbeiten eines literarischen Textes dauert. 😦 Die Rohversion steht, und ich habe vergnügt geplant, sie bis Ende Oktober fertig zu überarbeiten, so weit, dass ich mein Buch an die Testleserinnen weitergeben kann, damit ein wenig Verschnaufpause ist, bevor ich das Feedback der Testleserinnen in die Endversion einarbeite, die dann an den Verlag geschickt wird,

Wann ist ein Text fertig?

Im Endspurtfieber im Oktober musste ich erkennen, dass die Rohversion noch lange nicht so fertig ist, wie gedacht, dass einiges von dem Text nicht in dieser Reihenfolge stehen bleiben wird, dass einzelne Szenen, Absätze, Kapitel dazukommen, dass der Anfang noch mal geschrieben werden will,  dass der Spannungsbogen und die Struktur noch überarbeitet werden müssen und dass es verdammt haarig ist, einen guten Schluss zu finden…

Die Deadline Ende Oktober habe ich mittlerweile auf Ende Dezember geändert , wobei ich mir aber erlaube, parallel auch an einem „schnelleren“ Projekt zu arbeiten,  einem kürzeren E-Book (ob die anvisierte Deadline dafür realistisch gesetzt ist, wird sich noch weisen 🙂 ).

Welche Rolle spielt Textfeedback im Endspurt eines Schreibprojekts?

Konstruktives Textfeedback ist eine wichtige Station im Überarbeitungsprozess und sehr weiterführend, wenn du glaubst, dass dein Text schon fertig ist 🙂  Vor allem hilft Textfeedback, dass du nicht bereits schöne verständliche Textpassagen zu Tode überarbeitest, sondern gezielt an den Stellen feilst, die deinen LeserInnen unklar waren oder wo sie mehr wissen wollen.

Nächsten Donnerstag, 20.November 2014, gibt es von 18 – 21 Uhr wieder die Schreibfabrik mit Friendly Feedback im writers`studio, Wien. Bring entweder eine Seite Text (ein paar mal kopiert) mit fürs Feedback oder schreib in der Gruppe einen neuen Rohtext fürs Feedback! Alle Textsorten sind willkommen!

Johanna Vedral

Dein geheimer innerer Raum

Potencial Space SchreibübungWie sieht dein geheimer innerer Raum, dein Schutzraum, dein Ort der Ruhe, dein Safe Place, dein potencial space aus?

Ist es eine Höhle, in der du in Trance sitzen und Flöte spielen kannst? Ist es eine Kuppel aus Glas, mit einem filigranen Geflecht aus Rosen? Eine Kirche, in der die Altäre voll kostbarer Rubine sind und wo ein kleiner roter Vogel sich auf deine Hand setzt? Ist es der Grund eines Brunnenschachtes, der von einer dunklen Kuppel überspannt wird, mit Gitternetzlinien drauf, wie die Koordinaten auf einem Globus? Ist es eine geschützte Lichtung im Wald, ein Teich, in dem die Seerosen träumen?

Stell den Wecker auf 10 Minuten und schreib drauf los, wild und frei, und lass dich davon überraschen, welcher Raum auftaucht…

Johanna Vedral

Tauche tiefer ein: Collage Writing, Mit Schnipseln aus Zeitschriften ins Unbewusste eintauchen, Geschichten aus der Tiefe schreiben. 30. -31. Jänner 2015 in Wien

 

Tagebuch-Striptease Tagebuch-Slam

Schreiben hilftDie ORF-Sendung „Liebes Tagebuch“ mit dem Tagebuch-Slam löst in mir gemischte Gefühle aus. Für mich ist die Entblößung zur Belustigung des Publikums kein liebevoller Umgang mit dem jüngeren Ich. Die jugendliche Tagebuchschreiberin sehe ich als Erwachsene mehr als „old friend from far away“ (Natalie Goldberg) und nicht als lächerliche Figur, die unter Herzschmerz und anderen „Peinlichkeiten“ leidet und einen theatralischen Seelenstriptease vor einem Publikum hinlegt.

Mir fehlt im Gelächter des Tagebuch-Slams die für den Zuseher wichtige Zusatzinformation, dass beim Tagebuchschreiben nicht nur lachhafte Ergüsse produziert werden, sondern dass das Schreiben ein Mittel ist, das die Seele entlastet und Probleme lösen hilft. Siehe z.B. den differenzierten Artikel von Birgit Schreiber in der Psychologie Heute-Ausgabe vom Juni 2014 http://www.schreibercoaching.de/…/user_…/pdf/Schreiben_hilft

Johanna Vedral