3 Lektionen, die du beim Memoir-Schreiben lernen kannst

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Vor zwei Jahren habe ich in Ana Znidars genialem Memoir-Workshop mit dem Schreiben eines Memoirs begonnen. Nachdem ich den Rohtext gut acht Monate liegen gelassen habe, hat mich am 1.September die unbändige Lust gepackt, dieses Buch zu überarbeiten und bis zum Start des NaNoWriMo (1.November) abzuschließen. Einen besonderen KIck bekommt dieser Endspurt durch regelmäßige Schreibtreffs, wie z.B. am Schreibmontag.

Um mir den Abschied von meinem Memoir-Schreibprojekt leichter zu machen, teile ich hier im Blog einen Blick zurück: Was hat mich der Prozess des Memoir-Schreibens gelehrt? Wie kann Memoir-Schreiben das Schreiben vertiefen und weiterentwickeln?

1) Story Questions: Auch ein literarisches Projekt wie ein Roman oder ein Memoir  braucht leitende Fragen. Wissenschaftliche Texte oder Sachtexte werden durch Forschungsfragen oder durch die journalistischen W-Fragen strukturiert und bekommen so einen roten Faden.

Ein literarischer Text wird nicht einfach nur im literarischen Schaffensrausch geschrieben, sondern ebenfalls durch Fragen, durch sogenannte Story Questions strukturiert:

Worum geht es in dieser Geschichte? Was steht für die Protagonistin auf dem Spiel? Wie ist sie aus dieser schwierigen Situation herausgekommen? Was hat sie daraus gelernt? Was ist „die Moral von der Geschichte“?

Das musst du nicht schon zu Beginn des Memoir-Schreibens wissen, aber spätestens irgendwann mittendrin, wenn du nach dem Von-der-Seele-Schreiben beginnst, dein Projekt zu reflektieren und mit literarischen Mitteln zu gestalten, damit du zu deinen LeserInnen hinausreichen kannst.

2) Voice: Wer schreibt? Bei einem Memoir ist es besonders wichtig, welche Stimme die LeserInnen durch eine aufwühlende Geschichte führt.

Ein Memoir ist nicht die Geschichte deines Lebens, sondern EINE Geschichte aus deinem Leben, wie z.B. die Geschichte deines Mutterwerdens oder wie du eine Krebserkrankung überwunden hast. Es ist immer auch die Geschichte, wie du diese Erlebnisse bewältigt hast, wie du den Sinn und die Bedeutung deiner Erlebnisse erzählst.

Deshalb gibt es mindestens zwei Stimmen in deinem Memoir – die Stimme von damals, die die LeserInnen direkt hinein zieht in Szenen aus deinem Leben – und eine reflektierende Stimme von heute, die die LeserInnen durch den Text führt. Diese Stimme von heute ist besonders wichtig für die LeserInnen, um sie beim Lesen nicht zu re-traumatisieren, sondern um ihnen das zu vermitteln, was du durch deine Erfahrungen gelernt hast.

3) Lass dir Zeit! Nach einem Jahr, in dem ich immer wieder in mein Memoir eintauchte, auch in schmerzhafte Erinnerungen eintauchte, ließ ich mir zwischen den einzelnen Schreibphasen immer Zeit. Ich wollte gut auf mich aufpassen und mich nicht re-traumatisieren. Die Memoir-Schreibgruppe traf sich etwa einmal im Monat, das war ein guter Abstand für meinen Memoir-Prozess.

Nach der Fertigstellung des Rohtexts durfte das Memoir mehr als ein halbes Jahr „abhängen“, bevor ich damit begann, am Papier-Ausdruck erste Überarbeitungsnotizen hinzukritzeln und schließlich am PC einzuarbeiten. Nach dem Zeit-Lassen tut es mir jetzt sehr gut, in diesen Endspurt-Abschluss-Drive einzutauchen. Denn ich freu mich schon sehr darauf, im November, im NaNoWriMo, ein neues Schreibprojekt anzugehen.

Was hast du beim Memoir-Schreiben gelernt?

Johanna Vedral

Foto: „The Raven“ von Johanna Vedral

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