Archiv für den Monat September 2014

Schreibstrategien für die Abschlussarbeit

Du brauchst Schreib-Impulse für das Schreiben im Studium? Komm zu unseren Gratis-Vorträgen auf der Unileben-Messe in Wien:

Mi 1.Okt. 12:00 mit Irene Bregenzer „I love writing for myself. And you? Mit täglichen Schreibgeschenken den Studienalltag bereichern.“

Mi. 1.Okt. 17:00 mit Irene Bregenzer „Write yourself successfully through your studies“

Do.2.Okt. 13:00 mit Johanna Vedral „Schreibstrategien für die Abschlussarbeit“

Anmeldung & nähere Infos hier: https://unileben.univie.ac.at/fuer-besucherinnen/workshops

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Memoir Writing: Über das Erinnern

oma„Ich erinnere mich…“ ist ein wunderbarer Schreib-Impuls von Natalie Goldberg , um mit der Schreibtechnik des freewriting in freier Assoziation Erinnerungen zutage zu fördern.

Ich beginne diesen Essay über das Erinnern an meinem derzeitigen Lieblingsschreibplatz im Belvedere, am Kaskadenbrunnen. Hier lässt das beständige Strömen und Fließen des Wassers über die fünf Stufen mein Denken und Schreiben fließen. Gleichzeitig erfrischt mich ein feiner Sprühregen, wenn der Wind das Wasser verweht.

Das Belvedere ist für mich ein Ort der Erinnerung. Alte Fotos beweisen, dass ich bereits im Alter von zwei Jahren öfters im Belvedere spazieren ging. Meine Füße erinnern sich beim ersten Spaziergang als Erwachsene im Belvedere, mehr als vierzig Jahre später, an die Abwasserrinnen, deren runde Kieselsteine so angenehm durch die weichen Sohlen meiner Mokassins drücken. Vor einer Woche war ich im strömenden Regen hier, um zu erleben, wie das Wasser in diesen Abflussrinnen hinabrauscht und der Brunnen vom Regen mächtig angeschwollen ist. Heute, eine Woche später, ist ein Altweibersommertag mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein, der im Wasser glitzert. Ein paar freche Krähen tauchen ihre Köpfe blitzschnell ins Wasser, um sich eine Dusche zu verpassen.

Erinnern ist für mich ein zentrales Thema. Ich schreibe seit fünfunddreißig Jahren in Tagebücher, um gegen das Vergessen anzukämpfen. Oder auch, um mich jederzeit an einen bestimmten Tag, eine Stimmung, ein Gefühl, eine Sehnsucht, einen bestimmten Gedanken erinnern zu können. Je nach Art der jeweiligen Aufzeichnung gelingt mir das gut oder mehr schlecht als recht. Denn das Gedächtnis ist stets rekonstruktiv.

Spannend finde ich hier den Ansatz von Maurice Halbwachs, der sagt, Erinnerung sei nicht die Angelegenheit eines einsamen Einzelnen, sondern werde vielmehr durch den Austausch zwischen Menschen und somit immer in einem bestimmten sozialen Rahmen hergestellt. Das bedeutet u.a., dass die sich ständig ändernden Bezugsrahmen der Gegenwart die Erinnerungen immer wieder neu reorganisieren. Gibt es keinen Bezugsrahmen, wird vergessen.

Schreiben heißt auch, den Erinnerungen eine neue Ordnung geben, wie beim Collagieren Sinnzusammenhänge zu zertrümmern und durch dieses „Sezieren“ auch Beobachtungen und Einsichten zu ermöglichen, die in den ursprünglichen Zusammenhängen verborgen bleiben. Memoir schreiben hat mich auf die Spuren von Familienerinnerungen geführt, ich bin in ein anderes fiktionales Ich, in die Haut meiner Großmutter (übrigens mit mir auf dem Bild dieses Beitrags :-)) , meiner Mutter, meines Vaters… geschlüpft, um in einen anderen Erinnerungsraum einzutauchen. Mein Aufschreiben ist wie jedes Erinnern ein aktiver Akt der Interpretation der Vergangenheit.

Zeit für die nächste Spurensuche mit einem zehnminütigen freewriting: „Ich erinnere mich…“

Johanna Vedral

Goldberg, Natalie: Old Friend from far away. The Practice of Writing Memoir. Free Press: N.Y., 2007
Sieder, Reinhard: Einführung in die Kulturwissenschaften / Cultural Studies, B, VO. Gedächtnis – Erinnerung – Identität. Cultural Studies, Universität Wien

Wer ist es, der im Roman „Ich“ sagt? Ist die Autorin mit dem Text gleichzusetzen?

„Hast der Autor das so erlebt oder erfunden?“, wollen LeserInnen gerne wissen, wenn sie einen Text lesen. Und viele AutorInnen befürchten, mit ihren Texten, ihrem fiktionalen Ich gleichgesetzt zu werden. Beim Lesen begegnen wir dem Text wie auch dem Autor – doch ist der Autor nie mit dem Text gleichzusetzen, denn: „Das, was als privat erscheint, kann nicht privat sein, denn das Ich in der Literatur ist kein autobiographisches, sondern immer ein fiktionales, ein erfundenes Ich.“[1]

Kann erzählende Prosa überhaupt ohne Erfahrung des Autors auskommen? Gibt es Prosatexte, die nichts mit dem Autor und seinen Erfahrungen zu tun haben? Und heißt das, dass jeder Text autobiographisch gefärbt ist? Nein, denn „die autobiographisch Wirklichkeit ist stets nur das Rohmaterial für den Text.“ Es geht aber in einem Text nie um die Wirklichkeit, sondern um Erinnerungen: „Am Anfang allen Schreibens steht die Erinnerung“, postuliert Anna Mitgutsch.

Die Fiktionalisierung dieser Erinnerungen, d.h. die Umformung des Erlebten, des Erinnerten zur Geschichte ist schon ein schöpferischer Vorgang. So wie der Traumtext schon nicht mehr mit dem Traumerleben gleichzusetzen ist, denn der aufgeschriebene Traum ist schon eine fiktionalisierte Erinnerung an einen Traum. So wird Erinnern zur textkonstituierenden Tätigkeit, d.h. Erinnerungen, Gefühle und Stimmungen werden neu geordnet. Es gibt daher auch keine historische Wahrheit in der individuellen Erinnerung des Menschen, sondern stets nur eine narrative Wahrheit

Wer ist es, der im Roman Ich sagt? Das fiktionale Ich artikuliert eine existenzielle Erfahrung, doch die Intensität der Sprache und der Darstellung kommt aus dem realen Schmerz der Autorin. Dieser Schmerz erzeugt Glaubwürdigkeit, indem er authentische Stimmungen und Gefühle künstlerisch neu arrangiert, in einen neuen Kontext stellt. Dieser Kontext, der die subjektiven Erinnerungen des Autors exemplarisch, allgemein gültig und nachvollziehbar macht, kreiert aus den Erinnerungen „etwas, das sich der Leser als (…) eigene Wahrheit aneignen kann.“

[1] Mitgutsch, Anna (1999). Erinnern und Erfinden. Grazer Poetikvorlesungen. Graz: Droschl Verlag

When you own your own rights…

…you can do anything you like, schreibt die erfolgreiche britische Self Publisherin Joanna Penn.

Sie muss es ja wissen: Die 39jährige Psychologin & Religionswissenschafterin ist seit 3 Jahren full-time-author-entrepreneur und mittlerweile New York Times und USA Today bestselling author (insgesamt 7 psychologische Thriller und 4 Sachbücher, alle als leistbare Ebooks erhältlich). Ihren ersten traditionellen Verlags-Deal hat sie übrigens seit 2014 in Deutschland bei Ullstein mit ihrem Psychothriller „Desecration„. Ihr Blog, seit 3 Jahren eine reiche Fundgrube für AutorInnen und Self Publisher, hat mich vor einem Jahr dazu inspiriert, diesen Blog zu beginnen. Joannas Website steht unter dem Motto „I share my own lessons from the writing journey“ und findet sich unter den Top 10 Blogs for Writers wie auch den Top 10 Blogs for Self-Publishers 2012.

Ihre Blog-Artikel, Audio Podcasts und Videos ergeben ein leidenschaftliches und überzeugendes Plädoyer für Self Publishing: In ihrem aktuellen Blogbeitrag „The Self Publishing Revolution Is Only Just Beginning“ ermutigt sie AutorInnen, den Freiraum als Self Publisher kreativ zu nützen und sich zu erlauben, neue Kooperationsformen auszuprobieren: „Writers are artists and creatives and entrepreneurs. (…) Entrepreneurs don’t wait for permission, they try new things, they fail, they pivot, they keep going in the face of criticism.“

Es tut gut, von einer derart vielseitigen und unglaublich produktiven Autorin-Entrepreneurin wie Joanna zu hören: „You don’t have to follow the rules anymore. In fact, there are no rules! (…) When you own your own rights, you can do anything you like.“

Es eröffnet viele kreative Möglichkeiten, die Rechte an einem Buch als Self Publisher zu behalten, sie also nicht einem traditionellen Verlag zu verkaufen. Einige davon probiert Joanna selbst aus und schreibt darüber in ihrem Blog. Sie geht z.B. Win-Win-Kooperationen mit ÜbersetzerInnen ein, um ihre Bücher auch außerhalb des englischen Sprachraumes zu verkaufen, versucht sich in Co-Writing-Projekten u.v.m.

Ihre Botschaft ist klar & lädt ein, als Self Publisher das Multiversum der freien Kreativität zu betreten:

„Stop waiting, stop asking, stop begging to be picked. Embrace the opportunities in front of you. Create!“

Johanna Vedral

Memoir: unsere eigene Geschichte gestalten

Beim Memoirschreiben „übernehmen wir die Macht, um von heute an und in Zukunft unsere eigene Geschichte zu gestalten“, sagt Birgit Schreiber, mit der ich gemeinsam in der Memoir-Schreibgruppe des writersstudio mit dem faszinierenden Prozess des Memoir-Schreibens begonnen habe. Lies hier weiter „Wie wir zu HeldInnen wurden“…

bremerschreibstudio

Wunder!
Herz schlägt
Nase atmet
Bauch fühlt
Kopf denkt
Hand schreibt
Wunder.
(Regine Mai)

Diese Zeilen von Regine Mai beschreiben, wie sich viele der Teilnehmer*innen im Workshop „Neue Autobiografie“ Anfang September auf Wangerooge gefühlt haben: Sie waren zutiefst erstaunt über die eigenen Fähigkeiten und die Freude daran, ihr Leben in Worte zu fassen.

Noch immer bekomme ich SMS oder Emails, die in etwa so lauten: „Ich schreibe und schreibe und schreibe. Danke.“ Oder: „Ich wusste nicht, dass all diese Worte, all diese Erfahrungen in mir stecken.“ Oder: „Danke für die Inspiration.“

Ich danke hiermit zurück, nichts freut mich mehr, als Schreiblust zu wecken und Menschen anzuregen, sich ihrer eigenen Lebens-Heldentaten bewusst zu werden und stolz darauf zu sein.

Stolz, in dem Sinne, dass wir anerkennen, wie viele Lebens-Herausforderungen wir schon gemeistert haben, weil wir mussten: etwa Verluste, Scheitern, unerfüllte Liebe, Krankheit, Überforderung, Formen von Gewalt, schlimme Chefs, Arbeitslosigkeit.
Und wir…

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Gratis-Schreib-Workshops im writers`studio

open house

Hast du Lust, in unsere Schreibkurse hinein zu schnuppern? Du weißt noch nicht so recht, welches der ideale Schreibworkshop für dich ist? Komm vorbei und tauch ein in die pure Schreib-Lust – für einzelne Mini-Workshops (Beginn jeweils zur vollen Stunde) oder von früh bis spät 🙂 Ich bin Freitag und Samstag die meiste Zeit vor Ort, und wenn ich nicht grad selbst Workshops leite, beantworte ich dir gerne deine Fragen rund ums Schreiben…

Am Freitag, 19. Sept. dreht sich alles ums „Texten im Beruf“, am Samstag, 20. Sept. gehts um „Passion Writing“.

Ich werde am Freitag um 14:00 den Mini-Workshop „Berufliches und wissenschaftliches Schreiben lehren“ leiten. Am Samstag animiere ich um 9:00 zu „Collage Writing: Morgenseiten schreiben mit Bildern“ und um 15:00 gibts „Young Freewriters: Kreatives Schreiben für Jugendliche, Eltern und Junggebliebene„, worauf ich mich ganz besonders freue 🙂

Das ganze Programm findest du hier

Ich freu mich aufs gemeinsame Schreiben & aufs festliche Get together

Johanna Vedral.

Textfeedback: Fördern und Ermutigen statt verletzender Negativkritik

Du schreibst Short Stories und möchtest wissen, ob LeserInnen deine Geschichten so spannend finden, dass sie weiterlesen möchten? Du schreibst einen Fachartikel und möchtest wissen, was  du noch überarbeiten musst, damit du deine LeserInnen erreichst? Was noch fehlt in deinem Text und worüber die LeserInnen mehr erfahren möchten? Was wirklich schon gut gelungen ist und deine LeserInnen bewegt? Du möchtest dir Textfeedback holen, um deine Texte optimal überarbeiten zu können? Du möchtest aussagekräftigeres Textfeedback als „eh gut“ oder „Da sind einige Tippfehler drin“?
In der Schreibfabrik mit friendly feedback schreiben wir,
nebeneinander, jede/r für sich, ausgehend von einem angeleiteten Schreibimpuls oder an anderen Texten. Dann lesen wir einander unsere „shitty first drafts“ in Kleingruppen vor und bekommen „Responses“, eine fördernde und ermutigende Feedbackmethode für Schreibende nach Peter Elbow. Bei dieser Art von Textfeedback erfahren wir emotionale Reaktionen der LeserInnen auf Textentwürfe:
Welche Passagen bewegen unsere LeserInnen? Was bringt sie zum Lachen, was macht sie betroffen, was finden sie superspannend & warum? Was fehlt ihnen noch, damit sie sich ganz in den Text fallen lassen können? Was würden sie weglassen? Warum?
Stärkende & achtsame Rückmeldungen – friendly feedback! – motivieren zum Weiterschreiben, machen Spaß und steigern wie nichts sonst die Textqualität und Schreibkompetenz!

Ich freue mich darauf, gemeinsam zu schreiben und spannende neue Texte zu hören 🙂

Johanna Vedral

Schreibfabrik mit Friendly Feedback: Enormer Output & stärkende Rückmeldungen.  Offene Gruppe im writers’studio

Jeden 3.Donnerstag im Monat, 18-21 Uhr. Nächste Termine: 18.Sept., 16.Okt., 20.Nov., 18.Dez.2014 usw. Keine Anmeldung nötig. Einfach kommen! Eintritt: Pro Termin Euro 25,- bar.