Archiv für den Monat Juni 2014

Lucid Writing: Schreiben aus dem Traum-Bewusstsein

IMG_0002 IMGViele SchriftstellerInnen haben eine ganz besondere Beziehung zum Träumen. Wie Schreibende ihre Träume in Kunst verwandeln, wollte die Autorin und Traumforscherin Naomi Epel genauer wissen und hat dazu u.a. Anne Rice, Amy Tan, Stephen King  u.a.m. für ihr Buch „Writers Dreaming“ befragt.

Die Psychologin und Autorin Clare Johnson erforscht, wie luzides Träumen zur Quelle der Inspiration für kreatives Schreiben werden kann. Luzidität im Traum bedeutet, dass die Träumerin im Traum bewusst wird, d.h. sie erkennt, dass sie träumt und kann so auf kreative Art mit dem eigenen Unbewussten in Beziehung treten. Wie man luzides Träumen lernen kann, zeigen DreamLabsIO in ihrem Kurzfilm „Wake back to bed“. Was im luziden Traum möglich ist, illustriert der Kurzfilm „In your dreamsvon Thomas Peisel.

Clare Johnson verbindet Yoga-Atem-Übungen und freewriting (flow writing, right-brain writing, speed-writing), um in Writer`s Trance zu kommen. Dieser Schreib-Bewusstseinszustand ist dem Bewusstsein beim luziden Träumen sehr ähnlich und wird von Clare „Lucid Writing“ genannt: „It’s a state close to dreaming. Writers freefall inside themselves and dream their story, their characters, their fictional world, into being. „ Mehr über Clare Johnsons Zugang zu Lucid Dreaming & Lucid Writing ist im Interview „How to get lucid and be more creative“ mit Julia McCutchen, International Association of Creative & Conscious Writers zu hören.

Für mich sind Collagen ein direkter Weg in die Writer`s Trance. Collagen sind Träume auf Papier. Beim Spielen mit bunten Bildern aus Illustrierten lassen wir uns von Bildern aussuchen und setzen sie dann wie in Trance in neue Sinnzusammenhänge. Die Energie unserer Traumbilder beginnt zu fließen, wir spielen weiter damit, wenn wir von diesen Bildern aus zu schreiben beginnen.

Der nächste Collage Writing Workshop mit Johanna Vedral findet im writersstudio in Wien statt, 30.Jan – 1.Feb. 2015. Detailinformationen coming soon.

Morgen, morgen, nur nicht heute… Welcher Prokrastinations-Typ bist du?

Prokrastination – was ist das? Die Prokrastination wird umgangssprachlich Aufschieberitis genannt: sprichwörtlich „schieben wir etwas auf die lange Bank“. Das heißt, es handelt sich um einen bewussten aktiven Akt des Verschiebens. Besonders häufig wird Prokrastination im Zusammenhang mit Schreibaufgaben thematisiert. Viele Studierende, die Unterstützung beim Schreiben ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeiten suchen, nennen Prokrastination als ihr Hauptproblem. Prokrastination kann zu langwierigen Schreibstörungen führen. (Tipps & Strategien für den Umgang mit Schreibblockaden findest du hier: Blogparade gegen Schreibblockade)

Bernd Klein sammelt in seinem Artikel mit einem humorvollen Augenzwinkern Definitionen der Prokrastination, eine Formel zur Berechnung des Prokrastinationsmaßes, Persönlichkeitsbilder von Prokrastinatoren, Ursachen, Folgen und  Behandlungsmöglichkeiten. Darüber hinaus betreibt er ein Forum zur Diskussion von Problemen im Zusammenhang mit Prokrastination und Aufschiebeverhalten.

Welcher Typ von Prokrastinator bist du? Im „Field Guide to Procrastinors“ der Grafikerin Nathalie (20px.com) findest du eine humorvolle Typisierung. Nathalie sagt zum Prozess der Entstehung dieser amüsanten Grafik: „Procrastination is the prelude to productivity! There are many types of procrastinators that are out there and here are just some. I know for sure I am all of these. Actually, I’ve been meaning to draw this for months now. When I finally decided to draw it, I found it funny that I was procrastinating on drawing about procrastination.“

Ich erkenne mich wieder im „Cleaner“, im „Internet Researcher“ und im „List Maker“. Und du? 🙂

Interessanterweise helfen mir dann aber wieder auch Überblicks-Listen mit Teilaufgaben meiner parallel laufenden Projekte, wieder in Schwung zu kommen. Statt mich für eines meiner fünf Schreibprojekte entscheiden zu müssen, kann ich z.B. aus der Liste je eine 15-minütige Aufgabe für Projekt 1 und Projekt 2 und eine 1stündige Aufgabe für Projekt 4 abarbeiten. 🙂

Und wie überlistest du deinen „Prokrastinator-Schweinehund“?

Johanna Vedral

Wann ist ein Text gut genug, um ihn jemandem zu zeigen?

Wann ist ein Text fertig? Wann ist ein Text gut genug, um ihn jemandem zu zeigen? Wann ist es Zeit, unseren Text aus dem warmen Nest zu stoßen, damit er fliegen lernt?

JETZT oder NIE! Egal wie un-fertig deine Texte sind. Komm in die Schreibfabrik mit friendly feedback! In der Schreibfabrik schreiben wir, nebeneinander, jede/r für sich – Short Stories, Fach-Artikel, Teile von Masterthesen, Berichte, Gedichte… In diesem inspirierenden Rahmen geht das leichter – denn: Schreiben muss keine einsame Sache sein! Dann lesen wir einander vor und bekommen Feedback auf unsere Textentwürfe. Wir erfahren, welche Passagen unsere Leser/innen bewegen, aber auch, was sie noch brauchen, um sich ganz in den Text fallen lassen zu können.

Bei diesem konstruktiven Text-Feedback geht es nicht darum, Texte zu bewerten oder zu beurteilen. Vielmehr sollen Rohtexte gestärkt werden, damit durch gezielte Überarbeitung daraus wirklich gute Texte werden können. Denn: Jeder gute Text beginnt mit einem shitty first draft 🙂  Solche stärkenden & achtsamen Rückmeldungen motivieren das Weiterschreiben enorm!

Morgen ist es wieder soweit: Starte gemeinsam mit anderen Schreibenden ins lange Schreib-Wochenende! Nutze die Möglichkeit, das Schreiben in der Gruppe auszuprobieren (oder es dir wieder einmal zu gönnen) und dir konstruktives Textfeedback zu holen:

Ort:writers`studio, Pramergasse 21, 1090 Wien
Zeit: Do.19.Juni 2014, 18 -21 Uhr
Kosten: 25.-

Einfach kommen & mit-schreiben, keine Anmeldung notwendig http://writersstudio.at/schreibfabrik.php
Ich freu mich aufs Schreiben & eure vielfältigen Texte.
Johanna

Text: Judith Wolfsberger & Johanna Vedral

Schreiben muss keine einsame Angelegenheit sein

Maria Jähne von der Online-Plattform von Lecturio – Erfolgreich online Lernen hat mich zu meinem Werdegang als Schreibtrainerin interviewt und wollte u.a. wissen, was das Wichtigste beim wissenschaftlichen Schreiben ist:

Wissenschaftliches Schreiben ist ein Handwerk. Das bedeutet u.a., Wissen über den Schreibprozess und Schreibtechniken zu erwerben, das eigene Schreiben zu reflektieren, Schreiben auch zum Denken und Planen einzusetzen und Textsortenwissen, Fachwissen und Fachsprache zu lernen. Das Wichtigste beim wissenschaftlichen Schreiben ist, sowohl planendes, strukturierendes Schreibdenken und schnelles Rohtextschreiben regelmäßig zu üben. Regelmäßiges, am besten tägliches Schreiben und konstruktives Feedback fürs effizientere Überarbeiten führen erfahrungsgemäß am schnellsten zur fertigen Abschlussarbeit. Auch wissenschaftliches Schreiben kann richtig Spaß machen, besonders wenn man in der Schreibgruppe feststellt, dass Schreiben keine einsame Angelegenheit sein muss…“ Lies das ganze Interview im Lecturio-Blog

Nutze die Möglichkeit, das Schreiben in der Gruppe auszuprobieren und dir konstruktives Textfeedback zu holen:

Do.19.Juni 18 -21 Uhr in der Schreibfabrik mit Feedback im writers`studio in Wien

Johanna Vedral

Beuteschema: Partnersuchbilder mit Collage Writing erforschen

du und ichJeder von uns hat ein Bild im Kopf, wie der Traumpartner aussieht, der uns ganz macht, der uns fehlt zu unserem Glück. Wir wissen, welche Augenfarbe und Statur er hat, was er am liebsten macht, welchen Beruf er hat, welche Kleidung er trägt, welche Musik er hört… Aber was passiert dann, wenn ich den blonden, blauäugigen 180cm großen muskulösen Akademiker mit dem Faible für italienische Opern und Sushi gefunden habe? Warum klappt es auch nach dem fünften blonden, blauäugigen Akademiker nicht? Könnte es sein, dass dieses Partnersuchbild eine Vor-Stellung ist, wie ein Bild, das ich vor den realen, zweifelsohne attraktiven Mann hänge, so dass ich ihn als den Menschen, der er wirklich ist, gar nicht wahrnehmen kann?

Was ist ein Partnersuchbild? Der innere Mann, die innere Frau, der innere Geliebte, die bessere Hälfte, die Dualseele, die Archetypen Anima und Animus, der Seelenpartner, das Yin, das das Yang erst ganz macht? Bin ich ein Mann, suche ich meine andere Seite bei einer Frau, bin ich Frau, suche ich meine andere Seite in einem Mann.

Wie sieht sie aus, diese ureigene innere Person, die in allen unseren Beziehungen mit dabei ist? Was hat sie dir zu sagen? Was ist deine Vorstellung von Liebe/ von Partnerschaft/von deinem Traum-Mann/deiner Traum-Frau? Welche Bilder von Liebe und Partnerschaft möchtest du in die Realität bringen?

Warum ist es so wichtig, sich mit dieser inneren Person auseinander zu setzen? Die Tiefenpsychologen sagen, nur durch die bewusste Auseinandersetzung mit unseren inneren unbewussten Personen, erst wenn wir sie als zu uns gehörig erleben, können wir ganz & heil werden. Innere Personen oder Archetypen, wie C.G.Jung sie nennt, können das innere Kind, der Schatten oder auch die Anima, der Animus, unser gegengeschlechtlicher Seelenanteil sein. Das Bewusstmachen unserer Partnersuchbilder ermöglicht uns, in eine tiefere Beziehung zu anderen zu treten. Denn je besser wir uns selbst kennen, desto klarer können wir den anderen sehen. Statt dem anderen unsere Partnersuchbilder umzuhängen, können wir ihn dann wirklich sehen, auch wenn der erste Zauber der Verliebtheit verflogen ist. Denn: wenn ich mich auch nach der ersten Verliebtheit in der Andersartigkeit des anderen spiegeln kann, sind innerer und äußerer Partner im Gleichgewicht, im Einklang.

Collage und Schreiben können als Mittel eingesetzt werden, um die männlichen und weiblichen Energien in uns näher zu erforschen. Seit vielen Jahren arbeite ich an der Verbindung von Träumen, Collage und Schreiben in Traum- und Schreibgruppen. Collage ist ein wunderbares Medium, um mit Bildern zu arbeiten, sie aus alten Zusammenhängen heraus zu lösen und zu etwas Neuem zusammenzusetzen. So wie das unser Geist im Traum macht. Collage ist wie Träumen auf Papier und führt in das Erleben eines traumähnlichen Bewusstseinszustandes. Collage Writing, d.h. durch Collage inspiriertes Schreiben, ermöglicht auf besondere Weise, in den persönlichen pool of wonder,  Traumbilder, in den tiefen Brunnen, in die Schatzhöhlen des Unbewussten einzutauchen.

Die nächste Gelegenheit dazu gibt es im writers`studio in Wien anlässlich der Schreibnacht „Beuteschema: Partnersuchbilder mit Collage Writing erforschen“ am Freitag, 6.Juni 2014, 20 – 23 Uhr. Einfach kommen & mitschreiben, es ist keine Anmeldung notwendig 🙂

Johanna Vedral