Archiv für den Monat Mai 2014

Die Macht der Worte

BildVor neun Wochen habe ich mich vom Rauchen verabschiedet, einer Gewohnheit, die ich mit kurzen Intermezzi über dreißig Jahre gepflegt habe. Warum es diesmal endlich geklappt hat?

Der Schlüssel dazu war für mich ein Satz, den mir eine hochgeschätzte Wissenschaftlerin bei einem Textcoaching geschenkt hat. Sie selbst musste wegen einer Krebserkrankung ihre Ernährungsgewohnheiten radikal umstellen und im Zuge dessen auf vieles verzichten, wie z.B. Zucker und Kohlehydrate. Dabei half ihr Umdenken und über bisherige Denkrahmen hinaus zu gehen. „I have grown out of it!“ oder, frei übersetzt, „Das habe ich hinter mir gelassen, darüber bin ich hinaus gewachsen!“, lautete dieser mächtige Satz. So wurde aus dem vermeintlichen schweren Verzicht auf die Glimmstengel ein längst fälliger Wachstumsschritt.

Weiters begann ich an dem Tag, an dem ich meine letzte Zigarette rauchte, mir eine neue Gewohnheit ohne gesundheitsschädigende Nebenwirkungen zuzulegen. Ich kenne ja mein Bedürfnis nach Ritualen und weiß um die stabilisierende Wirkung von Wiederholungen für mein seelisches Gleichgewicht. Diese neue Gewohnheit besteht darin, Mantras zu hören, mitzuchanten oder sie im Geiste oder laut zu rezitieren. Mantra bedeutet im Sanskrit „heiliger Vers“ und ist eine wichtige spirituelle Praxis im Hinduismus und Buddhismus. Mantras sollen dabei helfen, dass der Geist sich an die positiven Inhalte der Worte des Mantras bindet und sich damit nicht mit negativen Gedanken beschäftigen kann.

Begonnen habe ich mit dem Gayatri-Mantra, das als eines der mächtigsten Mantras gilt. Seitdem beobachte ich, wie diese neue Gewohnheit in meinem Leben Raum greift. Es ist mir schon mehrere Male passiert, dass ich beim Aufwachen in der Früh als erstes das Gayatri-Mantra im Kopf hatte, so als hätte ich es sogar im Traum rezitiert. 🙂 Was für eine wunderbare Weise, in einen neuen Tag zu starten! Ich darf erleben, wie mein Geist sich beruhigt und Ängste und Sorgen hinweggespült werden von der Macht der Worte. Die Zigaretten konnten diese Wirkung nie erzeugen. Ein Mantra hingegen ist wie ein Vehikel, das mich auf eine andere Bewusstseinsebene trägt. Ich freue mich, auf meinem weiteren Weg gut beschützt zu sein.

Schöne Mantra-Sammlungen findest du als Audio-CDs oder auch auf youtube, z.B. von Nina Hagen („Om Namah Shivay!“), Ravi Shankar („Chants of India“), Henry Marshall oder Yogananda („Chants and Prayers“).

Worte sprudeln am Kaskadenbrunnen

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„Du hast schon länger keinen Blogbeitrag geschrieben“, erinnert mich eine Freundin. Bevor mein Blog jetzt eine vorwurfsvolle Stimme erhebt und mich triezt mit „Du solltest endlich mal wieder einen Blogartikel schreiben!“, schreibe ich lieber einen kurzen Lagebericht aus meiner Welt des Schreibens. Seit ich den Kaskadenbrunnen im Belvedere entdeckt habe, ist das einer meiner Lieblingsschreibplätze. Das beständige Strömen und Rauschen der Wasserspiele lässt auch mein Schreiben munter sprudeln.

Nach einer Phase mit v.a. privatem Schreiben und Schreibdenken in Tagebuch und Journal schreibe ich dzt. an einem Text, von dem ich noch nicht weiß, ob es ein längerer Essay über „Erinnern und Schreiben“ oder ein Kapitel meines zu ca. 80% fertigen Memoir-Projekts wird. Aus jedem kleinen Gedanken, zu dem ich schnell mal einen Blogartikel verfassen will, wird z.Z. eine längere Passage für das Memoir oder den ebenfalls zu ca. 80% fertigen Roman. Beim Hin- und Herjonglieren zwischen diesen zwei Schreibprojekten (zwischen einer Flut von zu lektorierenden Texten) geht es mehr darum, viele Fäden zusammenzuführen und ums Überarbeiten, weniger um das Experimentieren mit dem Modus, aus dem heraus bei mir schnelle Blogtexte fließen.

Dieser Blogtext ist nach zwei Stunden Exzerpieren, Clustern und freewritings rund um das Thema „Erinnern und Schreiben“ am rauschenden, strömenden, munter sprudelndem Wasser entstanden. Als der Wind mein Schreibbuch mit einem feinen Wassersprühregen befeuchtet, wechsle ich von der Füllfeder zum rosa Kugelschreiber. Meine Wasserflasche ist leer getrunken, also schwinge ich mich wieder aufs Fahrrad und fahre heim, um meine Rohtexte abzutippen. Den Schreibfluss vom Brunnen nehm ich mit!

Autorin: Johanna Vedral

Bildquelle: http://commons.wikimedia.org