Archiv für den Monat November 2013

Binge Writing: Wenn der Hut brennt…

Viele Studierende kennen das Binge Writing, d.h. sie schieben gerne ein Schreibprojekt vor sich her, bis der Hut brennt, und dann wird die Seminararbeit in einer schlaflosen Nacht geschrieben. Berufstätige Studierende reservieren sich nach einer 40Stunden-Woche das Wochenende für Marathon-Schreibsessions und erleben es oft als sehr frustrierend, sich immer wieder von Neuem ins Thema einarbeiten zu müssen, weil sie unter der Woche den Faden verloren haben. Um sich von diesem Schreib-Gewaltakt zu erholen, braucht es dann eine Zeitlang. Eine Seminararbeit kann in einer Nachtschicht Binge Writing produziert werden. Aber: dem in einer Nacht geschriebenen Text merkt man meist auch an, dass noch ein oder zwei Überarbeitungsgänge nicht geschadet hätten.

Bei einer Masterthese sieht das schon anders aus, da macht es Sinn, mit langfristigeren Schreibstrategien zu arbeiten. Im Idealfall wären das 5 Mal pro Woche längere Schreibeinheiten (mind. 1 Stunde lang). Oder bei Vollzeit-Berufstätigen täglich wenigstens 15 Minuten und am Wochenende zwei längere Sessions., wie Joan Bolker empfiehlt.

Was ist produktiver – Binge Writing oder regelmäßiges Schreiben? Robert Boice untersuchte die Schreibgewohneiten von AutorInnen und WissenschaftlerInnen und verglich die Effizienz des rauschartigen Binge Writing mit der emotional gemäßigteren täglichen Schreibdisziplin. Binge writers schrieben weniger, hatten weniger kreative Ideen, hatten höhere Werte im Beck Depression Inventory und ihre Texte brauchten mehr Überarbeitung als die der regelmäßig schreibenden KollegInnen.

Bist du ein Binge Writer oder schreibst du täglich?

Autorin: Johanna Vedral
Schwung & Strategien für deine wissenschaftliche Abschlussarbeit: die nächste Gruppe startet am Di. 3. Dez. 2013
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Writing Heroes: Cristian Mihai

“What is the issue that is eating you up? What is the personal fear that you can’t resolve and you can’t tolerate? (…) What could you never talk about in a million years? Then, write about that!” (Chuck Palahniuk)

Schreib, worüber du niemals sprechen könntest! Diese Aufforderung stellt der 23 Jahre junge rumänische Schriftsteller Cristian Mihai an den Anfang seines aktuellen Blogbeitrags “What we write about tells us who we are…” Er schreibt: “I’m shy, and that’s why I’m a writer in the first place”. Schreiben sei eine befreiende Erfahrung: “It’s like shouting in a crowded place. It’s a way of attracting attention.”

Das ist ihm gelungen. Sein Blog for Writers hat bereits mehr als 57.000 Follower, die von seinem interessanten und mitreißenden Schreibstil begeistert sind. Cristian schreibt auf Englisch und erreicht so viele LeserInnen – Short Stories, Essays, Romane und seinen Blog. Wer in seine Romane hineinschnuppern will, findet hier Exzerpte.

Schreiben ist immer auch schmerzhaft, betont der sympathische junge Autor. “Writing isn’t easy because you have to relive the most painful moments of your life, over and over again, and then you have to write them down, hoping that they’ll matter to someone else other than yourself.”

Ich schließe mit seiner wunderschönen Selbstdarstellung als Autor:

“Sometimes he writes. Sometimes he gets lucky and writes something good.”

Thank you, Cristian. All the best for your writing journey 🙂

Autorin: Johanna Vedral

Schreiben als optimale Lernmethode?

Schreiben bzw. Schreibdenken ist ein optimales Instrument für selbstgesteuertes Lernen und an den amerikanischen Universitäten längst als schreibdidaktisches Konzept „writing to learn“ bekannt. Der Lernende setzt sich beim selbstgesteuerten Lernen aktiv und selbsttätig mit den Lehrinhalten auseinander. Dabei kann er Schreiben als Werkzeug einsetzen, um sich bislang nicht Verstandenes oder nicht Gewusstes anzueignen.

„Weil selbstständiges Schreiben über wissenschaftliche Sachverhalte die beste Lernmethode ist“, vermittelt Judith Wolfsberger in ihrer Fortbildung für UnilektorInnen die amerikanische Schreibdidaktik.

Wie kann schreibendes Lernen konkret aussehen?

Schreiben war schon während meiner Studienzeiten meine bevorzugte Lernmethode bei größeren Stoffmengen:

  1. Rezeptive Phase des Lernprozesses: neue Informationen werden aufgenommen: D.h. zuerst fertige ich ein auf die Essenz verdichtetes Skriptum an. Mit Clustering schaffe ich mir grafisch Überblick und eine Gliederung, indem ich Fragen an den Stoff stelle/ mögliche Prüfungsfragen. Beim Verdichten kaue ich den Stoff schon das erste Mal intensiv durch. Z.B. entsteht so aus 3000 Seiten Stoff ein Skriptum mit ca. 200 Seiten.
  2. Expressive Phase des Lernprozesses: neue Informationen werden in Aktivität umgesetzt. D.h. das Aufgenommene wird erinnert, wiedergegeben, in eigene Denkprozesse integriert und schreibend ausformuliert. (vgl. Scheuermann 2012:14) Das Skriptum wird schreibend memoriert, indem ich Frage um Frage schriftlich beantworte. oder einzelne Kapitel/ Themen mit Stichworten memoriere.

Eine weitere Methode, schreibend zu lernen, ist der Lernbrief: Ich schreibe einem Freund, worum es bei diesem Prüfungsthema geht. Wenn ich den Stoff erkläre, kann ich ihn mir besonders gut einprägen. Diese Lernbriefe können auch als Schreibgespräche, z.B. per Email, mit einer Kollegin im Zweierteam geführt werden.

Ist Schreiben für dich die optimale Lernmethode? Probier`s aus!

Scheuermann, Ulrike (2012): Schreibdenken: Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln. Opladen: Barbara Budrich / UTB.

Author Profile: Mag. Johanna Vedral begleitet Studierende beim Schreiben ihrer Abschlussarbeiten (Masterthese, Diplomarbeit, usw.) mit Lektorat, Developmental Editing und konstruktivem Textfeedback. Sie gibt Einzelcoachings und Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Hier geht es zum Beratungsangebot.
Kontakt: johanna.vedral (at) schreibstudio.at   www.schreibstudio.at

Die wissenschaftliche Abschlussarbeit: ein spannender Entwicklungs- und Lernprozess

Studierende müssen beim Schreiben ihrer Abschlussarbeit viele Herausforderungen meistern. Wie sie zu diesem Textprodukt kommen, wie der Schreibprozess funktioniert, ist an den Universitäten im deutschsprachigen Raum bis jetzt ein Randthema. Daher verwundert es nicht, dass vielen Studierenden das Produzieren von Texten schwer fällt.

Welche Leistungen müssen Studierende beim Schreiben ihrer Abschlussarbeiten erbringen?

  • Sie müssen einen adressatenorientierten Text mit vielen Normvorgaben (Aufbau, Layout, Zitationsweise…) verfassen und dies als Prozess mit vielen Teilschritten verstehen lernen, den sie möglichst effektiv und kreativ gestalten sollen.
  • Dazu wird ihnen ein hohes Maß an Selbststeuerung abverlangt.
  • Für einen gelingenden Schreibprozess müssen sich die Schreibenden ihrer Einstellung zum Schreiben bewusst werden. Es geht hier sozusagen um die Psychohygiene beim Schreiben, d.h. eine liebevolle Beziehung zu sich selbst zu entwickeln, statt sich durch ein Schreibprojekt „durchzupeitschen“. Und es geht darum, die Zeit der Abschlussarbeit als spannenden Entwicklungs- und Lernprozess sehen zu lernen, der die persönliche Entwicklung vorantreibt und zu mehr Selbsterkenntnis führt. Dabei wird auch viel für zukünftige (Schreib-)Projekte gelernt. Ein großes Abenteuer, in dessen Verlauf die Schreibenden mehr Mut, Selbstbewusstsein und Handlungsmacht entwickeln.
  • Die Studierenden müssen lernen, ihr Schreibverhalten zu reflektieren und gegebenenfalls modifizieren, die eigene Motivation klären und aufrechterhalten und mittels selbstständigem Zeit-, Ressourcen- und Projektmanagement das Projekt Abschlussarbeit steuern. Das funktioniert besonders gut in der Gruppe.

Dafür braucht es Mut: Es geht um den Mut, mit unterschiedlichen Schreibmethoden herumzuexperimentieren, um herauszufinden, was für einen ganz persönlich passt. Auch um den Mut, sich rechtzeitig Unterstützung zu holen, wenn das Schreiben nicht gut vorankommt oder stockt.

GIRGENSOHN, K. & SENNEWALD, N. 2012. Schreiben lehren, Schreiben lernen. Eine Einführung. WBG

VEDRAL, J. 2012. Forschung und Didaktik wissenschaftlichen Schreibens: Welche Leistungen müssen Studierende beim Schreiben ihrer Abschlussarbeiten aus psychologischer Perspektive erbringen? Psychologie in Österreich 2012 (5): 484-493.

Author Profile: Mag. Johanna Vedral begleitet Studierende beim Schreiben ihrer Abschlussarbeiten (Masterthese, Diplomarbeit, usw.) mit Lektorat, Developmental Editing und konstruktivem Textfeedback. Sie gibt Einzelcoachings und Workshops, hält Vorträge und schreibt Bücher. Hier geht es zum Beratungsangebot.
Kontakt: johanna.vedral (at) schreibstudio.at   www.schreibstudio.at

Mother Writers: Wie hängen Mutterschaft und Kreativität zusammen?

Vielen (schreibenden) Frauen fällt auf, dass sich durch das Mutterwerden nicht nur der Alltag, sondern auch die ganze Wahrnehmung der Welt, der eigenen Geschichte und Identität verändert. Spannende Fragen wollen beantwortet werden: Inwiefern bin ich anders, inwiefern ähnlich wie meine Mutter? Was macht unsere Generation von Müttern aus? Was die vorige? Wie kann ich aus der Enge von Mutterklischees ausbrechen und eigene Visionen schriftlich formulieren und weiterentwickeln? Wie sieht meine individuelle Form von Mutterschaft aus? Wie hängen Mutterschaft und Kreativität zusammen?
Wie die Verbindung von Mutterschaft und Kreativität in Traum und Mythologie u.a. durch das Symbol der Spinne bzw. der Großen Spinnerin deutlich wird, habe ich u.a. im Kapitel „Die Mutter als Schicksalsmacht“ in „Der Weg des Träumens“ ausgeführt.

In Memoirs aber auch in Romanen und Short Stories erforschen viele Frauen schreibend die Beziehung zu ihren Müttern oder thematisieren ihr eigenes Muttersein: sei es, dass sie ihre schwierige Kindheit mit ihrer Mutter beschreiben, den Sterbeprozess ihrer Mutter schreibend verarbeiten oder über die Zeit mit ihren eigenen Babies schreiben.

In der Schreibgruppe „Mother Writers“, inspiriert vom New Yorker „Workshop for mothers who love to write“, wollen Judith Wolfsberger und ich Raum schaffen für die Erfahrungen, Gedanken & Ideen von Müttern, die gerne schreiben und denen Wörter auf der Seele brennen: schreiben, lesen, unsere Texte teilen und diskutieren. Das Text-Genre ist offen: Geschichten, Streitschriften, Lieder, Essays, Blogtexte, Memoir-Projekte… Vielleicht finden wir eine gemeinsame Form der Präsentation?

Mother Writers: Schreibgruppe für Mütter & Töchter mit Judith Wolfsberger & Johanna Vedral
Dauer & Termine: 6 Freitag-Vormittage: 10., 17., 31. Jänner, 14., 21., 28. Februar 2014, jeweils Freitag von 9 bis 12.30 Uhr
Seminargebühr: 2 Monatsraten zu je € 309,-  Bei Anmeldung bis 27.12. 2013 Frühbucher-Preis: 2 x € 269,- / unbürokratisch mit 200 – 300.- förderbar vom WAFF Bildungskonto.
Ja, ich will mich anmelden!
Autorinnen: Johanna Vedral & Judith Wolfsberger

Collage Writing, Tag 3

24.11.2013

Meine Collage vom dritten und letzten Tag des Seminars, ganz ohne Worte 🙂 Danke für das inspirierende Seminar!
Das nächste Soul Writing-Seminar im writers`studio findet am ersten Wochenende des neuen Jahres statt: „Mindwriting zum Jahreswechsel“. Wir erschreiben uns Wünsche, Ideen & Fokus für 2014 und basteln eine Visions-Collage.

Collage by Johanna Vedral

Collage Writing: Tag 2

Collage by Irene Ronchetti Collage by Irene Ronchetti

Am Tag 2 des intensiven Collage Writing Seminars bin ich ganz mit Bildern erfüllt. Interessant, wie jede/r Teilnehmer/in sich von der Gruppe inspirieren lässt und doch seinen/ihren ganz eigenen Collage-Stil hat: von stark strukturierten abstrakt anmutenden Kompositionen über ins Dreidimensionale strebende Collagen bis zu archetypisch einfachen Kompositionen… Ganz unterschiedlich sind auch die Texte, die von den Bildern ausgehen: üppige Gedichte, Lautmalereien oder Mindwriting…

Wenn du zuhause Collage ausprobieren möchtest, hier findest du die Anleitung.

Lass dich inspirieren von Collage-Künstler/innen, z.B. von Mark Boellaard´s interessantem Blog Collage Adventures oder dem Collage-Blog der Argentinierin Irene Ronchetti

Übrigens 🙂 Mein ebook „Collage Writing“ ist in Vorbereitung, demnächst mehr 🙂

Autorin: Johanna Vedral
Collage by Irene Ronchetti