Mit der Schreibblockade im Paradies bleiben?

„Writer’s Block is an instrument for remaining in Paradise“, provoziert Stan Smeets, der seit 20 Jahren an der Universität Leiden (NL) effektive Schreibstrategien erforscht. Er bezeichnet die Schreibblockade (writer’s block) als eine Form der Selbsttäuschung, mit der Schreibende in einem Zustand der Unschuld verharren und so das Übernehmen von Verantwortung für ihr Schreibproblem vermeiden. Smeets`Perspektive auf Schreibblockaden eröffnet neue Möglichkeiten, damit umzugehen.

Writer`s Block ist nach Smeets eine spezifische Form der Prokrastination. Damit bezeichnet man ein gewohnheitsmäßiges Verhalten, aktiv prioritär bezeichnete Tätigkeiten auf zukünftige Termine, die meist vage und unbestimmt sind, zu verschieben. Stattdessen widmet sich der Prokrastinator Ersatzhandlungen, die häufig weniger wichtig und manchmal auch unsinnig sind.

Prokrastination bei Studierenden (academic trait procrastination) korreliert mit Angst vor Versagen, Depression, Schuldgefühlen, Pessimismus und niedrigem Selbstbewusstsein. Aus diesen Ergebnissen einer Studie von Ferrari (2004) lässt sich allerdings keine typische Prokrastinator-Persönlichkeit ableiten. StudentInnen mit schweren Schreibblockaden sind aber oft Perfektionisten.

Die gute Nachricht: Prokrastination ist gelernt und kann daher verlernt werden.

Smeets bezeichnet Schreibblockaden als „a myth, produced in our minds to protect ourselves.“

Wenn wir schwere Schreibprobleme erleben und nicht mehr die Illusion aufrecht erhalten können, wir wären kompetent, bietet sich als Strategie zur Erhaltung der Unschuld an, dass wir unter einer Krankheit leiden: writer`s block. Mit dieser Diagnose sind wir etwas Besonderes, es gibt jetzt einen schwerwiegenden Grund, warum wir nicht schreiben können. Denn auch wenn sich das Nicht-Schreiben-Können elend anfühlt, es ist ein vertrautes Elend. Wenn wir aufbrechen , um hier etwas zu verändern, ist das neu, unbekannt und furchteinflößender als das vertraute Elend. Also lehnen wir uns zurück und bleiben im Paradies.

Smeets zeigt in seinem Artikel einen interessanten Zugang, Studierenden aus dieser Pattsituation heraus zu helfen. Er hat ein siebenstufiges Coachingprogramm entwickelt, das Schreibern, die unter schweren Schreibblockaden leiden, helfen soll, eine aktive, Verantwortung übernehmende Rolle beim Lösen ihres Problems zu finden. Er stützt sich dabei auf Techniken des Neurolinguistischen Programmierens (NLP) und Rational Emotive Behaviour Therapy (REBT).

  1. Wechsle den Fokus vom Problem zum Ziel/ zur Lösung.
  2. Formuliere das Ziel.
  3. Was hält dich davon ab, dieses Ziel zu erreichen?
  4. Wozu ist dieser Widerstand gut?
  5. Erkenne: Widerstand ist ein Selbstschutzmechanismus, mit dem du umgehen lernen sollst, statt ihn zu bekämpfen.
  6. Was brauchst du, um dein Ziel zu erreichen/ mit diesem Widerstand konstruktiv umzugehen?
  7. Es gibt kein Versagen, nur Feedback.

Welche Erfahrungen hast du mit der kognitiven Neubewertung von Schreibblockaden?

Eine Fülle weiterer Anregungen, Tipps und Erfahrungsberichte zum konstruktiven Umgang mit Schreibblockaden findest du in der Blogparade gegen Schreibblockaden von PR-Doktor Kerstin Hoffmann. Danke für diese inspirierende Blogparade 🙂

Smeets, Stan: Writer’s Block as an Instrument for Remaining in Paradise. How to beat writer’s block: A multidisciplinary approach.

Ferrari, Joseph R. (2004). «Trait procrastination in academic settings: an overview of students who engage in task delays.» Counselling the Procrastinator in Academic Settings Ed. Henri C. Schouwenburg, Clarry H. Lay, Timothy A. Pychyl, and Joseph R. Ferrari. Washington: American Psychological Association. 19–27.

Autorin: Johanna Vedral

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3 Gedanken zu „Mit der Schreibblockade im Paradies bleiben?

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