Archiv für den Monat Oktober 2013

Right now is the moment to commit to your novel!

Das ist ein Motto des jährlich weltweit im Oktober unter AutorInnen ausbrechenden Rummels zur Vorbereitung des NaNoWriMo. Heute Abend ist es auch in Wien soweit: die regionale Wiener NaNoWriMo-Gruppe trifft sich zum Schreib-Kick off, und um Punkt Mitternacht geht`s los mit unseren Romanen, bis die Tasten glühen! 🙂 🙂 🙂

NaNoWriMo (National Novel Writing Month) ist ein jährlich stattfindendes Creative Writing-Projekt, das übers Internet organisiert wird. Der Amerikaner Chris Baty startete 1999 mit 21 TeilnehmerInnen und hat seitdem immer mehr und mehr Leute zum Schreiben angestiftet. 2012 waren es bereits 170.000, die sich vom NaNoWriMo-Fieber anstecken ließen und sich in einen Monat Schreib-flow stürzten!

Vorrangiges Ziel für jede TeilnehmerIn des NaNoWriMo ist, während der 30 Tage des Monats November den Rohtext (first draft) eines Romans mit mindestens 50.000 Wörtern zu verfassen. Da bin ich mit einem neuen Fantasy-Roman dabei, weil da vor ein paar Wochen plötzlich eine Szene auftauchte und die große Lust, diese Geschichte zu schreiben… Außerdem passt der Zeitpunkt perfekt, um mein Memoir-Projekt ein Monat ruhen und reifen zu lassen.

Schreibst du diesen November auch einen Roman? Hol dir noch mehr Schreibmotivation beim 1-DAY WRITERS´ RETREAT: Schreibmontag auf der urbanen Insel in Wien.
Oder willst du dein Buch in Blogform veröffentlichen? Nina Amir verrät dir „5 Ways to Start Blogging Your Change-Inspiring Book When Inspiration Hits“

Autorin: Johanna Vedral

Mit der Schreibblockade im Paradies bleiben?

„Writer’s Block is an instrument for remaining in Paradise“, provoziert Stan Smeets, der seit 20 Jahren an der Universität Leiden (NL) effektive Schreibstrategien erforscht. Er bezeichnet die Schreibblockade (writer’s block) als eine Form der Selbsttäuschung, mit der Schreibende in einem Zustand der Unschuld verharren und so das Übernehmen von Verantwortung für ihr Schreibproblem vermeiden. Smeets`Perspektive auf Schreibblockaden eröffnet neue Möglichkeiten, damit umzugehen.

Writer`s Block ist nach Smeets eine spezifische Form der Prokrastination. Damit bezeichnet man ein gewohnheitsmäßiges Verhalten, aktiv prioritär bezeichnete Tätigkeiten auf zukünftige Termine, die meist vage und unbestimmt sind, zu verschieben. Stattdessen widmet sich der Prokrastinator Ersatzhandlungen, die häufig weniger wichtig und manchmal auch unsinnig sind.

Prokrastination bei Studierenden (academic trait procrastination) korreliert mit Angst vor Versagen, Depression, Schuldgefühlen, Pessimismus und niedrigem Selbstbewusstsein. Aus diesen Ergebnissen einer Studie von Ferrari (2004) lässt sich allerdings keine typische Prokrastinator-Persönlichkeit ableiten. StudentInnen mit schweren Schreibblockaden sind aber oft Perfektionisten.

Die gute Nachricht: Prokrastination ist gelernt und kann daher verlernt werden.

Smeets bezeichnet Schreibblockaden als „a myth, produced in our minds to protect ourselves.“

Wenn wir schwere Schreibprobleme erleben und nicht mehr die Illusion aufrecht erhalten können, wir wären kompetent, bietet sich als Strategie zur Erhaltung der Unschuld an, dass wir unter einer Krankheit leiden: writer`s block. Mit dieser Diagnose sind wir etwas Besonderes, es gibt jetzt einen schwerwiegenden Grund, warum wir nicht schreiben können. Denn auch wenn sich das Nicht-Schreiben-Können elend anfühlt, es ist ein vertrautes Elend. Wenn wir aufbrechen , um hier etwas zu verändern, ist das neu, unbekannt und furchteinflößender als das vertraute Elend. Also lehnen wir uns zurück und bleiben im Paradies.

Smeets zeigt in seinem Artikel einen interessanten Zugang, Studierenden aus dieser Pattsituation heraus zu helfen. Er hat ein siebenstufiges Coachingprogramm entwickelt, das Schreibern, die unter schweren Schreibblockaden leiden, helfen soll, eine aktive, Verantwortung übernehmende Rolle beim Lösen ihres Problems zu finden. Er stützt sich dabei auf Techniken des Neurolinguistischen Programmierens (NLP) und Rational Emotive Behaviour Therapy (REBT).

  1. Wechsle den Fokus vom Problem zum Ziel/ zur Lösung.
  2. Formuliere das Ziel.
  3. Was hält dich davon ab, dieses Ziel zu erreichen?
  4. Wozu ist dieser Widerstand gut?
  5. Erkenne: Widerstand ist ein Selbstschutzmechanismus, mit dem du umgehen lernen sollst, statt ihn zu bekämpfen.
  6. Was brauchst du, um dein Ziel zu erreichen/ mit diesem Widerstand konstruktiv umzugehen?
  7. Es gibt kein Versagen, nur Feedback.

Welche Erfahrungen hast du mit der kognitiven Neubewertung von Schreibblockaden?

Eine Fülle weiterer Anregungen, Tipps und Erfahrungsberichte zum konstruktiven Umgang mit Schreibblockaden findest du in der Blogparade gegen Schreibblockaden von PR-Doktor Kerstin Hoffmann. Danke für diese inspirierende Blogparade 🙂

Smeets, Stan: Writer’s Block as an Instrument for Remaining in Paradise. How to beat writer’s block: A multidisciplinary approach.

Ferrari, Joseph R. (2004). «Trait procrastination in academic settings: an overview of students who engage in task delays.» Counselling the Procrastinator in Academic Settings Ed. Henri C. Schouwenburg, Clarry H. Lay, Timothy A. Pychyl, and Joseph R. Ferrari. Washington: American Psychological Association. 19–27.

Autorin: Johanna Vedral

Hallo, liebe Perfektionistin! Es ist nur eine Diplomarbeit!

Immer wieder gestehen mir Studierende beim ersten Schreibcoaching: „Ich bin eine Perfektionistin!“ und beschreiben, wie dieser hohe Anspruch das Schreiben schwer macht und nicht selten ganz zum Stillstand bringt. Mir ist aufgefallen, dass der Schreibtyp des Planers sehr oft auch ein Perfektionist ist (Welcher Schreibtyp bist du? Mach den Test! oder lies mehr dazu bei Scheuermann, Ulrike: Die Schreibfitness-Mappe. 60 Checklisten, Beispiele und Übungen für alle, die beruflich schreiben. Wien 2011).

Eine realistische Perspektive zu entwickeln und die Ansprüche auf ein realistisches Maß herunter zu schrauben, sind wichtige Schritte beim Diplomarbeit-Schreiben. Deine Arbeit muss nicht perfekt werden, gut genug reicht vollkommen!

Aber – was ist gut genug? Was wird von dir erwartet? Du musst mit der Diplomarbeit/ Masterthese weder das Rad neu erfinden, noch einen Nobelpreis gewinnen. Nicht einmal eine neue wissenschaftliche Erkenntnis muss dabei rausschauen. 🙂 Welche Ansprüche werden an eine Diplomarbeit/ Masterthese angelegt? Was macht gutes wissenschaftliches Schreiben aus? Wie lernst du Texte zu verfassen, die gut genug sind für deine Abschlussarbeit?

Hol Dir im 7-teiligen Workshop den nötigen Schwung und neue Strategien zum Fertigstellen deiner Abschlussarbeit! Komm zum Gratis-Infoabend: Do, 31. Okt. 2013 um 18:30 Uhr im writers’studio, 1090 Wien, Pramergasse 21

Autorin: Johanna Vedral

Potencial Space: Tagebuch schreiben

Autobiographisches Schreiben ist eine Möglichkeit, mutig deine ganz persönliche Heldenreise anzutreten, dich selbst tiefer kennenzulernen, deine Verletzungen, deine Schätze, deine Geschichte(n), deine immer sprudelnde kreative Quelle… Als Schreibende brauchst du nur dein Tagebuch und einen Stift, um das Tor zum inneren Raum zu öffnen.

Beim Tagebuchschreiben entdeckst du deinen inneren Raum, baust ihn täglich weiter aus, erfüllst diesen Potencial Space mit Bildern, Inhalten, Bedeutung und Sinn. Der Potencial Space ist ein Möglichkeitsraum (nach Winnicott 1974), ein Raum, der nur dir gehört, ein sicherer Raum, in dem du wachsen und dich entfalten, Altes ordnen und Neues ausprobieren kannst… dein Raum, nur für dich.

Worüber kannst du schreiben?  12 Themenvorschläge fürs Tagebuch von Christian Müller.
Im Oktober und November 2013 gibt es anlässlich des seit 2004 von Traute Molik-Riemer organisierten Tagebuchtags Schreibworkshops, Lesungen und Vorträge zum Thema Tagebuch in Wien und Umgebung. Im Projekt „Menschen schreiben Geschichte“ werden Erinnerungstexte, Tagebuchnotizen, kleine Alltagserzählungen oder ganze Lebens- und Familiengeschichten aus vielen privaten Schreibtischladen gesammelt.

Autorin: Johanna Vedral

Memoir: Die Geister, die ich rief…

Fool on the bridge1Memoir ist ein faszinierendes Genre. Memoir-Schreiben kann starke unbewusste Energien und Kräfte aktivieren und dich in eine magische Welt versetzen. Dein Schreibstift ist dein Zauberstab – du kannst dich daran festhalten und verankern, du kannst etwas damit fest schreiben und du kannst dich wieder frei schreiben.

Bevor du dich auf die Reise ins Innere aufmachst, bereitest du dich – wie alle HeldInnen – auf diese Reise vor: Du suchst dir einen Wegbegleiter, einen Psychopompos, der die Lampe fest hält in der Dunkelheit.

Diese Begleitung kann eine Therapeutin sein, eine Memoir-Schreibgruppe, dein Schutzengel, dein Totemtier, der Archetyp der inneren Heilerin – oder ein anderes Symbol für eine höhere, leitende und schützende Kraft, die du z.B. in Form einer Collage sichtbar machen kannst.

Deine innere Therapeutin hilft dir dabei, nur die „Geister“ zu rufen, mit denen du auch umgehen kannst… Sie sorgt dafür, dass du beim Schreiben nur so viele Traumata zutage beförderst, wie du auch verarbeiten kannst, in deinem Tempo und in deiner Zeit.

„There’s no greater agony than bearing an untold story inside you.“ (Maya Angelou)

Wie gehst du mit dieser spannenden Gratwanderung um?

Autorin: Johanna Vedral

Mit der Hand schreiben?

Ich schreibe am liebsten mit der Füllfeder. Da geht das Schreiben schnell, flüssig, ungeniert, persönlich, intim, frei, roh und wild. Da geht es nur darum, die Gedanken und Bilder aufs Papier zu bringen, damit sie mal in die Welt gesetzt und in einem Text nur für mich festgeschrieben sind.

Mit der Schreibmaschine (ja, damals, in der Steinzeit) funktionierte das freie Schreiben auch ganz gut, weil sowieso klar war, dass ich den ersten Entwurf noch mal in Reinform tippen musste. Der große Nachteil der Schreibmaschine war für mich der erforderliche kräftige Tastenanschlag, was bei meinem Zweifingersystem so manchen Schreibrausch mit breitgeklopften schmerzenden tintenschwarzen Fingern beendete. Beim Umstieg auf die leichtgängigeren Computertastaturen brauchte ich auch länger, um das kräftig in-die-Tasten-Hauen in ein sanftes über-die-Tasten-Gleiten zu verwandeln. Mittlerweile verwende ich vier Finger beim Tippen. Wenn das so weitergeht, bin ich mit 100 beim Zehnfingersystem angekommen. 🙂

Die anfangs mit großer Begeisterung aufgenommene Papier- und Tipp-Ex-Ersparnis durch den Umstieg auf den Computer wich bald einer neuen Schwierigkeit beim Schreiben. Die coolen Tools der zunehmend ausgefeilteren Textverarbeitungsprogramme führten dazu, dass ich leicht beim Rohtextschreiben in den Überarbeitungsmodus verfallen konnte, musste ich doch nur die Delete-Taste drücken und konnte mitten im Satz mit dem Umformulieren beginnen.

Mittlerweile habe ich eine Strategie gefunden, Rohtexte auch am Computer zu schreiben: Ich verzichte konsequent auf Großbuchstaben, weil es schneller geht, wenn ich nicht dauernd die Umstelltaste drücken muss. Auch auf die korrekte Interpunktion und das sofortige Ausbessern von Tippfehlern pfeife ich, das kann ich ja beim Überarbeiten machen. Am besten ist, ich schaue auch nicht auf den Bildschirm, weil ich den Schreibfluss nicht durch Zurücklesen einbremsen will. Beim Überarbeiten lese ich den Text sowieso.

Gelingt es mir nicht, in einen flüssigen Schreibmodus zu kommen, hilft bei mir nur zum händischen Schreiben zurückzukehren und mir mit meinem Notizbuch einen neuen Schreibplatz zu suchen, wo es fließt. Schließlich schreibe ich ja auch deshalb so gern, weil sich das anfühlt, wie in einer sprudelnden Quelle zu baden, die mich mit der ganzen Welt verbunden fühlen lässt. Ich schreibe, weil es mich glücklich macht – und um dieses Glück mit-zu-teilen.

Wie hältst du es mit dem Rohtext-Schreiben?

Autorin: Johanna Vedral

Schreibblockaden bei der wissenschaftlichen Abschlussarbeit – was hilft?

Viele Studierende bleiben beim Schreiben ihrer Diplomarbeiten und Masterthesen stecken und suchen sich deshalb professionelle Unterstützung. Meistens stellt sich im Coaching heraus, dass die Studierenden nicht unter Schreibblockaden oder gar Schreibangst leiden, sondern zu wenig über den Schreibprozess wissen. Oft wenden sie unpassende Schreibstrategien oder widersprüchliche starre Schreibregeln an, die sie nicht weiterführen. Falsche Ansprüche an das eigene Schreiben und eine perfektionistische Einstellung lassen das Schreiben stocken.

Speziell im deutschsprachigen Raum herrscht noch immer der (blockierende) Mythos vom Schreibgenie: Entweder kann man schreiben oder nicht, alles eine Frage der Begabung. Oder doch nicht?

Schreiben ist ein Handwerk, das man durch beharrliches regelmäßiges Schreiben lernt und laufend weiter entwickelt. Nützliche Anregungen zur Optimierung des Schreibverhaltens aus psychologischer Sicht findest du hier. Schwung und Strategien für die wissenschaftliche Arbeit findest du hier.

Schreibschwierigkeiten sind normal und gehören zu jedem Schreibprozess dazu.

„Schreibkompetenz besteht nicht darin, keinerlei Schwierigkeiten zu haben, sondern mit ihnen umgehen zu können.“ (Girgensohn & Sennewald, 2012, S.119). Keith Hjortshoj sieht Schreibschwierigkeiten als positive Meilensteine bei der Weiterentwicklung der eigenen Schreibkompetenz. Denn bei der Bewältigung dieser Schreibkrisen finden die Schreibenden effizientere Methoden für ihren Schreibprozess.

Eines der mächtigsten Werkzeuge gegen Schreibblockaden ist Freewriting. Dieses geniale writing tool von Peter Elbow bedeutet, für eine begrenzte Zeitspanne unzensiert zu schreiben und die Ideen frei fließen zu lassen. So entsteht ein „shitty first draft“, ein Heranschreiben an ein Thema und an den „eigentlichen“ Text und eine gute Grundlage für einen besseren second draft und einen noch besseren third draft.

Die Regeln für freewiting findest du hier! Stell den Wecker auf 10 Minuten und schreib los!

Eine umfangreiche Sammlung an hilfreichen Tipps &Tricks bei Schreibblockaden findest du in der Blogparade gegen die Schreibblockaden von PR-Doktor Kerstin Hoffmann.

Autorin: Johanna Vedral