Archiv für den Monat September 2013

6 Tipps fürs Schreiben der Diplomarbeit aus verhaltenspsychologischer Sicht

Schreiben ist eine Form von „verbal behavior“, sagt der US-amerikanische Verhaltens-Psychologe B.F. Skinner in seinem klassischen Vortrag für Studierende „How you discover what you have to say” (Skinner, 1981)
Wie können wir unser Schreib-Verhalten effizienter gestalten? Wie sollte das Selbst-Management beim Schreiben der Diplomarbeit und anderen Schreibprojekten aussehen?

  1. Guter körperlicher Zustand: gute Ernährung, genug Bewegung und Erholung.
  2. Schreibort: Da am Schreibtisch Kontrolle über das „verbal behavior“ erlangt werden soll, wird am Schreibtisch nur geschrieben. Das bedeutet auch, dass der Laptop für Freizeitaktivitäten woanders hingetragen wird 🙂
  3. Disziplin: Schreibe jeden Tag zu einer bestimmten Zeit, z.B. eine Stunde am Vormittag. Es reicht, mit regelmäßigen 10-Minuten-Sessions zu beginnen.
  4. Notizbuch immer dabei: Schreibe tagsüber Ideen und Notizen in ein Notizbuch. Die besten Ideen kommen oft zwischendurch, wenn du nicht am Schreibtisch sitzt.
  5. Positive Verstärker: Du kannst z.B. deinen täglichen Schreibfortschritt & das Wachsen deiner Texte (Worte, Zeichen zählen) dokumentieren. Oder du holst dir den besten Verstärker, den es fürs Schreiben gibt: Feedback von einem friendly reader oder in einer Schreibgruppe 🙂 (z.B. in der Schreibfabrik mit Feedback).
  6. An  zwei Texten parallel arbeiten: Wenn du „sick of the subject” bist und sich große Abneigung gegenüber deinem Text einstellt, arbeite an einem zweiten Text gleichzeitig. Wenn du bei einem Text nicht weiter kommst, wechsle zum anderen.

Was machst du, um dein Schreibverhalten zu optimieren? Nutzt du auch Selbst-Konditionierungstechniken wie Skinner?

Skinner, B.F. 1981. How you discover what you have to say. A talk to students. The Behaviour analyst 4(1): 1-7. URL: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2741992/pdf/behavan00072-0003.pdf (Stand: 19.8.2014)

Autorin: Johanna Vedral

Schätze aus deinem Notizbuch bergen

Kennst du das? Du hast das Gefühl, in den letzten Wochen nicht an deinem derzeitigen Schreibprojekt geschrieben zu haben. Doch wenn du in das Notizbuch schaust, in das du deine Freewritings kritzelst, stellst du fest, du hast viele, viele Seiten Rohtext geschrieben, aber noch nicht abgetippt. Bevor du jetzt traurig wirst, weil die letzte Version deines Manuskripts schon vor drei Wochen gespeichert wurde, „bewaffne“ dich mit bunten Filzstiften und Textmarkern und mach dich ans Bergen der Schätze. Ich markiere und unterstreiche die Stellen, die ich abtippen möchte, in unterschiedlichen Farben  – für mein derzeitiges Buchprojekt, Blogbeiträge, Seminarplanung, Geschichtenanfänge, Plotnotizen… Dann fang ich an zu tippen. Dabei kommen mir gleich wieder viele neue Ideen, die entweder als Stichworte im Word-Dokument oder im Notizbuch landen. Wenn dich der Gedanke ans Abtippen gleich in schlechte Stimmung versetzt, probier doch mal aus, deine Rohtexte in eine Audiodatei einzulesen und einer Transkriptorin zu schicken, die dir dann eine Word-Datei schickt.

Autorin: Johanna Vedral

Was haben Diplomarbeiten, Gebärmutteroperationen und schizophrene Bewusstseinszustände gemeinsam?

Schreibenden ist nicht immer von Anfang an klar, welche Nische sie als AutorInnen bespielen und was der gemeinsame Nenner ihrer Texte ist. Joanna Penn stellt in ihrem Artikel „How To Discover and Build Your Author Brand” die richtigen Fragen für AutorInnen, damit sie klarer mit potenziellen LeserInnen kommunizieren können, z.B. Welche keywords könntest du deinen Texten zuordnen, damit sie gefunden werden?

Was mich am meisten interessiert, ist, wie Schwellen- und Umbruchssituationen erfahren und kreativ bewältigt werden. Das lese ich am liebsten, und darüber schreibe ich auch immer wieder, seien es Fachtexte oder literarische Texte. Ich habe u.a. über die Leistungen Studierender beim Schreiben ihrer Abschlussarbeiten aus psychologischer Perspektive geschrieben, über Schwellensymbole in Träumen, das Wesen der Psychose und kunsttherapeutische Interaktionen mit Schizophrenen, wie Frauen Gebärmutteroperationen bewältigen oder sich in der Umbruchphase des Single-Daseins zurechtfinden. In meinem derzeitigen Romanprojekt „Die Monsterfalle“ erlebt die Protagonistin die schwierige Umbruchsituation des Auszugs aus dem Elternhaus.

Und – was tun, falls ihr zwei oder drei große Themen habt, über die ihr schreibt? Hier empfiehlt Joanna Penn, unterschiedliche Themen auch auf eigenen Websites/ Author platforms zu bewerben. Viele AutorInnen schreiben demzufolge auch unter unterschiedlichen Namen für unterschiedliche Nischen/ Genres, z.B. veröffentlicht Megan Lindholm  zeitgenössische Fantasy- und Science Fiction-Geschichten, unter dem Pseudonym Robin Hobb  hingegen publiziert sie epische Fantasy.

Und – was war für euren Author Branding Prozess nützlich?

Autorin: Johanna Vedral

Achtung: Diplomarbeit schreiben kann richtig Spaß machen!

Am Anfang sind viele Studierende beim Schreiben unsicher, zögerlich, skeptisch, ängstlich oder haben den Wunsch, “das möglichst schnell runterzubiegen”. Beim Endspurt erlebe ich oft, wie sie doch Feuer gefangen haben und wie ihre Augen leuchten, wenn sie mit mir über ihr methodisches Vorgehen und den spannenden Prozess ihrer Abschlussarbeit sprechen. Neben einer gelungenen Abschlussarbeit können sie sich über die positiven Auswirkungen des Schreibens auf ihre emotionale Befindlichkeit freuen. Denn bei StudentInnen wie auch bei BerufsautorInnen intensiviert das Schreiben über selbst ausgewählte Themen positive Gefühle und stumpft gleichzeitig negative Gefühle ab (mehr dazu bei: Brand, A.: The Psychology of Writing: The Affective Experience. Westport, Greenwood, 1989)

Autorin: Johanna Vedral

Wie hältst du es mit den Morgenseiten?

Ich schreibe täglich – Morgenseiten, Abendseiten, U-Bahn-Seiten, Parkbank-Seiten und auch sonst noch zwischendurch. Heute habe ich um 6 Uhr morgens geschrieben, weil mich eine krächzende Krähe im Garten aufgeweckt hat. Es ist erfrischend, für 10 Minuten in diesen herrlichen Schreibraum eintauchen, in dem ich einfach frei bin, alles loszuwerden, was mir so durch den Kopf geht und was sich durch meine Hand aufs Papier ergießen will. Ich erlaube mir wie Natalie Goldberg: „I am free to write the worst junk in the world.“ Ich habe auch schon versucht, einen Tag ohne Schreiben auszukommen, aber nach zwei oder drei Tagen werde ich schon sehr unrund, und länger ohne freewriting auszukommen, das habe ich noch nie ausprobiert. Ray Bradbury hat geschrieben, wenn er länger als drei Tage nicht schreibt, dreht er durch – und so weit kommen lassen wollte ich es dann doch noch nie. Und – wie geht`s dir beim Schreiben der Morgenseiten?

Autorin: Johanna Vedral

„Share yourself freely!“

fordert Gayle Brandeis in ihrem empfehlenswerten Buch „Fruitflesh“, in dem sie sinnliche Schreibanleitungen für ein befreiteres Schreiben teilt. Sharing, der Austausch von Erfahrungen, ist eine wunderbare Möglichkeit, andere am eigenen inneren Reichtum teilhaben zu lassen. „Write and be generous“, schreibt Gayle. Ich nehm mir das zu Herzen, zum Beispiel mit diesem neuen Blog. Die Autorin Joanna Penn sieht Blogging als „a way to share what I learn.“

Mein Weg ist das Schreiben, in bunter und vielfältiger Verbindung mit anderen kreativen Medien. Auf meiner langjährigen Reise durch den kreativen Prozess, als Schreibende wie auch als Begleiterin anderer Schreibender, habe ich viele interessante Erfahrungen und Beobachtungen gemacht und dabei auch ein bisschen was dazugelernt. 🙂 Und jetzt freue ich mich auf das Abenteuer dieses Blogs und auf euer Feedback.

Autorin: Johanna Vedral